EHC-Star Jason Jaffray Ein Genickbruch und Mamas guter Rat

Münchens Jason Jaffray ist der Torjäger des EHC Red Bull München. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Jason Jaffray, Torjäger des EHC Red Bull München, erlitt vor ein paar Jahren eine Horrorverletzung. Die Mama überredete ihn, weiterzumachen. „Ich bin ihr auch dafür ewig dankbar!“

 

München -  Sein Name ist Jaffray, Jason Jaffray. Der Mann mit der Lizenz zum Scoren. Der 34-Jährige ist der unangefochtene Toptorjäger des EHC Red Bull München. In seinen ersten 33 DEL-Spielen hat der NHL-erfahrene Kanadier 17 Treffer erzielt, nur der Ex-Münchner Martin Schymainski (Krefeld Pinguine) hat noch mehr Zielwasser gesüffelt (19 Tore). In den ersten acht Partien traf er jeweils, damit brach er den 20 Jahre alten Rekord von Robert Reichel. „Natürlich tut es sehr gut, wenn man gleich zu Anfang trifft. Es ist ja nicht so leicht, wenn man in ein neues Land kommt, in eine neue Liga. Und dann noch einen Rekord zu brechen, sich in den Geschichtsbüchern der DEL zu verewigen, ist sehr speziell“, sagt Jaffray vor dem bayerischen Derby im ersten Spiel des neuen Jahres bei den Nürnberg Ice Tigers.

Speziell auch, weil es nicht selbstverständlich ist, dass Jaffray überhaupt noch treffen, überhaupt noch spielen kann. Hätte Jaffray, der einer der erfolgreichsten Spieler in der nordamerikanischen Liga AHL war, auf einige seiner Ärzte, seiner Freunde, seiner Mitspieler gehört, er hätte die Karriere beendet. Denn 2012 erlitt der Familienvater eine Horrorverletzung. „Ich habe einen harten Check abbekommen, bin aber noch selbstständig ohne fremde Hilfe vom Eis gegangen“, erinnert sich Jaffray, „ich wurde dann in der Kabine von den Teamärzten auf Symptome einer Gehirnerschütterung untersucht, aber der Befund war negativ. Also wollte ich gleich wieder rauf aufs Eis, doch als ich meine Schlittschuhe schnüren wollte, stellte ich fest, dass ich keinerlei Gefühl mehr in meinem Fingern hatte.“

Ein extremes Warnsignal für die Ärzte. Sie ließen Jaffray gleich ins Krankenhaus bringen.Dort kam er in die Röhre. Der erschütternde Befund: Nackenbruch. „Natürlich war das ein Schock“, sagt Jaffray, „das will man selber nie in seinem Leben hören, das will man nie in seinem Leben den Eltern, der Frau beibringen müssen. Ich hatte keine Ahnung, ob ich je wieder Eishockey spielen können würde – oder wie es weitergehen sollte.“

Ihm wurde geraten, zu überlegen, die Karriere zu beenden. „Die Ärzte sagten mir ins Gesicht, dass ich es lassen sollte, dass es sicherer und besser wäre, wenn ich mich auf ein Leben ohne Eishockey vorbereiten würde“, sagt Jaffray, „ich sollte die Reha machen, die Verletzung ausheilen lassen und mir dann was anderes suchen, mit dem ich meinen Lebensunterhalt verdienen könnte.“

Jaffray war nahe dran, genau das zu tun. Doch es war seine Mutter Diane, die ihn überzeugte, dass er seine große Sportlerliebe – das Eishockey – nicht aufgeben sollte, ohne alles für ein Comeback getan zu haben. „Ich saß mit meiner Familie zusammen, wir machten uns Gedanken, was jetzt passieren müsste, als sie meinte: „Liebst du Eishockey noch? Liebst du es noch, mit den Jungs in der Kabine zu sein? Liebst du es noch, Tore zu schießen? Wenn ja, dann gib es nicht alles einfach so auf. Folge deinem Herzen, denn wenn du aufhörst, bevor dein Herz – nicht nur dein Verstand – es dir sagt, wirst du es dein Leben lang bereuen.“


Jaffray ging zu einem Spezialisten. Dem Arzt, der Peyton Manning, den legendären Footballer, Star-Quarterback der Denver Broncos, behandelt hatte, als der die identische Verletzung wie Jaffray hatte. „Er hat mir sehr geholfen. Und auch die Geschichte von Manning. Der muss im Football viel mehr, viel härtere Checks hinnehmen. Wenn
der damit auf höchstem Niveau spielen kann, dann schaffe ich das auch. Es war meine Mutter, die mich in die richtige Richtung geschubst hat. Auch dafür werde ich ihr ewig dankbar sein.“

Mütter wissen es eben doch manchmal wirklich besser. Das große Comeback, das Deutschland-Abenteuer von Jaffray hat sie aber nicht mehr erlebt. Sie starb vor gut zwei Jahren überraschend an einem Herzinfarkt. „Sie hat mir so viel gegeben. Welten eröffnet. Sie hatte einen Buch- und CD-Laden. Dort herumzustöbern, immer die neuesten Scheiben zu haben, Bücher zu lesen, die deine Sicht der Dinge verändern können, das war ein großes Privileg“, sagt Jaffray, „sie hat mich immer gefördert, ohne Druck zu machen.“    

 

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