Dominikanische Republik Seite 2: Kinder und Blondinen zuerst!

Wer beim Überqueren der Schnellen Angst vor einem Ausrutscher hat, dem wird von Guides die Hand gereicht – Kinder und Blondinen zuerst. Da kann der Latino-Macho nicht aus seiner Haut. Zwei wagemutige Führer klettern die glitschigen Felswände hoch. Aus etwa 15 Metern stürzen sie sich in die Tiefe. Samaná-Besucher tun gut daran, sich nach einem Besuch des Wasserfalls auch in den Alltag der Halbinsel zu stürzen. Manchem Vielreisenden gilt diese Ecke des Landes als die schönste und sympathischste. Mit dem Playa Rincon etwa, am Rand des Dorfs Las Galeras, wartet gar einer der paradiesischsten Strände der ganzen Karibik.

 

Den inoffiziellen Titel „Ibiza der Karibik“ hätte hingegen das ehemalige Fischerdorf Las Terrenas verdient. Hier treffen Backpacker auf Altaussteiger aus Europa und auf Immobilienritter, die hier das nächste Geschäft wittern. Las Terrenas hat zwar seinen dörflichen Charme mittlerweile etwas verloren, dürfte aber für Individualtouristen immer noch der geschmeidigste Ort im ganzen Land sein. Hier reiht sich ein Lounge-Sofa ans nächste – Erinnerungen an Café-del-Mar-Zeiten kommen hoch. Schmusige Barmusik säuselt aus den Lautsprechern.
Internationale Restaurants reihen sich an Boutiquen und an Freiluftgalerien mit den farbenfrohen Kunstwerken haitianischer Maler. Ein paar Häuserecken weiter lassen es Jugendliche aus mannshohen

Lautsprechern krachen: Reggaeton, Merengue und Bachata im Powerplay. In irgendeiner Ecke wird immer gefeiert, zur Not spontan. Und das türkisblaue Wasser ist stets in Reichweite.
Das nächste größere Ding erwarten Spekulanten etwa 40 Kilometer weiter südlich, in Santa Barbara de Samaná, kurz: Samaná. Allein die Fahrt dorthin ist ein Erlebnis. Auch für die Augen: Häuser in schillernden Farbtönen unter Palmenmeeren. Sonntags wird’s besonders bunt, dann ist Waschtag. Kleidung, Teppiche, Decken und Matratzen in allen Farben trocknen über Büschen und Sträuchern, Gartenzäunen und Einfahrtstoren.

Selbst Leitplanken werden als Wäscheständer zweckentfremdet. Wenige Kilometer vor dem Ort bietet sich ein fantastischer Ausblick auf die Bucht. Wie eine überdimensionale Badewanne liegt sie unterhalb der Hügellandschaft. Hie und da verirrt sich ein Kreuzfahrtschiff hierher, einige wenige Segler genießen die Einsamkeit auf dem Wasser.

Die Stadt hat bislang ihren ursprünglichen Charme behalten. Der Alltag ist lebhaft und zuweilen karibisch-chaotisch. Doch an Orten, wo sich mehr Fremde als Einheimische treffen, ist herauszuhören: Hier wittern Touristiker das nächste mittelgroße Ding der Dominikanischen Republik. Vor wenigen Jahren hat sich eine spanische Luxushotelkette bereits die Premiumlage oberhalb der Stadt gesichert und ein Komforthotel errichtet.

Außerdem wurde in Hafennähe ein Einkaufs- und Erlebniszentrum installiert. Pueblo Principe entstand im Stil eines bunten Dorfes, eine karibische Mall gewissermaßen. Von der homogenen Architektur könnten sich deutsche Stadtverschandeler gerne inspirieren lassen. Innerhalb weniger Jahre soll eine Marina mit fast 300 Yachtliegeplätzen hinzukommen. Noch herrscht in den Restaurants am Hafen beschauliche Ruhe. Doch das könnte sich ändern. Dann gibt es womöglich von Samaná-Stadt aus einen Run auf den Salto de Limón – und auf die Gummistiefel.

 

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