EHC Red Bull München Michael Wolf: Verkehrsprobleme In München

Der EHC Red Bull München gewann das Testspiel gegen Lugano mit 6:4. Foto: GEPA pictures/ho

Michael Wolf spricht in der AZ über seinen Wechsel zum EHC Red Bull München, seine neue Heimat, die neuen Kollegen, Staus – und das Schuhgeschäft seiner Eltern in Füssen.

AZ: Herr Wolf, willkommen in München. Die Fans haben ja ein paar Jahre warten müssen, bis Sie endlich den Verlockungen Münchens erlegen sind und beim EHC angeheuert haben.

MICHAEL WOLF: Vielen Dank. Ich will hier nicht ins Detail gehen, aber ich kann sagen, es hat halt jetzt gepasst, die Zeit war gekommen, die Zeit war reif.

Dabei galten Sie schon als der Mann, der aus Iserlohn gar nicht wegzulotsen ist.

Ich habe dort neun sehr schöne Jahre zugebracht und davon will ich auch keinen Tag missen. Es war eine tolle Zeit, aber jetzt war für mich der Moment da, nach München zu gehen, Iserlohn war von Anfang an in den Entscheidungsprozess involviert, ich habe immer mit offenen Karten gespielt, ein Hintenrum, das gibt es bei mir nicht.

Selbst die Fans in Iserlohn scheinen Ihnen den Wechsel gar nicht mal extrem übel zu nehmen?

Ich weiß nicht, ob das so stimmt. Die Fans sind dort sehr gespalten, jeder hat seine eigene Meinung und das steht ihnen auch zu. Natürlich gibt es auch Menschen, die mich jetzt verdammen, aber ich habe die Entscheidung getroffen, die für mich und meine Familie die beste ist. Meine Familie ...

Ihre Eltern leben in Füssen.

Die Familie war einer der ausschlaggebenden Faktoren, warum ich letzt in München bin. Dass die Großeltern meine Tochter sehen können.

Und wie gefällt Ihnen München bisher?

Man muss ja nicht drum herum reden, dass München eine Stadt mit einer enormen Lebensqualität ist, dass man sich hier als Familie sehr schnell wohlfühlen kann. Wobei ich schon sagen muss, aber der Verkehr hier ist heftig, das ist wirklich gewöhnungsbedürftig. Da war ich in Iserlohn anderes gewohnt.

Ist schon skurril, dass Sie mit Iserlohn vergangene Saison den EHC aus dem Preplayoffs geschossen haben und jetzt das Münchner Trikot tragen. Haben Sie als Gegner mitgekriegt, wie sehr es im EHC unter dem damaligen Trainer Pierre Pagé gebrodelt hat?

Man setzt sich natürlich gerade in den Playoffs mit dem Gegner auseinander. Man hat schon gemerkt, dass dem EHC die Konstanz in der Saison gefehlt hat. Dass sie eine qualitativ hochwertige Truppe hatten, war offensichtlich, aber sie waren schwer zu verstehen. An einem Tag hast du gegen sie gespielt und hast kein Land gesehen, keine Chance gehabt und beim nächsten Spiel waren sie wie ausgewechselt und man konnte sie gut niederringen. In den Playoffs haben wir es als Team durchgezogen und als Team gewonnen. Über die Gründe kann und will ich nicht spekulieren.

Bei welchem Spieler freuen Sie sich denn am meisten, dass Sie nicht mehr gegen ihn spielen müssen, sondern mit ihm? Felix Petermann?

Da gibt es schon ein paar, aber der Felix steht der sicher mit ganz oben. Wir sind ja seit Jahren eng befreundet, aber auf dem Eis, da sind wir sicher keine Freunde. Der Felix, wie soll ich es sagen ...

... ist auf dem Eis ein richtiger Stinkstiefel und stolz drauf.

(lacht) Dann kann ich es ja auch sagen. Ja, gegen Felix zu spielen, ist nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig. Er lässt dich schon bei jeder Gelegenheit spüren, dass er da ist.

Wie ist Ihr erster Eindruck von der Mannschaft? Das Testspiel gegen Lugano war selbst nach Eishockey-Maßstäben verrückt. Sie lagen 1:4 hinten, dann nahm Trainer Don Jackson den Torhüter vom Eis und am Ende siegte der EHC 6:4. Das war wirklich verrückt, ich habe im Eishockey schon viel erlebt, aber so was kommt nicht oft vor. Einige Sachen haben wir schon ganz gut gemacht, andere offensichtlich noch nicht so. Spaß hat es auf jeden Fall gemacht, wenn man am Ende eben doch noch als Sieger vom Eis geht. Wir haben tolle Spieler, aber jetzt brauchen wir sicher noch etwas Zeit, um zu einem echten Team zu werden. Daher ist es jetzt einfach zu früh, jetzt schon etwas über die Spielstärke zu sagen. Fragen Sie mich in ein paar Wochen noch einmal.

Ihr Eindruck von Jackson?

Toller Mann, toller Trainer. Er ist sehr ruhig, aber er strahlt Kompetenz aus, er ist eine Person, die einem sofort allen Respekt abnötigt. Und seine Aktion mit dem Torhüter, das hätten sich viele nicht getraut. Aber er war ja schon früher dafür berüchtigt, dass er keine Angst davor hat, vollkommen unerwartete Dinge zu tun. Und den Gegner damit zu überraschen, vielleicht sogar zu schocken. Ich kann mir gut vorstellen, dass er so eine Aktion auch in der Saison bringen wird. Don ist für jede Überraschung gut.

Respekt wird Ihnen von fast allen Eishockeykennern entgegengebracht. Sie gelten als der beste deutsche Stürmer seit Didi Hegen.

Nene, das höre ich nicht gerne, wir haben so viele gute deutsche Stürmer, ich kann mit solchen Beschreibungen nicht viel anfangen.

Da kommt Sie wieder zum Vorschein, Ihre legendäre Bescheidenheit ...

Ich spiele Eishockey, das ist alles. Alles andere ist nicht mein Thema.

Sie sprachen Ihre Eltern an, die besitzen in Füssen ein Schuhgeschäft, der Beruf des Schuhverkäufers ist durch die Fernsehserie „Eine schreckliche nette Familie“ mit Al Bundy in Verruf geraten, haben Sie da je was zu hören gekriegt?

(lacht) Nicht wirklich. Aber klar, dass in der Kabine mal gestichelt wird, der andere ausgetestet wird. Aber hey, wir reden hier von Eishockey, da gehört Frotzeln dazu.

 

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