Drei Brände in Sendling Aus Angst vor Feuerteufel: Münchner gehen auf Streife

Katharina Wittmann und das Ehepaar Ulrike und Slatan Mihotek (v.l.). Foto: Sigi Müller

Drei Verletzte. Über 110.000 Euro Schaden. Die Menschen in Sendling leben in ständiger Angst vor dem Feuerteufel. Die Kripo ermittelt fieberhaft.

Sendling - Eine ganze Wohnanlage in Sendling lebt in ständiger Angst. Die Menschen machen nachts kaum mehr ein Auge zu, aus Sorge, der Brandstifter könnte erneut zuschlagen. Einige haben sich zu einer Nachbarschaftswache zusammengeschlossen und laufen abends Streife, in der Hoffnung, den Täter von weiteren Anschlägen abzuhalten.

"Das muss ein Verrückter sein, der spielt mit dem Leben unschuldiger Menschen", sagt Katharina Wittmann (69). Seit dem Wochenende geht in der Sendlinger Wohnanlage an der Ecke Karwendel- und Sylvensteinstraße die Angst um.

"Es leben viele Senioren und auch Menschen mit Behinderungen in manchen Häusern, die hätten bei einem Großbrand keine Chance", sagt Ulrike Mihotek. Die Altenpflegerin und ihr Mann Slatan (58) kamen am Samstagabend von einem Kroatienurlaub zurück. "Wir waren eine Stunde zuhause, als es hieß, es brennt im Haus", erzählt Slatan Mihotek. Er und seine Frau flüchteten ins Freie. Sie stolperten über Schläuche der Feuerwehr und rannten fast gegen die großen Baucontainer, die direkt vor dem Haus stehen. "Wie kann man die Fluchtwege nur so zustellen?", ärgert sich das Ehepaar.

In der Nacht auf Samstag beginnt die Brandserie

Um 1.16 Uhr gab es in der Nacht auf Samstag den ersten Alarm. Ein Kellerabteil brannte. Als die Flammen gelöscht waren, stieß die Feuerwehr in dem Durcheinander auf einen verkohlten Koffer. "Ein Handy- oder Laptop-Akku sei in Brand geraten", hieß es zunächst. "An einen Brandstifter hat da noch keiner von uns gedacht", sagt Florian Döring (30).

Am Samstagabend brannte es erneut, wieder im Keller eines der Mietshäuser in der Karwendelstraße. Zwei der Abteile standen in Flammen. "Unser Kinderwagen und andere Dinge sind verbrannt", sagt Alexander K (37). "Ich bin froh, dass meine Frau und mein kleiner Sohn in Urlaub sind und damit außer Gefahr".

Nach dem zweiten Brand wollte keiner mehr an einen technischen Defekt als Ursache glauben. "Zwei Brände innerhalb weniger Stunden, das wäre schon ein merkwürdiger Zufall", sagt Florian Döring.

Eine Mieterin hätte den Brandstifter beinahe erwischt

Angst begann sich in der Siedlung breitzumachen. "Das ist hier eine ganz tolle Gemeinschaft", sagt Katharina Wittmann. "Einige Nachbarn beschlossen, sich zusammenzutun und nachts auf Patrouille zu gehen", sagt Petra Dexler. Dabei wäre die 44-jährige Hausfrau am Montagabend gegen 21 Uhr dem Brandstifter vermutlich beinahe in die Arme gelaufen.

"Ich hab’ im Treppenhaus eine Tür schlagen hören", erzählt sie. Vermutlich war es der Brandstifter, der vom Tatort flüchtete. Gesehen hat sie den Mann leider nicht. Nachbarn wollen ein blaues Auto in der Tiefgarage gesehen haben. Ein fremdes Fahrzeug, angeblich stand der Wagen mit offenen Türen herum.

Die Wohnungen sind eigentlich unbewohnbar

Der Täter schlug diesmal nur eine Ecke weiter, in der Sylvensteinstraße zu. Im Treppenaufgang des Kellers legte er den Brand. Die Feuerwehr fand verschmorte Plastikreste. Rauch und Ruß hat sich über das Treppenhaus im gesamten Haus ausgebreitet. Der Sachschaden, der bei allen drei Bränden entstanden ist, wird auf über 110.000 Euro geschätzt.

"Bis rauf in den zweiten Stock sind die Wohnungen eigentlich unbewohnbar", berichtet einer der Brandfahnder. Doch die Mieter haben keine andere Wahl. Sie halten in ihren Wohnungen aus. "Wo sollen wir auch hin", sagen sie.

Die Brandfahnder ermitteln auf Hochtouren

Bei dem Brand am Montagabend sind drei Menschen aus dem Mietshaus verletzt worden. Ein 54-Jähriger flüchtete aus seiner Wohnung. Er kam mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus. Der Münchner wurde am Dienstag bereits wieder aus der Klinik entlassen.

Eine 71-jährige sowie eine 68-jährige Bewohnerin erlitten ebenfalls Rauchgasvergiftungen. "Sie waren nicht ganz so stark. Die Patientinnen wurden vor Ort ambulant versorgt", sagt Feuerwehrsprecher Florian Hörhammer.

Brandfahnder der Kripo sichern Spuren an den verschiedenen Tatorten. "Wir ermitteln in alle Richtungen", sagt Polizeisprecherin Alessa Quintes. Dabei werden natürlich auch Personen überprüft, die bereits früher mit Brandstiftungen in Verbindung gebracht wurden.

Der Feuerteufel kam vermutlich über die Tiefgaragenzufahrt in den Komplex. Von dort aus kommt man direkt zu den Kellern, wo es gebrannt hat.

 

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