Ebersberg Flüchtlinge aus dem Senegal helfen Kindern - als Schülerlotsen

Asylbewerber Souleyman Cisse aus dem Senegal übt am 08.09.2015 in Ebersberg seine neuen Aufgaben als Schülerlotse. Foto: dpa

Seit einem Jahr warten drei Flüchtlinge aus dem Senegal in Ebersberg darauf, dass ihr Asylantrag anerkannt wird. Ihre Zeit in Deutschland wollen sie nun sinnvoll nutzen: Als Schülerlotsen.

 

Ebersberg – Souleyman Sene, Abdou Njassi und Souleyman Cisse strahlen: Zum ersten Mal seit über einem Jahr haben sie wieder einen Job. Auch wenn sie damit nicht viel Geld verdienen. Die drei Senegalesen, die im oberbayerischen Ebersberg auf die Anerkennung ihres Asylantrages warten, arbeiten als Schülerlotsen in der kleinen Gemeinde östlich von München.

In ihren brandneuen Warnwesten stehen sie an einer Kreuzung in Ebersberg und probieren zum ersten Mal die auffällige rote Verkehrskelle aus. "Wir wollen nicht immer nur in unseren Zimmern sitzen und warten", sagt Sene. "Und so lernen wir vielleicht mehr Leute in Ebersberg kennen." Sene ist vor rund eineinhalb Jahren nach Deutschland gekommen. Seitdem hofft er, dass er in Deutschland bleiben darf. Doch die Behörden haben noch nichts entschieden.

Auch sein Kollege Cisse will in Deutschland unbedingt etwas tun. Doch hier darf er nicht arbeiten. Denn Njassi, Sene und Cisse kommen aus dem Senegal, den Deutschland als ein sogenanntes "sicheres Herkunftsland" einstuft. Damit dürfen sie in Deutschland keinen regulären Job annehmen. Die Ausnahme: Ein-Euro-Jobs wie die Arbeit als Schülerlotse.

Seine Energie und die viele freie Zeit steckt der große Senegalese solange in den Sport: Zweimal war Cisse schon deutscher Meister im Kickboxen - ganz ohne deutschen Pass. Dafür fährt er jeden Tag mit der S-Bahn nach München und trainiert dort: Konditions- und Krafttraining und natürlich Kickboxen. "Im Sportverein komme ich mit anderen Menschen ins Gespräch", erzählt Cisse. "Und das tut mir einfach gut."

Nun haben die drei Flüchtlinge aus dem Senegal zumindest für eine Stunde am Tag eine richtige Aufgabe bekommen: In der Gemeinde Ebersberg sorgen sie dafür, dass Kinder sicher in die Schule kommen. Die Idee stammt von der Landtagsabgeordneten Doris Rauscher. Die Sozialdemokratin wollte damit gleich zwei Probleme der Kleinstadt lösen: Den Mangel an Schülerlotsen verringern und gleichzeitig die rund 200 Flüchtlinge, die inzwischen in Ebersberg leben, besser integrieren.

Ebersberg sei in Bayern die einzige Stadt, die Flüchtlinge als Schülerlotsen einsetzt, erzählt Rauscher. "Aber die Idee spricht sich herum." Ehrenamtliche Schulweghelfer aus Rosenheim und Fürstenfeldbruck haben schon bei ihr angefragt, ob das nicht auch ein Modell für ihre Städte ist. Denn in vielen bayerischen Gemeinden wird es immer schwerer, Schülerlotsen zu finden. "Deswegen bin ich so froh, dass uns in diesem Jahr auch Flüchtlinge helfen", erzählt die SPD-Abgeordnete.

Für ihre verantwortungsvolle Arbeit bekommen die Flüchtlinge jedoch nur wenig Geld: "Als Ein-Euro-Jobber werden sie etwa 20 Euro im Monat verdienen", sagt Rauscher. "Dabei machen sie wirklich einen wichtigen Job in unserer Stadt." Seit in Ebersberg Schulweghelfer dafür sorgen, dass die Kinder sicher über die Straße kommen, gebe es keine Unfälle mit Schulkindern mehr, berichtet die Abgeordnete. Von nächster Woche sorgen dafür auch die drei Flüchtlinge aus dem Senegal für mehr Sicherheit. Am Dienstag, dem ersten Schultag, geht es los.

 

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