DTM „So schnell wie möglich“

Der etwas andere Neuling: Am Wochenende kehrt BMW nach 20 Jahren in die DTM zurück – mit Macht und Topstar Tomczyk. Striezel Stuck sieht die Münchner beim Auftakt als Favorit auf den Sieg.

 

Mit den ganz lauten Tönen tut sich Jens Marquardt schwer. Da unterscheidet sich der Motorsportdirektor von BMW nicht von seinem Vorgänger Mario Theissen. Marquardt kann durchaus emotional und leidenschaftlich sein, aber er ist eben in erster Linie Ingenieur. Und so stapelt der 44-Jährige vor dem ersten Rennen der Münchner in der DTM nach 20 Jahren Pause ziemlich tief. „Wir sind ein ambitionierter Neuling und wollen für Überraschungen sorgen“, sagt er vor dem Auftaktrennen der populärsten Tourenwagenserie Europas am Sonntag auf dem Hockenheimring (14 Uhr, ARD live).
Wie ambitioniert BMW aber die Rückkehr in die DTM angegangen ist, zeigt allein die Auswahl der Fahrer. In Martin Tomczyk jagte Marquardt Audi den Titelverteidiger ab. Tomczyk fährt nun statt eines neongrün-gelben A4 einen BMW M3 in den traditionellen weiß-blauen Münchner Farben. Von Mercedes holte Marquardt zudem den Frankokanadier Bruno Spengler, den amtierenden Vizemeister der Serie. Die Gagen der beiden Stars sollen im siebenstelligen Bereich liegen – viel Geld für DTM-Fahrer.
Für die anderen vier BMW M3 verpflichtete Marquardt die besten Fahrer aus dem Motorsportprogramm der Münchner: Der Brite Andy Priaulx und der Brasilianer Augusto Farfus wechseln von der Tourenwagenweltmeisterschaft WTTC, der Amerikaner Joey Hand und der Würzburger Dirk Werner sind bisher vor allem als Spezialisten für Langstreckenrennen aufgefallen.
Es ist eine bunte und erfolgsversprechende Mischung an Fahrern, die so entstanden ist. Und auch das restliche Personal ist durchaus erfahren. In Tomczyks neuem RMG-Team arbeiten etwa größtenteils Ingenieure mit Formel-1-Erfahrung. „Bei dem Aufwand den BMW treibt und bei dem Know-how, das investiert wird, werden sie ganz vorne dabei sein“, sagt also auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Auch dank der Rückkehr von BMW und den neuen, flacheren, breiteren und schnelleren Autos starte die DTM „in eine neue, in ihre dritte und wichtigste Ära“, so Haug weiter. Und mehr noch: „Jetzt treten die drei weltbesten und weltbekanntesten Premium-Automobilhersteller in der DTM gegeneinander an.“ Audi-Sportchef Wolfgang Ulrich siehts ähnlich. „BMW hat immer Spitzensport betrieben und darüber hinaus auch sehr viel Erfahrung im Tourenwagensport“, sagt er.
Rennfahrerlegende Strietzel Stuck, jahrelang für BMW und Audi in verschiedensten Serien erfolgreich und seit letztem Wochenende als neuer Präsident des Deutschen Motorsportbundes DMSB Deutschlands höchster Motorsport-Funktionär, sagt gar, flapsig wie eh und je: „Mein Tipp ist, dass BMW das Auftaktrennen gewinnen wird.“
So mutig wie Stuck darf sich Tomczyk natürlich nicht äußern. „Ich bin sehr auf das Kräfteverhältnis gespannt und hoffe, dass wir unseren erfahrenen Konkurrenten möglichst nahe kommen können“, sagt er also. Und Spengler meint: „Das Auto hat sich kontinuierlich verbessert, aber mehr Tests wären für uns als Newcomer natürlich besser gewesen.“
Doch allem Understatement zum Trotz: Nur zum Auffüllen des Feldes ist BMW natürlich nicht in die DTM zurückgekommen. „Unsere Konkurrenten haben natürlich einen Erfahrungsvorsprung. Aber das bedeutet nicht, dass wir ihnen das Feld kampflos überlassen wollen", sagt Marquardt schließlich noch, „wir haben eine Riesentradition, wir waren sehr erfolgreich und wollen so schnell wie möglich wieder daran anknüpfen“.

 

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