Dreieck Allach-Feldmoching Verhindert dieser Käfer den Ausbau der A99?

Der Juchtenkäfer gehört zu den extrem bedrohten Arten in Bayern. Foto: imago/blickwinkel

Die A99 soll ausgebaut werden. Weil hier aber seltene Käfer leben, will der Bund Naturschutz dagegen klagen.

 

München - Sein Geweih hat jeder schon einmal gesehen, zumindest im Bilderbuch: der Hirschkäfer ist der größte Käfer Europas. Und: Es gibt ihn in München. Genauer gesagt, in der Allacher Lohe. Das fast 150 Hektar große Gebiet im Münchner Westen fällt gleich unter mehrere Schutzkategorien: Naturschutzgebiet, Flora-Fauna-Habitat und Bannwald.

Der Eichen-Hainbuchen-Wald ist ein äußerst artenreicher Lebensraum. Am Nordrand der Allacher Lohe verläuft aber auch die A99 und die ist ein täglicher Stauschwerpunkt. „Das Dreieck Allach-Feldmoching ist einer der größten Engpässe im bayerischen Autobahnnetz“, sagt Josef Seebacher von der Autobahndirektion. Für den Bundesverkehrswegeplan, habe man in einer größeren Machbarkeitsstudie überlegt, dass man die Autobahn hier achtspurig ausbauen könnte, möglicherweise mit einer zweiten Röhre für den Allacher Tunnel. „Das wäre aber ein Projekt, was noch Jahrzehnte dauern würde, bis es umgesetzt ist“, so Seebacher.

Experte weist seltene Käferarten nach

Dennoch hat die Idee den Bund Naturschutz alarmiert. Der hat darum einen Käferexperten in die Allacher Lohe geschickt, der dort spektakuläre Funde machte. Neben dem Hirschkäfer und vielen anderen, wies er auch den Juchtenkäfer nach, der eine sogenannte Urwaldreliktart ist, erklärt Bund-Geschäftsführer Rudolf Nützel. Diese sind extrem bedroht, weil sie einen sehr kleinen Radius haben und nur noch auf 0,3 Prozent der bayerischen Waldflächen vorkommen.

„Das heißt, wir haben einen Urwald hier in München“, sagt Nützel. „Wenn wir die letzten Eichen und Linden da auch fällen, wo ist da die rote Linie?“ Käfer seien für die Artenvielfalt genauso wichtig wie Bienen. „Falls die Pläne so kommen, müssen wir dagegen klagen“, sagt Nützel. „Wir haben einfach einen so massiven Artenverlust, man erwartet von uns, dass wir uns engagieren für die letzten ihrer Art. Wir gehen da durch alle Instanzen.“

Zwischenlösung geplant

Die Autobahndirektion entschärft: Die Pläne seien noch völlig offen. Bei der Röhrenvariante sei man erst bei der Informationsbeschaffung, vom Grundwasser bis zum Städtebau. Falls diese käme, wäre auch denkbar „mit der Tunnelbohrmaschine untendurch zu gehen“. „Wir wissen, dass der Allacher Forst ökologisch sehr wertvoll ist, wir haben auch viele Biologen im Haus“, sagt Seebacher. Als Zwischenlösung arbeite man derzeit ohnehin an etwas anderem: einer Seitenstreifenfreigabe. Auch das sei komplex, etwa weil man im Tunnel die Technik umbauen und neue Haltebuchten schaffen müsse – im laufenden Betrieb.

 

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