Diskussion in der Altstadt Buddha am Viktualienmarkt: "Ude bagatellisiert die Sache"

Der liegende Buddha stößt weltweit auf Unverständnis und Kritik. Foto: Petra Schramek

Barbara Riepl, Honorargeneralkonsulin des Königreichs Thailand für Bayern und Sachsen, spricht im AZ-Interview zum ersten Mal über die umstrittene Kunstaktion am Viktualienmarkt.

 

AZ: Frau Riepl,  was war Ihre erste Reaktion auf den „hingeworfenen Buddha”?

BARBARA RIEPL: Ich war entsetzt und sehr traurig, konnte absehen, wie meine thailändischen Freunde darauf reagieren: Sie sind empört, aber ihre gute Erziehung gestattet ihnen nicht, lauten Protest darüber zu äußern.

Macht es für Sie einen Unterschied, dass dieser Buddha nicht aus Thailand, sondern aus Deutschland stammt?

Eine Buddha-Statue ist ein religiöses Symbol – ganz gleich, woher sie stammt. Sie im Straßenstaub liegen zu sehen, ist für jeden Menschen, der den Buddhismus achtet, äußerst schmerzlich und unverständlich.

Sie haben per Brief OB Christian Ude um Hilfe gebeten.

Er beruft sich auf die Freiheit der Kunst und hat versucht, die ganze Angelegenheit zu bagatellisieren, die Statue bezeichnete er als „Souvenirartikel”, um den man nicht so viel Aufhebens machen sollte. Ich bin darüber sehr enttäuscht! Bei meinem letzten Geburtstag habe ich um Spenden für eine kulturelle Einrichtung der Landeshauptstadt gebeten. Das werde ich nicht mehr tun, denn nun weiß ich, dass hier Kultur buchstäblich mit Füßen getreten wird.

Haben Sie Verständnis für die Ansicht, dass es um Kunst geht und nicht um Religion?

Ich habe großen Respekt vor der Kunst, aber darum geht es nicht. Wenn ein Kruzifix so auf die Straße gelegt würde, dass die Hunde daran pinkeln können, wenn ein Koran verbrannt wird, schreit alle Welt auf. Auch die Buddha-Statue ist ein religiöses Symbol, dem Achtung gebührt.

Wird dieser Vorfall auch in Thailand wahrgenommen?

Viele Mails und Briefe aus Thailand und der ganzen Welt zeigen, dass er überall sehr aufmerksam verfolgt wird. München tut sich keinen Gefallen damit. Die Tendenz zahlreicher Reaktionen ist: Eine Stadt, in der die religiöse Toleranz mit Füßen getreten wird, sollte man als Tourist besser nicht besuchen und als Investor meiden.

Wie sähe für Sie die beste Lösung aus?

Es gibt in den Augen der Thais – und auch nach meiner Ansicht – nur eine richtige Reaktion: Die Statue muss auf einem Sockel stehen, buddhistische Mönche sollten mit Gebeten und Segnungen die negativen Energien, die durch diesen traurigen Akt entstanden sind, eliminieren, und es wäre schön, wenn sich die Stadt bei allen Buddhisten für diese Entgleisung entschuldigt.

 

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