Dok.Fest "Swinger": Liebesgewimmel

Eines der glücklichen Paare in „Swinger“. Foto: DokFest

„Swinger“ erzählt aus der Welt der wechselnden Liebespartner

 

Die wissen ja gar nicht, wovon sie reden“, sagt die ältere Dame in Dessous gleich zu Beginn – und nimmt damit allen Vorab-Kritikern an Swinger-Clubs den Wind aus den Segeln. In der Tat: Was kann man schon groß über diese Praxis sagen? Nach Stefan Zimmermanns Film: einiges.

„Swinger – Die wunderbare Welt des Partnertauschs“ erzählt von fünf Pärchen oder Solo-Swingern, beleuchtet eine Welt, die naturgemäß eher im Verborgenen bleibt. Und man staunt bisweilen darüber, dass sich die Menschen vor der Kamera so freizügig zeigen und so offen über ihre sexuellen Vorlieben äußern. Auf Plattformen im Internet präsentieren sich die Paare so vorteilhaft erotisch wie möglich, um Gleichgesinnte anzulocken.

Da ist die wuchtige Frau, die gemeinsam mit ihrer Bekannten – die vom Anfang – eine Dessousparty feiert. Später werden wir sie einen Halbschritt vorm Geschlechtsakt sehen. Da ist der Mann, der übers ganze Gesicht strahlt, während seine Frau einen Meter entfernt Sex mit drei Männern hat. „Ich liebe es, wenn die Männer scharf auf sie sind“, sagt er an anderer Stelle. Und man glaubt es ihm sogleich. Da ist das Paar, das sich in verschiedenen Fantasiekostümen in Szene setzt, und das andere, das über das richtige Zahlenverhältnis von Männern und Frauen spricht.

Für den Gruppensex werden die Heiligenfiguren weggeräumt

Und da ist das bieder wirkende Paar, von dessen Küchendeckenwinkel der Herr vom Kreuz aufs Geschehen schaut: Der Mann erzählt, wie er im Internet nach Swinger-Plattformen gesucht hat. „Heimlich!“, wirft seine Frau, über die Brillengläser in die Kamera blickend, ein, während ihre Hände mechanisch präzise weiterstricken. Er erzählt weiter, sie fällt wieder in die Erzählung ein – eine der schönsten Szenen des Films. Man hätte sie nicht schöner als Drehbuch schreiben können.

Als es dann auf den verabredeten Gruppensex im ehemaligen Jugendzimmer der Tochter zusteuert, das nun zum Paarezimmer umfunktioniert wurde, werden schamvoll die hölzernen Heiligenfiguren in den Schrank geräumt. „Die brauchen uns ja nicht zuschauen“, sagt die Frau. Das Schamgefühl ist bei den Protagonisten des Films sehr unterschiedlich ausgeprägt. Manchmal sieht man auch mehr, als nötig wäre, manchmal ist es etwas befremdlich, doch stets unterhaltsam. Was man außerdem immer sieht: zufriedene, glückliche Menschen. Niemand macht hier etwas gegen seinen Willen. Nur der kirchliche Arbeitgeber hat etwas gegen die freizügige Eigenpräsentation der Frau mit den drei Männern. Das entsprechende Schreiben wird theatralisch mit verteilten Rollen vorgetragen.

 

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