Dritte Startbahn Neuer Fluggast-Rekord am Airport

40 Millionen Passagiere werden bis Jahresende vom Münchner Flughafen abgeflogen oder dort gelandet sein, ein neuer Rekord. Foto: dpa

Bürgermeister Josef Schmid (CSU) bleibt bei seinem Veto gegen eine dritte Startbahn. Das könnte ihm Ärger in der Partei einbringen.

 

München – Der Dauerstreit um den Bau einer dritten Startbahn am Münchner Flughafen könnte für Bürgermeister Josef Schmid (CSU) noch recht ungemütlich werden: Bund und Land sind dafür, die Stadt München als dritter Airport-Gesellschafter stemmt sich nach wie vor dagegen.

Aktuell steht Schmid wacker an der Seite von SPD-OB Dieter Reiter und sagt Nein zum umstrittenen 1,3-Milliarden-Euro-Projekt (AZ berichtete) – weil die Stadt sich an den Bürgerentscheid von 2012 gebunden fühlt. Damals hatten 54 Prozent der Münchner gegen die dritte Piste gestimmt.

Seit aber am Mittwoch das Leipziger Bundesverwaltungsgericht die letzten Klagen gegen das Projekt abgeschmettert und die dritte Piste juristisch genehmigt hat, wächst der Druck auf den Münchner CSU-Mann. Sowohl Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) als auch dessen Finanzminister Markus Söder sitzen ihm im Nacken: Schmid als aufsässiger Quertreiber gegen die eigene Partei? Beide wollen jetzt sehr schnell Gespräche mit Schmid und Reiter führen, um sie zum Umdenken zu bewegen.

„Mit Horst Seehofer habe ich vor Monaten das letzte Mal über die Startbahn gesprochen. Ein neuer Termin ist mir noch nicht bekannt, ich warte ab, was kommt“, sagt Schmid auf AZ-Anfrage. Und: „Meine Haltung ist unverändert: Ich bin fest überzeugt, dass eine dritte Start- und Landebahn wichtig für München und Bayern wäre. Aber solange es keinen neuen Bürgerentscheid gibt, fühle ich mich politisch an das Nein der Bürger aus dem Jahr 2012 gebunden. Das muss jeder so akzeptieren.“

OB Dieter Reiter will eine neue Bürgerbefragung allerdings erst dann, wenn sich - im Vergleich mit 2012 - gravierende Änderungen ergeben, wie beispielsweise eine massiv steigende Zahl an Starts und Landungen im Erdinger Moos. Der Stadtrat könnte dann ein Ratsbegehren beschließen, auch die Münchner selbst könnten einen Bürgerentscheid einleiten (dazu müssen 33.000 Unterschriften gesammelt werden).

Jetzt hat Flughafen-Boss Michael Kerkloh noch einmal Druck gemacht: „Seit 2011 ist das Baurecht da. Wenn die Entscheidung nicht jetzt getroffen wird, ist die dritte Bahn für immer erledigt“, schimpfte er bei der Präsentation seiner Flughafen-Halbjahresbilanz 2015 im Presseclub. Und lieferte gleich neue Rekordzahlen mit, die den Startbahn-Gegnern einige Argumente entziehen sollen:

19,4 Millionen Fluggäste sind im ersten Halbjahr 2015 vom Münchner Airport abgeflogen, 3,5 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2014 – ein neuer Rekord. „Wir sind auf gutem Weg, am Jahresende die 40-Millionen-Marke zu überspringen“, so Kerkloh.

Auch bei der Zahl Flugbewegungen gibt’s – nach den Rückgängen der letzten drei Jahre – wieder deutlich Zuwachs:186 434 Flieger sind im ersten Halbjahr gestartet und gelandet (plus 1,1 Prozent). Kerkloh: „Das ist eine echte Trendwende.“

Auf den Langstrecken wurden erstmals über drei Millionen Passagiere gezählt (plus fünf Prozent). Auch der innerdeutsche Verkehr legte um drei Prozent zu (auf 4,7 Millionen Fluggäste).

Der neue, 900 Millionen-Euro-teure Satelliten-Terminal wird laut Kerkloh im April 2016 eröffnen: Eine Art Terminal-Insel, die auf dem östlichen Vorfeld rundherum von Flugzeugen umgeben sein wird. Anfang 2016 startet der Probebetrieb mit hunderten „Passagierdarstellern“. Läuft alles gut, wird der Airport 27 Flugzeuge mehr abstellen und elf Millionen Passagiere im Jahr mehr abfertigen können. Wie viel Sinn dieses Megaprojekt ohne dritte Startbahn macht, ließ der Flughafenboss offen.

 

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