Dystopischer Erzählband "Friday Black" Nana Kwame Adjei-Brenyah: Der alltägliche Rassismus

Der afroamerikanische Schriftsteller Nana Kwame Adjei-Brenyah. Foto: Levene/Guardian/Eyevine/Inter Topics

"Friday Black", der dystopische Erzählband des amerikanischen Autors Nana Kwame Adjei-Brenyah, ist beklemmend aktuell.

 

Der amerikanische Literaturmarkt wartet mit einer scheinbar unendlichen Menge schriftstellerischer Nachwuchstalente auf, deren erfolgreiche Bücher auch hierzulande verlegt werden. Die Halbwertszeit dieser Autoren und ihrer Bücher ist aber oft nur begrenzt.

Anders dürfte das bei dem aus der eher ärmlichen Kleinstadt Spring Valley stammenden afroamerikanischen Nana Kwame Adjei-Brenyah sein, dessen im Original 2018 erschienener Erzählband "Friday Black" nun auf Deutsch herausgekommen ist. In den zwölf längeren, von der amerikanischen Kritik zu Recht überschwänglich gelobten Erzählungen schreibt der 29-jährige Autor über Rassismus, Gewalt, Konsum, prekäre Lebensverhältnisse und familiäre Bindungen. Seine an der sozialen Realität entlanggeschriebenen Geschichten sind aber in einem dystopischen Amerika angesiedelt, das nicht ganz unserer Wirklichkeit entspricht.

Gegenwart auf verstörende Art und Weise fiktionalisiert und verfremdet

In einer Erzählung geht es um einen Angestellten, der im Wettstreit mit seinen Kollegen am titelgebenden Black Friday, dem umsatzstärksten Tag im amerikanischen Einzelhandel, versucht, möglichst viele Winterjacken zu verkaufen. Kaufgierige Konsumenten stürmen den Mega-Shop, reißen sich gegenseitig die Jacken der hippen Firma "PoleFace" aus den Händen, schlagen aufeinander ein, klettern auf Regale, stürzen zu Boden und am Ende gibt es zahlreiche Tote.

Nana Kwame Adjei-Brenyah, der selbst jahrelang als Verkäufer in einem Bekleidungsdiscounter gearbeitet hat, fiktionalisiert und verfremdet unsere Gegenwart auf verstörende Art und Weise und legt dadurch die verborgenen Triebkräfte der Gesellschaft frei. Nicht selten geht es in seinen Geschichten rassistisch und brutal zu, was durch die Ermordung von George Floyd mittlerweile eine traurige Aktualität gewonnen hat.

In "Zimmer-Land" arbeitet ein junger Mann in einem Erlebnispark, in dem Kunden ihren Rassismus ganz praktisch ausleben können, indem sie einen jungen unbekannten schwarzen Mann auf der Straße vor ihrem Wohnhaus angreifen und erschießen. Natürlich nicht wirklich, aber das Erlebnis wird perfekt inszeniert. Wobei Adjei-Brenyah auch gleich noch den unangenehm autoritären und sich dabei sehr jovial gebenden Chef darstellt, den der junge afroamerikanische Angestellte erdulden muss, wenn er jeden Tag mehrmals spielen muss, wie er von weißen Bürgern umgebracht wird, die ihre versteckten rassistischen Ängste mit Gewalt kompensieren.

Adjei-Brenyahs Amerika ist ein alptraumhafter Ort

In der ersten Geschichte des Bandes geht es um einen Mann, der fünf schwarze Kinder und Jugendliche angeblich in Notwehr getötet hat und vor Gericht freigesprochen wird. Um die "Finkelstein-Five", wie die ermordeten Kinder und Jugendlichen von den Medien genannt werden, zu rächen, kommt es zu einer ganzen Welle von Übergriffen gegen Weiße. Doch am Ende sterben auch hier wieder nur Schwarze durch Polizeigewalt.

Nana Kwame Adjei-Brenyahs Amerika ist ein alptraumhafter Ort voll absurder Gewalt, in der schwarze Menschen aber keineswegs nur Opfer sind oder sich moralisch immer integer verhalten würden. Meistens versuchen sie einfach, mit Würde zu überleben, was aber oft nicht funktioniert.

Der 29-jährige Adjei-Brenyah hat die Geschichten nach eigenen Angaben im Lauf von knapp zehn Jahren verfasst und die zwölf, in dem Band enthaltenen Erzählungen aus einem Korpus von 80 Texten ausgewählt. Dass die anderen wirklich "Trash" sind, wie er selbst behauptet, ist schwer vorstellbar. Dazu verfügt er über ein zu gutes Gespür für seine Figuren, die er mit wenigen Pinselstrichen entwickelt und die dabei dennoch substanziell sind.

Adjei-Brenyahs Figuren immer auf der Suche nach einer besseren Welt

Stilistisch bewegt sich seine pointierte Prosa auf hohem Niveau. Aber vor allem seine Fähigkeit, fantastische Szenarien zu entwerfen, ist enorm. In der finalen Erzählung geht es um eine Gruppe Menschen, die nach einer Atomexplosion in einer Endlosschleife gefangen sind und die letzten Stunden vor ihrem Tod immer wieder erleben. Und obwohl sie sich dabei in einem fort gegenseitig foltern und ermorden, kommen sie irgendwann an den Punkt, für etwas Gutes zu kämpfen. Denn trotz aller Brutalität und Gewalt sind Nana Kwame Adjei-Brenyahs Figuren immer auch auf der Suche nach einer besseren Welt.

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