Effekten Gerüchte über S&P-Länderabstufungen drücken Dax

Gerüchte über die bedrohte Kreditwürdigkeit einiger Euro-Länder haben den Dax am Freitag ins Minus gedrückt. Dazu belasteten neue Sorgen wegen Griechenland die Stimmung.

 

Frankfurt/Main - Der freundlich in den Handel gestartete deutsche Leitindex schloss 0,58 Prozent tiefer bei 6143,08 Punkten. Damit blieb er immerhin deutlich über seinem Tagestief und rettete auf Wochensicht ein Plus von 1,41 Prozent ins Ziel - es war damit die vierte positive Woche in Folge. Der MDax der mittelgroßen Werte musste einen Tagesverlust von 0,51 Prozent auf 9487,32 Punkte hinnehmen. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,58 Prozent auf 717,89 Punkte nach unten.

Börsianer verwiesen auf Gerüchte, die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) könnte die Kreditratings einiger europäischer Länder senken. S&P selbst kommentierte diese nicht. Finanzkreise bestätigten, konkret drohe Frankreich und Österreich eine Bonitäts-Abstufung. Zudem sind die Verhandlungen über einen Schuldenschnitt Griechenlands mit dem internationalen Bankenverband IIF am Freitag ohne konkretes Ergebnis geblieben, was laut einem Händler "wieder das Thema eines ungeordneten Bankrotts ins Spiel bringt".

Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank riet indes, die Eurozone solle sich "nicht kirre machen lassen". Eine Bonitätsabstufung von Ländern der Eurozone hält er für "absolut ungerechtfertigt. Die Kritik der Ratingagenturen an der Europäischen Zentralbank greift nicht, da diese zuletzt entschlossen gehandelt und für eine Entspannung an den Märkten gesorgt hat".

Im europaweit freundlichen Branchenumfeld gehörten Bankentitel zu den wenigen Gewinnern. Dank der Hoffnung, dass die Commerzbank künftige Eigenkapitalregeln ohne staatliche Hilfen erfüllen kann, zogen deren Aktien um 3,42 Prozent auf 1,420 Euro an. Die Papiere der Deutschen Bank verteuerten sich um 1,54 Prozent auf 28,950 Euro. Beim Softwarehersteller SAP sorgten überraschend vorgelegte, sehr starke Quartalszahlen für Kursgewinne von 3,59 Prozent auf 42,940 Euro, was den Aktien den Dax-Spitzenplatz bescherte. Dagegen büßten die Lufthansa-Titel nach enttäuschenden Aussagen der Fluggesellschaft zur Geschäftsentwicklung 1,21 Prozent auf 9,040 Euro ein.

Im MDax gaben Brenntag 2,74 Prozent ab. Laut Händlern litten die Aktien unter einem "Handelsblatt"-Bericht zum Skandal um Silikon-Implantate, wonach dem Chemiehändler wegen der Lieferung von Industrie-Silikon Schadensersatzforderungen in mehrstelliger Millionenhöhe drohen. Das Unternehmen bezeichnete den Vorwurf als unbegründet. Am TecDax-Ende sackten SMA Solar nach vorläufigen Zahlen um mehr als zehn Prozent ab. Börsianer monierten, dass der Wechselrichter-Hersteller sich keine verlässliche Prognose für den Weltmarkt und daher auch nicht für die weitere eigene Umsatz- und Gewinnentwicklung zutraut.

Der EuroStoxx 50 schloss 0,33 Prozent schwächer bei 2338,01 Punkten. In Paris und London ging es für die nationalen Indizes ebenfalls nach unten. Der New Yorker Dow Jones zeigte sich zum europäischen Handelsschluss 0,74 Prozent im Plus.

Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 1,45 (Vortag: 1,49) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,26 Prozent auf 131,87 Punkte und der Bund Future legte um 0,56 Prozent auf 139,94 Punkte zu. Der Euro sank dagegen deutlich auf 1,2683 US-Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank den Referenzkurs noch auf 1,2771 (1,2736) Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,7830 (0,7852) Euro gekostet.

 

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