EHC München DEL-Boss: „Ich sehe keine Chance mehr für den EHC“

Tief frustriert: EHC-Boss Jürgen Bochanski. Foto: Rauchensteiner/AK

DEL-Ligenleiter Gernot Tripcke wirft den Münchnern Versäumnisse vor – und wundert sich darüber.

 

AZ: Herr Tripcke, die DEL hat sich entschieden, den EHC München, dem Zweitliga-Meister, die Lizenz für die höchste Spielklasse zu verwehren. Warum?

GERNOT TRIPCKE: Der EHC hat die Statuten nicht erfüllt. Der Verein hatte bis zum 30. April eine Frist, die Unterlagen einzureichen, die haben wir sogar bis zum 11. Mai verlängert. Aber weder da noch am Freitag, 14. Mai, lagen die Unterlagen vor. Also hat die Ligenleitung nach Rücksprache mit dem Aufsichtsrat die einzige Entscheidung getroffen, die die Statuten zulassen, und die Lizenz nicht erteilt. Das ist keine Ermessensentscheidung, sondern zwingend.

Es geht um die fehlende Bürgschaft für den Erwerb der DEL-Geschäftsanteile in Höhe von 816000 Euro.

In erster Linie, ja. Es gab noch ein paar Kleinigkeiten, die bei der Halle auch noch nicht stimmten, aber das hätte uns nicht zu dieser Entscheidung gezwungen.

EHC-Präsident Jürgen Bochanski hat gegenüber der AZ erklärt, der DEL läge eine Bestätigung der Deutschen Bank vor, dass am Montag die finale Unterschrift über die Bürgschaft erteilt werde.

Davon ist mir nichts bekannt. Diese Bestätigung lag nicht am 11. Mai vor und auch nicht am Freitagabend. Wir sind schon sehr erstaunt, dass es – speziell nach den ganzen klaren Aussagen, die aus München kamen, dass man in die DEL will – nun an der Bürgschaft scheitert. Das war bisher noch bei keinem Verein ein Problem. Andere Dinge, die zeitlich viel schwerer zu stemmen sind wie die Jahresabschlussbilanz, die hat man geschafft. Das ist sehr schade.

Ist damit der Nichtaufstieg in die DEL fix? Oder gibt es noch einen Weg für den EHC nach oben?

Aus meiner Sicht sehe ich da eigentlich keine Chance. Die Statuten geben uns da gar keinen Spielraum. Der EHC kann jetzt noch fristgerecht Rechtsmittel beim Schiedsgericht der DEL einlegen, aber – ohne dass ich deren Entscheidung vorweg greifen will – die werden nur prüfen, ob alle Unterlagen am 11. Mai vorlagen. Das taten sie unstreitig nicht. Daher wüsste ich nicht, was die Münchner vortragen wollen, damit sich der Sachverhalt anders darstellt. Das war keine Entscheidung für oder gegen München, sondern die zwingende Folge aus der Fristversäumnis. Ob wir von der DEL das gerne anders gesehen hätten, darf keine Rolle spielen.

Interview: Matthias Kerber

 

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