Diskussion um die Aufgaben War das Mathe-Abi zu schwer für die Landshuter Schüler?

Das Mathe-Abi empfanden viele Schüler dieses Jahr als zu schwer. (Symbolbild) Foto: Armin Weigel/dpa

Sie gehört ohnehin zu den Prüfungen, vor der viele am meisten zittern: das Mathe-Abi. Doch dieses Jahr waren die Anforderungen wohl überzogen

 

Landshut - Mathematik stellt für viele Schüler die größte Hürde auf dem Weg zum erfolgreichen Abitur dar. Dass einige Schüler dann über angeblich zu schwere Aufgaben klagen, kommt deshalb nicht selten vor. Wenn aber – wie derzeit in Bayern – gleich Tausende gegen eine Abiturprüfung mobil machen, könnte schon was dran sein am zu anspruchsvollen Mathe-Abi 2019.

Schüler: "Hätte ich nichts gelernt, wäre ich wohl genauso weit gekommen."

Der enorme Schwierigkeitsgrad der jüngsten Prüfungsaufgaben, so das Stimmungsbild in Landshut, hat Schüler wie Lehrer gleichermaßen überrascht. Die Aufgaben, über die sich die Schüler am meisten geärgert haben, sind in Stochastik sowie in Geometrie gestellt worden. Ein Schüler, der am Freitag sein Mathe-Abitur am Hans-Leinberger-Gymnasium geschrieben hat, fasst die Stimmungslage an seiner Schule im AZ-Gespräch zusammen: "Hätte ich nichts gelernt, wäre ich wohl genauso weit gekommen."

Der ungewöhnliche Schwierigkeitsgrad der gesamten Abi-Prüfung habe ihn an Grenzen geführt, die so während der Lernphase nicht absehbar waren; vor allem im Vergleich zu den Abi-Prüfungen aus den vergangenen Jahren, die er in der Vorbereitung durchgearbeitet hatte. Sein Fazit: Gefehlt in der Klausur hätten vor allem gut lösbare Standardaufgaben wie in vorangegangenen Abi-Klausuren. "Wenn es mal gleich nicht so läuft, kann man wenigstens diese Aufgaben bearbeiten. Dadurch bekommt man Sicherheit und kann wenigstens dort schon mal Punkte machen", sagt er.

Stattdessen seien die sehr langen Textaufgaben extrem verwirrend gewesen. Einige der Aufgaben habe er fünf Mal lesen müssen, um sie richtig zu verstehen und einordnen zu können. Nervosität habe sich breitgemacht. "Auch meinen Mitschülern erging es so", sagt er. Das Stimmungsbild auf dem Pausenhof sei deshalb sehr niederschmetternd gewesen. "Ich glaube, in Mathe kommt nichts Gutes bei raus."

Vater: "Es gibt kaum noch Schüler, die keine Nachhilfe wegen des Mathe-Abis nehmen."

Nicht nur bei den Schülern war das schwere Mathe-Abi Thema. Die Eltern sind in Sorge, ihnen geht es um Chancengleichheit für die Kinder. Ein Vater sagte am Montag der AZ: "An den Abiturprüfungen hängt für den weiteren Werdegang mittlerweile sehr viel dran. Es geht um Bewerbungen an Universitäten, die einen Numerus clausus verlangen. Aber auch im Berufsleben", so der Vater. Und: "Es gibt mittlerweile kaum noch Schüler, die keine Nachhilfe wegen der hohen Ansprüche im Mathe-Abitur nehmen. Das kostet Eltern sehr viel Geld. Und dann bekommen sie eine Prüfung gestellt, auf die sie sich nicht optimal vorbereiten können." Der Vater würde sich nicht wundern, wenn alle Schüler in Mathe in die Nachprüfung gehen. "Dann will ich sehen, was an den Schulen los ist."

In Landshut ist man mit diesen Gedanken nicht allein: Wegen der angeblich zu schweren Abiturprüfung sind mittlerweile tausende Schüler in ganz Bayern auf die Barrikaden gegangen. In der Petition heißt es: "2016 war es anspruchsvoll, 2017 war es machbar, 2018 war es nahezu leicht und 2019 enthielt die Prüfung plötzlich Aufgabenstellungen, die vorher kaum einer gesehen hatte". Gerichtet ist die Petition an das Bayerische Kultusministerium. Vom Ministerium erhofft sich nun auch Ursula Weger, Schulleiterin des Gymnasiums Seligenthal, ein Signal, wie die Bewertung der Prüfung ablaufen soll.

Die Schulleitung und die Lehrer des Gymnasiums verstehen die Verunsicherung und stellen sich hinter ihre Schüler. Bereits beim Durchrechnen der Abituraufgaben von den Lehrern des Gymnasiums Seligenthal sei aufgefallen: "Die Aufgaben in Stochastik und vor allem in Geometrie sind dieses Jahr besonders anspruchsvoll gewesen", so Weger.

BLLV: Schüler hatten zu wenig Zeit 

Unterstützt werden die Schüler auch vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). Nach dessen Ansicht hatten die Schüler zu wenig Zeit für die Aufgaben. "Eklatant viele" Schüler seien deswegen nicht rechtzeitig fertig geworden. Florian Borges, Fachgruppenleiter Mathematik im Philologenverband, widerspricht den Schülern dagegen. Er sagt, es habe in der Prüfung keine lehrplanfremden Inhalte gegeben. Letzteres bestätigte Schulleiterin Weger am Montag auf AZ-Anfrage. Dennoch sei die Einschätzung ihrer Schüler und Lehrer über den sehr hohen Schwierigkeitsgrad völlig deckungsgleich. Weger: "Jeder Schüler, den wir befragt haben, hat uns dies bestätigt, auch die sehr guten", so Weger.

Die Petition, die gestartet wurde, sei deshalb sicherlich nicht aus der Hysterie einzelner entstanden. Weger: "Das allgemeine Stimmungsbild zeigt, dass es sich nicht um subjektive Eindrücke handelt."

Die Schulleiter der Gymnasien Hans-Leinberger und Hans-Carossa wollten sich am Montag auf Anfrage nicht äußern. Genauso wenig wie der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Niederbayern.

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