Dok.fest München „It Takes a Family“: Die Stille durchbrechen

Eva und Enkelin. Foto: DokFest

Susanne Kovács ergründet in „It Takes a Family“, was der Holocaust in ihrer Familie angerichtet hat

 

Ich bin keine wichtige Person, meint die Großmutter. Aber du bist wichtig für mich, entgegnet die Enkelin. Während die hochbetagte Frau, Eva, über die Zeit im Konzentrationslager Mauthausen schweigen will, bohrt die junge – Susanne Kovács, die Regisseurin von „It Takes A Family“ – immer wieder nach, lässt sich nicht abwimmeln, auch wenn die Oma mitunter gute Argumente hat. Was der Holocaust angerichtet hat, lässt sich nicht filmen, das steckt im Innern, sagt Eva und äußert sich dann doch immer wieder vor der Kamera und in Telefongesprächen, die aus dem Off eingestreut werden.

Noch leben Menschen, welche die Gräuel der Nazi-Zeit überstanden haben und davon erzählen können. Das Dok.fest hat sieben Werken, in denen Holocaustüberlebende zu Wort kommen, sich sogar tanzend ausdrücken (wie im Eröffnungsfilm „The Euphoria of Being“), eine eigene Reihe gewidmet. Es ist dabei vor allem die Generation der Enkel, die, selbst schon in der Mitte des Lebens, nachfragt, während die direkten Nachkommen, eingekeilt zwischen eben diesem neugierigen Nachwuchs und den eigenen, oftmals schweigsamen Eltern, noch unmittelbarer von den Traumata betroffen sind und lieber nicht mehr nachhaken wollen.

Die Regisseurin macht ihrem Vater immer noch Vorwürfe

Susanne Kovács durchbricht in „It Takes a Family“ die Stille und öffnet in einer stark verdichteten Film-Stunde den Blick auf die komplexe Situation ihrer Familie: Ihr Vater stammt aus einer ungarisch-jüdischen Familie, von der viele Mitglieder von den Nazis ermordet wurden. Susannes Mutter hingegen kommt aus einer deutschen Familie, deren männliche Mitglieder zum Teil für die Nazis kämpften. Es wundert daher nicht, dass Peters Eltern starke Vorbehalte hatten, als sie erfuhren, dass ihr Sohn eine Deutsche heiraten möchte. Peters Vater war ein besonders boshafter, verbitterter Mann – was auf viel stärkere Traumata hinweist, als es alle zugeben möchten.

Dass die Regisseurin als kleines Kind für zwei Wochen zu den Großeltern väterlicherseits geschickt wurde und dort Dinge gesagt bekam, die sie völlig überforderten, macht sie ihrem Vater heute zum Vorwurf: „Wie konntest du das zulassen?“ Gerade die Kamera verleiht Susanne Kovács offenbar Kraft, solche Dinge anzusprechen. Bei ihrer unermüdlichen Aufklärungsarbeit, für die sie viele Fotos und altes Filmmaterial eingehend zurate zieht, schaut man ihr gebannt und gerührt zu.

 

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