Drogen-Selbstversuch auf RTL Aufklärung per Lachflash: So war das Jenke-Experiment

Jenke von Wilmsdorff raucht in einem Coffee-Shop im niederländischen Harleem einen Joint. Foto: RTL

Wie wirkt Cannabis? Am Montag unterzog sich RTL-Versuchskaninchen Jenke von Wilmsdorff dem heiß erwarteten Selbstversuch - und wusste trotz oder vielleicht gerade wegen der gnadenlosen Ausschlachtung von Kiffer-Klischees zu unterhalten.

 

München – Seine Joints dreht RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff in dem beschaulichen Coffee-Shop im nierderländischen Harleem mit bemerkenswerter Routine. Glaubt man von Wilmsdorff, liegen seine letzten Drogenerfahrungen weit zurück. Mit 16, 17 Jahren soll der 48-Jährige laut eigener Aussage das letzte Mal gekifft haben. Da staunt sogar Sohn Janik (20), der seinen Kiffer-Papa während des Experiments besucht, der der Droge angeblich selbst nichts abgewinnen kann und nach dem "pausenlosen Abkacken" seines Vaters das Kiffen "noch ekelhafter" findet.

Doch was macht man nicht alles im Sinne der Erkenntnisfindung. Man muss schließlich alle Facetten kennen, um eine Meinung zur Legalisierungs-Debatte zu haben, meint von Wilmsdorff. Und diese Meinungsbildung will der RTL-Grenzgänger mit Drogen-Ausflügen nach Holland und Colorado vorantreiben.

Interesse beim deutschen Fernsehpublikum besteht offenbar. Insgesamt 3,78 Millionen Leute sahen den Staffelstart des Jenke-Experiments. Das entspricht einem Marktanteil von ordentlichen 12,3 %. Bei den jungen Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren waren es mit 2,2 Millionen Zuschauern sogar 18,5 % Marktanteil.

Doch zurück nach Harleem: Ob Joint, Verdampfer, Bong, Schokolade oder Lollis – von Wilmsdorff kifft, was das Zeug hält, "fährt Karussell", kugelt sich bei unkontrollierbaren Lachanfällen, lallt mit trockener Zunge und blutunterlaufenen Augen und lässt dabei, stets mit der obligatorischen Reggae-Leier im Hintergrund, kein Marihuana-Klischee unbestätigt. Doch genau diese selbstironische und gleichzeitig überraschend differenzierte Herangehensweise an das Thema macht das Format unterhaltsam.

Ein Treffen mit einem von Psychosen geplagten Psychiatriepatienten, der seit Jahren gegen seine Marihuana-Sucht kämpft, zeigt die gefährliche Seite der Droge. Der sympathische Hanfladenbetreiber mit Tourette-Syndrom, der nur durch den Konsum von 5 Gramm Gras am Tag (!) ein annähernd normales Leben führen kann, weist auf die medizinische Nutzbarkeit von Cannabis hin. Das unbeholfene Stammeln der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, die von Wilmsdorff zuhause besucht, regt dazu an, die deutsche Drogenpolitik ernsthaft zu hinterfragen.

Seine persönliche Meinung zu Cannabis hat von Wilmsdorff nach fünf Tagen voller Lachflashs, Fressattacken, unmotivierten Auf-der-Couch-Lümmelns und diversen Interviews übrigens grundlegend geändert. Auch wenn er für sich feststellt, dass er die Wirkung von Marihuana nicht angenehm findet, ist von Wilmsdorff am Ende pro Legalisierung. Kontrolliert versteht sich, vielleicht nur für medizinische Zwecke. Und für Jugendliche unzugänglich - "keine Frage".

Alles in Allem hält "Das Jenke-Experiment: Drogen", ungeachtet einiger wirklich sehr amüsanter Momente, nicht wirklich viel Neues bereit. Wen das Thema interessiert, der hat alles schonmal gehört, alles schonmal gesehen. Auch an der gnadenlosen Prohibition von Cannabis in Deutschland dürfte von Wilmsdorffs Kiffer-Erfahrung nichts ändern. Zumindest Sohn Janik hat erstmal genug vom Kiffen. Für sich persönlich hat der RTL-Reporter seinen Bildungsauftrag also erfüllt - wenigstens etwas.

 

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