EHC München Crash-Test-Dummy Rautert: Kopf voraus ins Plexiglas!

Der schwer benommene Neville Rautert wird von DEG-Teamarzt Ulf Blecker und EHC-Betreuerin Julia Kalniczky vom Eis geführt. Foto: nordphoto

EHC-Stürmer erleidet im Spiel gegen Düsseldorf bereits seine dritte Gehirnerschütterung und fällt jetzt für drei Wochen aus.

MÜNCHEN Neville Rautert wachte am Samstag mit einem gewaltigen Brummschädel auf. Kein Wunder, denn der Stürmer des EHC München war am Freitag beim Gastspiel des DEL-Aufsteigers bei der Düsseldorfer EG (3:0) in der 28. Minute von Mark Murphy brutal in die Bande gecheckt worden. Kopf voraus war er in die Plexiglasscheibe geflogen. „Das sah aus, als würde ein Crash-Test-Dummy durch die Luft geschleudert“, beschreibt Manager Christian Winkler der AZ die Schockszene.

Der Deutsch-Kanadier Rautert blieb bewusstlos auf dem Eis liegen, Blut aus einer tiefen Platzwunde über der Augenbraue floss aufs Eis. „Als wir sahen, dass Neville sich nicht bewegte, haben wir schon Schlimmes befürchtet“, sagt Winkler vor dem Spiel des EHC gegen Wolfsburg. Erst nach mehreren Minuten konnte der 28-Jährige – von zwei Betreuern gestützt – das Eis verlassen. „Neville stand unter Schock, zum Glück war aber relativ schnell klar, dass er keine ganz schweren Verletzungen erlitten hat“, sagt Winkler. Die Erstdiagnose vor Ort: Gehirnerschütterung.

Der Befund wurde am Samstag, als bei Rautert ein MRT, ein Scan des Gehirns, durchgeführt wurde, bestätigt. „Es handelt sich um eine nicht nur ganz leichte Gehirnerschütterung. Rautert klagt über die klassischen Symptome. Schwindel, Kopfschmerzen, Benommenheit. Anfangs war ihm auch übel“, sagt EHC-Mannschafts-Arzt Robert Kilger von der Atos-Klinik, „zudem hatte er anfänglich das Bewusstsein verloren, er hat auch keinerlei Erinnerungen an den Vorfall selber.“

Rautert fällt voraussichtlich drei Wochen aus. „Das kann man bei Gehirnerschütterungen nicht so genau sagen, aber wir gehen von drei Wochen aus. Es gibt einen Sechs-Stufen-Plan, den man durchlaufen muss. Sobald er alle Stufen durchlaufen hat, kann er spielen, aber eben auf keinen Fall vorher“, sagt Kilger.

Für Rautert ist es schon die dritte Gehirnerschütterung, seit er beim EHC ist. „Deswegen lassen wir ihm Extrazeit, um sich zu regenerieren“, sagt Winkler. Doch Rautert muss kein Karriereende befürchten. Kilger: „Wenn man eine Gehirnerschütterung vollkommen auskuriert, steigen die Gefahren nur minimal an. Aber diese Zeit muss man sich wirklich nehmen, nicht vollständig auskurierte Gehirnerschütterung haben schon zu Todesfällen geführt.“ Um Komplikationen zu vermeiden, hat der Arzt Rautert nun absolute Ruhe und Stressfreiheit verordnet. Kilger: „Er muss sich erholen, soll sich verwöhnen lassen. Ich habe ihn sozusagen in die Hände seiner Frau entlassen.“

Matthias Kerber

 

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