EHC-Star im AZ-Interview Mitchell: "Die beste Antwort gibt man immer auf dem Eis"

Zwei Spieler, eine Ex-Beziehung: Sowohl John Mitchell (l.) als auch Yasin Ehliz verdienten einst ihre Brötchen in Nürnberg. Foto: Rauchensteiner/Augenklick/ho/AZ

Für Yasin Ehliz, dessen Wechsel nach München für viel Unmut gesorgt hat, geht es am Freitag mit dem EHC zu seinem Ex-Klub Nürnberg. Die AZ sprach mit Teamkollege John Mitchell über die Situation.

München - AZ-Interview mit John Mitchell. Der 33-jährige Kanadier absolvierte 566 Spiele in der NHL, 2017 wechselte er zu den Nürnberg Ice Tigers in die DEL, zu dieser Saison unterschrieb er beim EHC Red Bull München. Am Freitag (19.30 Uhr) treffen die beiden Teams aufeinander.

AZ: Herr Mitchell, das sind interessante Tage für Sie. Erst der 2:1-Sieg mit dem EHC Red Bull München im Viertelfinale der Champions League gegen den schwedischen Topklub Malmö Redhawks, am Freitag geht es zum Wiedersehen mit Ihrem Ex-Klub Nürnberg in der DEL!
JOHN MITCHELL: Absolut richtig, ich liebe es, wenn es um etwas geht, wenn das emotionale Level hoch ist. Gegen Malmö war es ein harter Fight, sie sind schnell, sind sehr gut ausgebildet, sie wollten uns fertigmachen. Aber auch wir wollten das Gleiche mit ihnen machen. Wir haben unsere mentale Stärke bewiesen, als wir nach dem Rückstand das Spiel noch gedreht haben.

Zeichnet diese mentale Stärke den EHC besonders aus?
Ja, Panik gibt es bei uns auf der Bank nicht. Wenn wir hintenliegen, denken alle: Okay, das packen wir. Diese Einstellung, diese Energie ist absolut ansteckend. Ich habe auch in Mannschaften gespielt, wo es genau andersrum war. Dort hat man gemerkt, dass die Herzen in die Hosen rutschen, die Hände verkrampfen, das Team zerbrechlich war, sobald man in Rückstand geriet. Aber so sind die Red Bulls nicht, so bin ich nicht.

Jetzt also Nürnberg – im ersten Aufeinandertreffen im Oktober erzielten Sie gleich einen Treffer gegen den Ex-Klub.
Es ist immer besonders und sehr emotional, gegen seinen alten Verein zu spielen, speziell, wenn noch viele Freunde dort spielen. Wenn man dann noch ein Tor zum Sieg beisteuern kann, ist das die berühmte Kirsche auf der Torte.

Hätten Sie gedacht, dass Nürnberg in dieser Saison derart abstürzen und Drittletzter sein würde?
Es gab natürlich viele Veränderungen bei den Ice Tigers, bei den Spielern, dem Trainer. So ein Übergang ist ja nicht immer leicht. Aber sie tun sich wirklich schwer. Wie gesagt, eine Mannschaft kann ein sehr zerbrechliches Gebilde sein.

Dieses Spiel in Nürnberg dürfte ein ganz besonderes sein.
Klar, mein alter Teamkollege Steven Reinprecht, der ja so viele Jahre für Nürnberg gespielt hat...

...von 2012 bis 2018...
Er wird am Freitag in der Nürnberger Halle verabschiedet. Ich bin froh, dass ich dabei sein kann und hoffe sehr, dass ich die Gelegenheit finde, die Verabschiedung anzuschauen. Ich kann über ihn nur das Allerbeste sagen. Er hat einfach Klasse. Er ist ein herausragender Spieler und ein nicht minder toller Freund und Mensch.

Wie Sie sich vorstellen können, zielten wir mit der Frage auf ein anderes Ereignis – die Rückkehr von Yasin Ehliz nach Nürnberg. Dessen Wechsel nach München hat für viel Unmut gesorgt.
(lacht) Ach so.

Und?
Ich war euphorisch, als ich gehört habe, dass Yasin wieder mein Teamkollege wird. Er ist ein besonderer Spieler, der Geschwindigkeit, Können, Härte und Wille in sich vereint. Er macht jedes Team stärker. Es tut mir ein bisschen leid für ihn, dass er noch nicht als Torschütze und Vorlagengeber bei uns in Erscheinung treten konnte. Er hilft uns zwar schon sehr, aber die Statistiken sagen das noch nicht aus. So etwas kann für einen Spieler zu einer Last werden, aber das ist nur eine Frage der Zeit.

Wieder gut ausgewichen. Was sagen Sie, der in seiner langen Karriere ziemlich alles gesehen hat, zu dem Brief, den die Ice Tigers nach dem Wechsel veröffentlicht haben, in dem sie Ehliz Wortbruch vorwerfen?
Ich habe das Statement nicht gelesen, aber ich habe davon gehört. Ich habe mit Yasin darüber gesprochen, er sieht einige Dinge fundamental anders. Ich als Organisation hätte diesen öffentlichen Brief sicher nicht geschrieben, aber das muss jeder selber wissen und entscheiden. Ich sehe es so: Yasin hat so lange, acht Jahre, für Nürnberg gespielt. Man sollte sich darüber freuen und auch ein bisschen dankbar sein, wenn ein Spieler so lange bei einem Verein ist, das ist nicht selbstverständlich. Klar, je länger man irgendwo ist, umso größer ist das Empfinden, dass ein Spieler zu einem Verein gehört. Aber letztlich ist es die Entscheidung eines Spielers, wo er unterschreibt. Das hat nichts mit Illoyalität zu tun.

Loyalität gilt auch immer für beide Seiten.
Absolut richtig. Man muss als Verein auch dafür sorgen, dass man sich als Spieler heimisch und willkommen fühlt.

Erwarten Sie viele Pfiffe für Ehliz?
Das kann sein, aber die beste Antwort gibt man sowieso immer auf dem Eis.

Letzte Frage: Wie geht es eigentlich Ihrem Gebiss? Sie haben ja gleich nach Ihrer Ankunft beim EHC mehrere Frontzähne nach dem Check eines Teamkollegen verloren.
Ich habe jetzt immerhin falsche Zähne, die ich rein- und raustun kann. Ich kann also endlich wieder durch die Straßen laufen und den Menschen ein Lächeln schenken, das nicht an eine Halloween-Figur erinnert.

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