Dok.fest München "Queen Lear": Shakespeare mit Ziegen

„Queen Lear“ spielt im Süden der Türkei. Foto: DokFest

In der Türkei führt eine Schauspielgruppe „King Lear“ auf, und zeigt die Macht des Theaters

 

Regisseur Johan Simons schickte 2013 dem auf stürmischer Heide irrenden und schon längst irre gewordenen Lear leibhaftige Schweine auf die Bühne der Kammerspiele. Wenn Pelin Esmer tief im Süden der Türkei eine Laientheatergruppe auf Tour mit Shakespeares Tragödie „König Lear“ beobachtet, ist die Anwesenheit von Nutztieren kein Kunstgriff, sondern einfach ein ganz authentischer Teil der Realität in vergessenen Dörfern Anatoliens. Natürlich sind es dort keine Schweine, die das Bild prägen, sondern Ziegen.

Mancher Bürgermeister fürchtet den Geist der Freiheit

Schon vor 15 Jahren war die Dokumentarfilmerin Pelin Esmer mit der Kamera dabei, als die fünf Bäuerinnen Bekiye, Cemmet, Fatma, Ümmü und Zeynep ihre Schauspielgruppe gründeten. In „Queen Lear“ sind sie nun der künstlerische Kern eines Tourneeunternehmens mit einem Kleinbus und einem ausgewachsenen Truck. Der ist voll beladen nicht nur mit Veranstaltungstechnik, sondern auch mit Plastikstühlen, die den staubigen Dorfplatz zu einem richtigen Theater machen. Erdogans Ankara ist zwar weit, doch mancher türkischer Bürgermeister fürchtet trotzdem untertänigst den Geist der Freiheit, den die Kunst ausdünstet. In dem alten störrischen König, der sein Land an die Töchter verteilen will und eine davon verstößt, weil er glaubt, sie liebe ihn nicht ausreichend, finden sich Frauen wie Männer einer patriarchalischen Gesellschaft tatsächlich wieder.

„Queen Lear“ ist nicht nur ein Einblick in einen fast noch archaischen Kulturraum zwischen Mittelmeerküste und Taurusgebirge, sondern lässt auch etwas von der elementaren Kraft des Theaterspielens spüren. Für Interessierte gibt es nach dem Film noch die Aufzeichnung eines Gesprächs mit der Regisseurin und Produzentin Pelin Esmer, mit einer Moderation von Ysabel Fantou. Dabei ist zu beachten: Das Filmgespräch findet ausschließlich in englischer Sprache statt.

Bis zum 24. Mai zeigt das Dok.fest 121 Filme, die man nur online sehen kann. Das kostet pro Film 4,50 Euro – oder 5,50 Euro, wenn man den Solidaritätsaufschlag für die Partnerkinos City/Atelier, Rio und Maxim zahlt. Der Festivalpass für alle Filme kostet 50 Euro. Die meisten Filme sind die ganze Zeit verfügbar, einige unterliegen Beschränkungen.
Alle Infos unter dokfest-muenchen.de

 

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