Doping bei Olympia Evi Sachenbacher-Stehle: Verzettelt

 Die AZ begab sich auf Spurensuche in den Heimatort von Dopingsünderin Evi Sachenbacher-Stehle. Welche Rolle spielten die mysteriösen Zettelchen und ihr Mentalcoach?

 

Reit im Winkl - Es ist die perfekte weiß-blaue Postkartenidylle. Die Sonne steht über den Bergen im Kaiserwinkl, spiegelt sich in den Schneekristallen, das Bergdorf Reit im Winkl ist von Langlaufloipen durchzogen. Hier ist Evi Sachenbacher-Stehle aufgewachsen, hier ist sie groß geworden, hier hat sie ihre großen Erfolge – etwa zwei Mal Olympia-Gold – gefeiert. Bürgermeister Josef Heigenhauser hat ihr die die größte Auszeichnung der Gemeinde verliehen – den goldenen Ehrenring. Hier lieben sie ihre Evi – auch nach dem Dopingbefund bei der 33-Jährigen bei Olympia.

„Wir alle denken, dass sie nicht vorsätzlich gedopt hat, sie ist da irgendwie reingeschlittert“, sagt Sylvia Schärer, Vorsitzende des WSV Reit im Winkl, für den Sachenbacher-Stehle startet: „Es war ja nicht Heroin, nicht Kokain, sondern ein Nahrungsergänzungsmittel.“ Evis Vater, der Josef senior, der vor den Spielen noch so gerne, so stolz über seine Tochter gesprochen hatte, wollte sich auf Nachfrage nicht äußern. „Das hat die Familie so vereinbart.“

Dafür spricht Stefan Heigenhauser, Leiter der Skischule dort: „Man weiß nicht, ob ihr da nichts untergeschoben wurde. Hier wird die Familie ruiniert, wenn man sie wie einen Dopingsünder behandelt. Wir stehen hinter ihr.“ Doch klar ist auch, die Evi hat sich zuletzt verändert. Mit einem Mentaltrainer hatte sie versucht, neue Wege zu beschreiten. Der hatte ihr Zettelchen mit Motivationssprüchen gegeben. Damit hatte sie ihre Wohnung gepflastert. „Da sind Erinnerungen drauf, dass sie im Biathlon erfolgreich sein wird“, erklärte ihr Bruder Josef jr. der AZ vor den Spielen. Verzettelt!

Zudem stellte Evi – wie auch andere deutsche Vorzeigebiathletinnen – die Ernährung um. „Die spinnen plötzlich alle etwas, die wollen sich nur noch lactosefrei und glutenfrei ernähren, haben nur noch ihr eigenes Zeug mitgebracht“, sagt ein Insider der AZ, „sie essen kaum noch Kohlenhydrate, besonders nicht am Abend vor Wettkämpfen. Das haben ihnen irgendwelche Berater eingeredet.“

Fakt ist: Auch mit einem Mental-Guru hat sie gearbeitet. Wer ihr die Ergänzungsmittel gegeben hat, die zum Dopingbefund geführt haben, ist ungeklärt. Eine Anfrage der AZ ließ er unbeantwortet, die Staatsanwaltschaft ermittelt im Moment gegen Unbekannt. Feststeht, dass bei den Hausdurchsuchungen am Biathlon-Olympiastützpunkt in Ruhpolding keine Mittel konfisziert wurden, nach AZ-Informationen aber in Evis Haus in Österreich Mittel sichergestellt wurden. „Das Phänomen der Berater, der Gurus greift im Sport immer mehr um sich. Wir sehen das mit großer Sorge, denn die Athleten vertrauen denen fast blind. Wenn der Guru sagt: ’nimm das, das ist gut für dich’, dann fragen die nicht nach, die nehmen das“, sagt Doping-Experte Dr. Helmut Pabst. Dabei gab es allein im Jahre 2013 fast vierhundert positive Dopingtests auf das Mittel Methylhexanamin. „Was wir brauchen, ist ein gescheites Anti-Doping-Gesetz, dann könnten wir diesen Gurus das Handwerk legen. jetzt lachen die nur“, sagt Pabst, „wobei ich mich schon ärgere, wenn ein Athlet es immer noch nicht begriffen hat und so fahrlässig ist, dem Körper blind solche Mittel zuzuführen.

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