Drogenbesitz, Körperverletzung, Vergewaltigung Prozess in Kempten: Koks-Polizist legt Geständnis ab

Der Angeklagte Armin N. (l) im Landgericht Kempten hinter seinen Anwälten Alexander Chasklowicz (m) und Wilhelm Seitz. Foto: dpa

Kemptens ehemaliger Chef-Drogenfahnder hat vor Gericht ein Geständnis abgelegt. Er habe die 1,8 Kilo Kokain aus seinem Dienstschrank für sich selbst verwenden wollen. Außerdem wird ihm Körperverletzung und Vergewaltigung vorgeworfen.

 

Kempten – Jahrelang war er für die Drogenbekämpfung im Allgäu zuständig. Jetzt steht der ehemalige Leiter der Kemptener Drogenfahndung selbst wegen Drogenbesitzes vor Gericht. 1,8 Kilo Kokain hatten Kollegen vor knapp einem Jahr in seinem Dienstschrank gefunden. Die Drogen habe er für sich verwenden wollen, gab der 53-jährige Kriminalbeamte am Montag vor dem Landgericht Kempten zu Protokoll. "Die waren für den privaten Gebrauch bestimmt." Das Kokain sei ihm zu dienstlichen Zwecken überlassen worden - "insbesondere für Schulungszwecke".

Als der Angeklagte mit Handschellen in den Gerichtssaal geführt wird, wirkt er gelassen. Minutenlang stellt er sich im dunklen Anzug dem Blitzlichtgewitter der Fotografen. Regungslos vernimmt er dann die Anklage. Auch als Details der brutalen Übergriffe auf seine Frau zur Sprache kommen, bleibt sein Blick ausdruckslos. Später verliest er eine Erklärung, in der er die Vorwürfe weitgehend einräumt. An manches habe er wegen seines Drogenkonsums jedoch keine Erinnerung mehr. "Ich sehe die Schwere meiner Fehler und werde mich für mein Verhalten verantworten", sagt er. "Mir ist bewusst, dass ich dem Ruf der Polizei geschadet habe." Dafür entschuldige er sich.

Der Beamte muss sich auch wegen gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung seiner Ehefrau verantworten. Vor einem Jahr soll er die heute 49-Jährige im gemeinsamen Haus im Oberallgäu gewürgt, geschlagen und ihr gedroht haben, ihr die Kehle durchzuschneiden. Auf der Flucht vor ihrem Mann war die Frau vom Balkon aus dem ersten Stock gestürzt. Dabei erlitt sie Verletzungen an der Wirbelsäule und musste operiert werden. "Sie leidet noch immer physisch und psychisch an den Folgen dieser Tat", sagt der Staatsanwalt.

Kurze Zeit nach ihrer Entlassung aus der Klinik soll der Angeklagte seine Frau erneut gewürgt, geschlagen und zudem vergewaltigt haben. Wenig später wird er von Polizeibeamten in seinem Auto gestoppt und festgenommen. Dabei soll er mit knapp 1,5 Promille erheblich alkoholisiert gewesen sein und unter Drogeneinfluss gestanden haben. Als die Diensträume des leitenden Beamten in Kempten durchsucht werden, kommen 1,8 Kilo Kokain ans Tageslicht.

"Ich weiß, dass ich ein Suchtproblem habe", sagt der 53-Jährige. Bevor er bei der Drogenfahndung tätig wurde, habe er keinen Kontakt zu Drogen gehabt. "Dann passierte das, was einem Polizeibeamten nicht passieren darf." Er habe der Versuchung nicht widerstehen können und irgendwann Kokain probiert. Von 2007 an habe sich sein Konsum gesteigert, später seien Medikamente und Alkohol dazu gekommen. Er sei immer aggressiver geworden. Nach dem Streit mit seiner Frau Mitte Februar habe er auf die Dienststelle fahren wollen, um sich zu erschießen.

Die Angriffe auf seine Frau räumte der Angeklagte zumindest teilweise ein. Allerdings gab er an, sich nicht an Details erinnern zu können. Er entschuldigte sich jedoch bei seiner Frau, die als Nebenklägerin den Prozessauftakt nicht verfolgte. "Es hätte nie zu diesen Übergriffen kommen dürfen." Nach Angaben der Verteidigung hat es bereits vor Prozessbeginn einen Täter-Opfer-Ausgleich gegeben. 35 000 Euro Schmerzensgeld habe der Mann an seine Ehefrau gezahlt.

Zur Herkunft des Kokains machte der Angeklagte keine Angaben. Sein Erinnerungsvermögen sei durch den Drogenkonsum beeinträchtigt. Sicher sei aber: "Alle aufgefundenen Drogen wurden vor mehreren Jahren an mich beziehungsweise an die Kripo überlassen."

Der Prozess gegen den Beamten könnte schneller als erwartet ein Ende finden. Die Verfahrensbeteiligten stimmten einer Absprache zu. Dabei wurde für den Fall eines Geständnisses ein Strafkorridor von sechseinhalb bis sieben Jahren festgelegt. Die Strafkammer geht davon aus, dass es schon am dritten Verhandlungstag (9. Februar) zum Urteil kommen könnte.

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