EHC Red Bull München Abeltshauser: Der Heimatbua

EHC-Verteidiger Konrad Abeltshauser. Foto: GEPA pictures/ho

Der Verteidiger spricht vor dem Spiel des EHC Red Bull München bei den Kölner Haien über seine Familie, die Fan-Kultur, Tätowierungen, Gottesdienste und schräge Gesangseinlagen.

 

AZ: Herr Abeltshauser, würden Sie Einspruch einlegen, wenn wir sagen, dass Sie ein besserer Eishockeyspieler als Sänger sind? Das Geburtstags-Ständchen, das Sie Ihrer Mutter im Stadion brachten, war liebevoll, aber a bisserl schräg.

KONRAD ABELTSHAUSER: Mei, ich wusste, dass meine Mama im Stadion zu ihrem Geburtstag im Stadion sein wird, da wollte ich sie halt überraschen. Als sich dann die Möglichkeit ergab, dass ich bei der Fernsehübertragung der Spieler sein könnte, der verkabelt und so live zu hören sein würde, habe ich gleich zugesagt. Ich bin sicher nicht der beste Sänger vor dem Herrn. Ich war zwar als kleiner Bua auch in der Theatergruppe, aber da habe ich eigentlich immer die Rollen gekriegt, in denen ich viel spielen und wenig singen musste. Die Familie ist für mich einfach das Wichtigste, da geht nix drüber.

Ihre Familie ist riesig.

Absolut, wenn all meine Leute ins Stadion kommen würden, dann könnte man fast einen eigenen Block für uns abriegeln. Mein Papa hat neun Geschwister, er war der Zweitjüngste. Und alle seine Geschwister haben Kinder und die leben auch alle in der Nähe von unserem Bauernhof in Unterbuchen, wenn die alle kommen, ist das eine kleine Völkerwanderung. Auf 50 Leute bringen wir es sicher.

Sie gelten als extrem heimatverbunden.

Absolut. Ich genieße es richtig, dass es von unserer Trainingsstätte nur eine Stunde zu unserem Bauernhof ist. Ich war sechs Jahre in Nordamerika und gerade das erste Jahr war ein einziges Abenteuer. Ich will wirklich ned schimpfen über da drüben, es war toll, ich würde alles wieder so machen, aber für mich heißt es wirklich: Dahoam is dahoam.
Oder „Dahoam is, wo des Herz is“, wie Sie sich auf Ihre Brust tätowieren ließen.

Das stimmt. Wieder hier zu sein, so nah an den Bergen, es ist einfach wunderschön hier. Ich habe auch auf meinen Arm einige Tattoos, die alle ihre Bedeutung haben, die alle etwas mit meiner Heimat zu tun haben. Ich habe mich mit einem Tätowierer sehr gut angefreundet, der hat das alles so umgesetzt, wie ich es will. Deswegen habe ich auch keine Angst, dass mir die Tattoos irgendwann nicht mehr gefallen. Denn Heimat ist keine Modesache, die trägt man im Herzen.

Was hat denn die Mama dazugesagt, als Sie Ihnen eröffnet haben, dass Sie sich tätowieren lassen wollen?

Mei, das Übliche, das was Eltern in so einem Fall eben sagen. Aber sie waren nicht vollkommen dagegen, sie haben nur gesagt, ich soll es mir genau überlegen, ich soll die Motive genau überdenken. Und sie hat noch gesagt, dass man nicht zu viel sehen soll, wenn ich unsere Tracht anhabe. Daran habe ich mich gehalten.

Sie sind auch sehr gläubig. Wie sehr hat Ihnen der Glaube geholfen in der Zeit in der Ferne, als Sie sechs Jahr weit weg von Familie und Heimat waren?

Schon sehr. Ich bin mit meiner Gastfamilie, bei der ich vier Jahre gelebt habe, öfters sonntags in die Kirche gegangen. Das hat mir auch sehr gut gefallen. Das ganz ist dort drüben ein bisschen weniger streng, ein bisschen offener. Man geht schon a halbe Stunde vorher hin, um miteinander zu ratschen, jeder umarmt sich. Es wird in der Kirche viel gesungen. Und wenn so viele singen, fällt auch mein Gesang nicht so auf. (lacht)

Wie sind Ihre ersten Eindrücke von der DEL?

Sehr gut, die Fan-Kultur gefällt mir hier besser, da rührt sich was, es ist immer was los. Das Spielniveau in der DEL ist sehr gut. Mir ist zum Glück ja auch recht schnell das erste Tor gelungen. Das ist schon ein Meilenstein in meiner karriere. Den Puck habe ich mir aufbewahrt. Das sind Dinge, die ich gerne meiner Mama schenke, die hat eigentlich alle wichtigen Pucks meiner Karriere. Und von diesem, dem ersten DEL-Tor, werde ich sicher noch den Kindern und Enkeln erzählen.

Am Mittwoch müssen Sie und der EHC München bei den Kölner Haien ran.

Stimmt, die werden ums Überleben auf dem Eis kämpfen, die brauchen jeden Punkt. Wir müssen jetzt schon absolutes Playoff-Eishockey spielen. Das ist gut für uns, wenn wir jetzt schon in den Rhythmus kommen. Playoffs, das ist nun mal die aufregendste Zeit, da muss man voll dagegenhalten. Die Blessuren, die kann man nach der Saison dann auskurieren.

 

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