EHC-Neuzugang im Interview Andrew Bodnarchuk: "Ich bin weiter ein großes Kind"

"München ist einfach umwerfend", sagt Verteidiger Andrew Bodnarchuk, der Neuzugang des Triple-Meisters EHC Red Bull München. Foto: Red Bull/ho

EHC-Neuzugang Andrew Bodnarchuk spricht in der AZ über seine ersten Eindrücke, seine Tochter, ein spezielles Tattoo, sein Training mit Sidney Crosby und den großen Traum vom unabhängigen Leben.

München - AZ-Interview mit Andrew Bodnarchuk. Der kanadische Verteidiger wechselte zu dieser Saison aus der nordamerikanischen Liga AHL, wo er mit den Texas Stars im Finale stand, zum EHC Red Bull München. In der NHL spielte der 30-Jährige insgesamt 42 Mal (vier Tore/vier Assists).

AZ: Herr Bodnarchuk, willkommen in München! Wie sind die ersten Erfahrungen, die Sie als Neuzugang des Triple-Meisters EHC Red Bull München gemacht haben?
Andrew Bodnarchuk: Einfach umwerfend, die Stadt ist wundervoll. Bis auf eine Woche bei der Junioren-WM, wo ich in Europa war, aber außer der Eishalle so gut wie nichts gesehen hatte, war ich noch nie außerhalb Nordamerikas. Was ich nun sehe, lässt mich fast bedauern, dass ich nicht früher hierher gekommen bin. Meine Familie und ich laufen die ganze Zeit mit großen, verwunderten Augen durch die Gegend.

Ihre Tochter ist 17 Monate alt, wie war es, mit Ihr und dem Hund, den Trip von Nordamerika hierher zu machen?
Der Hund war so was von wohlerzogen, so kenne ich ihn gar nicht, meine Kleine war die meiste Zeit brav. Aber meine Frau hat das unglaublich gemacht, wie sie das alles unter Kontrolle hat. Sie war definitiv der MVP, der wichtigste Spieler, bei dieser Reise.

Man hört den Stolz in Ihrer Stimme, sobald Sie von der Kleinen sprechen!
Ja, ihre Geburt war ein unbeschreiblicher Moment. Nichts kommt da emotional ran. Nichts. Kein Sieg, nicht mein erstes Spiel in der NHL. Gar nichts ist vergleichbar. Ich halte mich eigentlich für einen sehr harten Kerl, aber wenn man sein Kind das erste Mal sieht, im Arm hat, wird man sofort in einen sehr weichen Menschen transformiert.

Die Kleine wurde in Texas geboren, ist also ein echtes amerikanisches Cowgirl.
(lacht) Ja, sie wird ihre Cowboy-Boots aber bald gegen ein Dirndl eintauschen müssen. Das wird ihr erster echter Winter, denn in Texas gibt es keinen Schnee, da ist es nur verrückt heiß. Wobei München gerade nicht viel kälter ist. Wir freuen uns darauf, Lila in einen echten Schnee-Anzug zu stecken und sie vielleicht das erste Mal mit einem Eishockeyschläger aufs Eis zu lassen. Bisher war sie da nie. Sie kann gerade erst richtig gehen. Ein bisschen sah es zuletzt so aus, als habe sie die Kunst erlernt, wie eine Betrunkene zu torkeln.

Sie haben sich auch ein Tattoo für Sie stechen lassen?
Ich mag Tätowierungen, aber ich hatte eigentlich nicht vor, mir etwas machen zu lassen.

Aber?
Als ich Ihre Geburtsurkunde in der Hand hatte, schaute ich drauf und da stand 02.17.17, 17.17. In Nordamerika schreibt man erst den Monat, dann den Tag, dann das Jahr. Sie wurde am 17. Februar 2017 um 17.17 Uhr geboren. Das war einfach zu speziell. Also hat mir ein großartiger Tattoo-Künstler diese Uhr, die auf der Geburtsminute steht, gestochen.

Das Tattoo von Bodnarchuk für Tochter Lila.
Das Tattoo von Bodnarchuk für Tochter Lila. Instagram: abodnarchuk

Da können Sie eigentlich gleich noch Ihre Rückennummer in die 17 ändern!
Nein, das Recht behalte ich ihr vor. Welchen Sport auch immer sie mal ergreifen sollte, sie sollte die 17 als Rückennummer wählen. Wenn das nicht ihre Glückszahl ist, was dann?

Während Ihrer Zeit in Texas gab es das Schulmassaker in Sutherland Springs, das den Staat regelrecht gelähmt hat, wie haben Sie das damals empfunden?
Das ist wirklich ein sehr sensibles Thema. Ich habe zehn Jahre in Amerika gelebt. Ich habe dort viele tolle Menschen kennengelernt, aber als junger Vater sieht man solche Bilder mit noch mehr Schrecken und Grausen. Ich will nur so viel sagen, die USA hat ein großes Problem mit der Waffenkontrolle, das es zu lösen gilt. Aber das sage ich nur als Vater, es steht mir nicht zu, politische Aussagen zu treffen. Ich bin nur ein kanadischer Eishockeyspieler.

Wie würden Sie diesen Eishackler als Spieler und als Mensch beschreiben?
Als Spieler gebe ich immer hundert Prozent, ich liebe Herausforderungen. Ich bin zwar nicht der Größte.

Sie sind immerhin 1,80!
Ja, aber ich glaube, ich spiele größer, als ich bin. Ich gebe nie auf. Als Mensch bin ich immer der Witzereißer, ich lache gerne. Ich würde mich als großes Kind beschreiben. Und dank der Tatsache, dass ich immer noch Eishockey spiele, habe ich meinen Reifeprozess um einige Jahre verzögern können. Meine Frau hat eigentlich zwei Kinder. Lila und mich. Sie hat also alle Hände voll zu tun.

Im Sommer bereiten Sie sich stets mit Eishockey-Superstar Sidney Crosby von den Pittsburg Penguins vor.
Das stimmt. Wir haben eine Gruppe, der auch Brad Marchand von den Boston Bruins angehört. Er ist wahrscheinlich mein allerbester Freund. Ich liebe es, mich mit den Besten zu messen. Und einen Besseren als Crosby wird man nicht so leicht finden. Er war sogar im Mai drei Wochen in München, um eine spezielle Vorbereitung zu machen. Als er gehört hat, dass ich in München unterschreibe, hat er gleich angerufen und von München geschwärmt. Wir haben sogar kurz darüber gesprochen, ob wir nächsten Sommer uns als Gruppe in München vorbereiten. Mal sehen. Es wäre cool.

Eines Ihrer Hobbys ist Bogenschießen? Wie kam es dazu? Viele Wintersportler, gerade Biathleten nutzen dies, um ihr persönliches Zen zu finden?
Ich habe aus Spaß angefangen, aber es hat auch einen tieferen Hintergrund. Ich will eines Tages, wenn ich mit Eishockey aufgehört habe, ein möglichst unabhängiges Leben führen. Ich will mein eigenes Obst und Gemüse anbauen, und wenn ich mit verantwortungsvollem Jagen mit dem Bogenschießen für Fleisch sorgen kann, werde ich das tun. Ich war zwar nie Jagen, aber ich will in Zukunft möglichst unabhängig leben.

 

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