Diskussion um autonomes Fahren Warum es bis zu fahrerlosen Zügen noch ein weiter Weg ist

Blick in den leeren Fahrstand einer Lokomotive. Foto: Carsten Rehder/dpa

Von der Vision eines selbstfahrenden "Geisterzugs" halten Experten nichts – sie prangern "museale Technik" in Bahnen an. Diese müsse dringend auf das Niveau des Digitalzeitalters gebracht werden.

 

München - Ohne die Zukunftsvision des früheren Bahn-Chefs Rüdiger Grube hätte die Veranstaltung der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) zu "autonom fahrenden Zügen" am Montagabend in München wohl nicht stattgefunden.

Autonome Züge unrealistisch - Personalnot bei Lokführern

In zehn bis 20 Jahren, hatte Grube vor drei Jahren prognostiziert, würden Züge ohne Lokführer vollautomatisch unterwegs sein. Bei den Bemühungen, sich die streikbereiten "Lokführer vom Hals" zu schaffen, habe Grube der Nachwuchsgewinnung einen Bärendienst erwiesen, rügte GDL-Vorsitzender Claus Weselsky.

Den aktiven Lokführern habe Grube hingegen keine Angst machen können, denn die Personalnot werde immer größer. In den nächsten zehn Jahren gehen mehr als die Hälfte der Lokführer in den Ruhestand. Das Bahn-Management werde schon noch einsehen, dass es unsinnig sei, eine einzige Person in einem Zug mit Milliardenaufwand wegzurationalisieren, schimpfte Weselsky.

"Museale Technik" der Bahnen muss erneuert werden

Um Züge autonom fahren zu lassen, ist in der Ingenieurssprache "Level Vier" erforderlich. Bis dahin ist es laut Meinung von Experten noch ein weiter Weg. U-Bahnen verkehren zwar mancherorts – wie in Nürnberg – autonom, doch sei dies bei einem "geschlossenen System" einfacher als bei der "Vollbahn". Zuerst müsse man die teilweise "museale Technik" auf das Niveau des Digitalzeitalters bringen, sagte Reinhard Hennes vom Eisenbahn-Bundesamt. Wenn diese Modernisierung nicht gelinge, "können wir den Laden zumachen".

Auch Vertreter der Bahn und des Hauptzulieferers Siemens glauben nicht, dass der "Geisterzug" demnächst rollen wird. Gerhard Curth vom Deutschen Bahnkunden-Verband kann darauf sogar verzichten: "Die Bahn hat doch andere Probleme, als sich mit so etwas zu beschäftigen." Der autonome Zug liege "eher noch etwas in der Zukunft", formulierte Holger Last von Siemens. Und wie beim Fahren auf der Straße, komme nicht gleich der Roboter in den Führungsstand, sondern zuerst Assistenzsysteme.

Das Berufsbild des Lokführers der Zukunft wird nach Ansicht von GDL-Chef Weselsky eher dem von Fluglotsen ähneln. Grubes Vision von den vollautomatischen Zügen sei "durch nichts untermauert", aber schade der Bahn. Von teuren "Leuchtturmprojekten" sollte man Abstand nehmen und sich besser um den Ist-Zustand des Unternehmens kümmern. Den charakterisierte Weselsky so: "Wir sind sicher, aber nicht mehr zuverlässig und vor allem nicht mehr pünktlich."

 

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