Döner-Mordserie Nazi-Morde: Ein Agent war am Tatort

Makabres Bekennervideos: In diesem Ausschnitt brüstet sich die Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" mit dem Mord an der Heilbronner Polizistin. Groß zu sehen ist die Tatwaffe. Foto: dapd

Neue Erkenntnisse zum letzten Mord der Serie in Kassel: Wie stark ist ein Verfassungsschützer in den Fall verwickelt? Gegen die Helfer erging Haftbefehl.

 

Hatte das mörderische Neonazi-Trio einen Mitwisser beim Verfassungsschutz? Ein hauptamtlicher Verfassungsschützer soll bei einem der Döner-Morde am Tatort gewesen sein – und bei sechs der insgesamt neun Morde in der Nähe. Bisher hieß es: Der hessische Verfassungsschützer Mann soll eine Minute vor dem Mord an einem 21-jährigen Türken am 6. April 2006 in Kassel den Tatort – ein Internetcafé – verlassen haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte damals gegen ihn ermittelt, die Ermittlungen jedoch eingestellt, weil sie dem Verdächtigen keinen Zusammenhang mit der Tat nachweisen konnte. Nach einem Bericht der „FAZ“ soll sich der Beamte zum Zeitpunkt des Mordes doch noch dort aufgehalten haben. Nach Informationen von „Bild“ soll er sich außerdem bei sechs der neun Morde in der Nähe des Tatorts aufgehalten haben – das hätten Bewegungsprofile der Polizei ergeben.

Zudem wird das Terror-Netzwerk „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) für weitere Attentate verantwortlich gemacht. Das zynischen Bekennervideo der Neonazis, in dem die Comic-Figur Paulchen Panther zu den Klängen fröhlicher Musik zum Ansager für grausame Verbrechen verkommt, führt die Ermittler auf immer neue Spuren. Jetzt hat das Landeskriminalamt in dem Video Hinweise auf einen bisher unaufgeklärten Sprengstoffanschlag in der Kölner Innenstadt im Jahr 2001 gefunden.

Damals war eine 19-jährige Deutsch-Iranerin bei einem Sprengstoffanschlag auf ein Lebensmittelgeschäft schwer verletzt worden. Ein rechtsextremistischer Hintergrund wurde nicht ausgeschlossen. Mindestens zehn Morde, mehrere Brandanschläge und etliche Banküberfälle sollen auf das Konto der NSU gehen. Unterdessen werden Unterstützer oder weitere Mitglieder gesucht. Nach dem Selbstmord von Uwe Böhnhardt († 38) und Uwe Mundlos († 34) konzentrieren sich die Ermittlungen nach wie vor auf Beate Z. und den mutmaßlichen Komplizen Holger G., der bei Hannover festgenommen wurde.

Gegen Beate Z. erging am Sonntag Haftbefehl, gestern auch gegen Holger G. wegen „Unterstützung einer terroristischen Vereinigung“. Er soll sich 2007 der NSU angeschlossen haben. Unter anderem überließ er dem Neonazi-Trio seinen Reisepass. Bislang war er dem Verfassungsschutz als Mitläufer bekannt.  Unterdessen hat der Fall die Diskussion über ein NPD-Verbotsverfahren neu angeheizt, das 2001 wegen der Verstrickung von V-Leuten gescheitert war. Kanzlerin Angela Merkel will die Erfolgsaussichten dafür prüfen lassen. Sie nannte die NSU „eine Schande für Deutschland“.

 

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