Dok.fest München "Der Bär in mir": Auf Tuchfühlung mit den Riesen

Hier sind die Menschen nur zu Gast: Bären in Alaska. Foto: DokFest

Atemberaubend: „Der Bär in mir“ von Roman Droux erzählt von Begegnungen mit Grizzlys in Alaska

 

Ein winziges Zwei-Mann-Zeltlager, außen die riesigen Grizzlybären – und dazwischen nur ein schmales Elektrozäunchen. Wenn man Bären begegnen will, steht dem hier jedenfalls nichts im Wege. Für „Der Bär in mir“ ist der Schweizer Filmemacher Roman Droux mit seinem Landsmann, dem Biologen David Bittner, für drei Monate an die Südküste Alaskas geflogen. Dort wurde einst Timothy Treadwell gemeinsam mit seiner Freundin von Bären getötet.

Werner Herzog hat den „Grizzly Man“ 2005 in dem gleichnamigen Film porträtiert. Nun also: zwei Schweizer unter Bären (dankenswerter Weise mit englischen Untertiteln) – „ohne Gitter, auf Augenhöhe“, wie Droux im Kommentar sagt. In der ersten Einstellung fährt die Kamera langsam einen Bärenleib hinauf, mächtig wie ein Berg mit spatengroßen ledrigen Tatzen. Bittner besucht seine Bären in Alaska schon seit 15 Jahren, er hat ihnen Namen gegeben – und nähert sich den riesigen Braunbären mit Bedacht und Respekt. Immer wieder redet er beruhigend auf sie ein, und sie akzeptieren seine Nähe erstaunlich gelassen.

Die Natur zeigt sich in all ihren Facetten

Manchmal möchte man ihm aber doch am Bildschirm zurufen: Bist du wahnsinnig? Zum Beispiel wenn Bittner sich lächelnd in eine noch warme Bärenhöhle legt. Da betet man, dass der Bär die Höhle wirklich dauerhaft verlassen hat und nicht gleich um die Ecke biegt. In dieser ursprünglichen Landschaft sind die Menschen nur zu Gast. Und die Natur zeigt sich hier in all ihren Facetten: Mal schaut ein Bärenkopf dermaßen niedlich aus den Gräsern heraus, dass man sich an eine Dosenmilchwerbung aus den 80ern erinnert fühlt. Mal schubbert sich ein Bär an einem Baumstamm wie Balu im „Dschungelbuch“.

Aber dann gibt es den Kampf ums Überleben. Denn zunächst gibt es kaum etwas zu fressen, weil die Lachse noch nicht massenweise vom Meer die Flüsse hinauf ziehen. Da wird hart um jedes Fischlein gekämpft. Bei diesen (wenigen) Bildern ist es gut, wenn man nicht gerade eine Mahlzeit einnimmt. Dazu sehen wir atemberaubende Panorama-Aufnahmen von massigen Bärenkörpern im Gegenlicht und von dem dichten Netz aus unzähligen Trampelpfaden, die die riesigen Tatzen durch die Graslandschaft Alaskas gezogen haben. Unter dokfest-muenchen.de gibt es ein Gespräch mit dem Regisseur Roman Droux.

Bis zum 24. Mai zeigt das Dok.fest 121 Filme, die man nur online sehen kann. Das kostet pro Film 4,50 Euro – oder 5,50 Euro, wenn man den Solidaritätsaufschlag für die Partnerkinos City/Atelier, Rio und Maxim zahlt. Der Festivalpass für alle Filme kostet 50 Euro. Die meisten Filme sind die ganze Zeit verfügbar, einige unterliegen Beschränkungen.
Alle Infos unter dokfest-muenchen.de

 

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