Diplom-Ingenieur vor Gericht Mit Cowboystiefel gegen Falschparker

Der Angeklagete Ingenieur Gero H. (50) vor Gericht. Foto: Torsten Huber

Einem Diplom-Ingenieur aus dem Lehel drohen bis zu vier Jahre Haft. Er war ausgerastet, weil ein Mann sein Auto auf einem Anliegerparkplatz geparkt hatte.

 

München – Der Streit um einen Parkplatz im Lehel endet jetzt vor einem Münchner Schöffengericht: Diplom-Ingenieur Gero H. (50) spielt den Hilfs-Sheriff in seiner Kanalstraße und stiefelt mit seinen Cowboystiefeln den Falschparker Denis A. (27) krankenhausreif, weil der Techniker verbotswidrig sein Auto auf einen Platz für Anwohner abstellt. Der Ingenieur gibt offen zu: „Ich habe ihn geschlagen. Zweimal mit der Faust. Getreten habe ich auch. Das waren aber keine Cowboystiefel, sonder weiche Biker-Boots.“

Es ist der 1. September 2012, gegen 16.30 Uhr: Denis A. will mit seiner Frau zum Isarinseltfest. Im Lehel findet er eine freie Lücke. Obwohl hier nur Anwohner parken dürfen, riskiert er einen Strafzettel. Zur gleichen Zeit will Gero H. mit seiner Tochter (9) ins Kino. Vorher sorgt er aber noch für Ordnung. Er schreit Denis A. an: „Das ist hier ein Anliegerparkplatz.“ Und geht er ganz dicht auf ihn zu und brüllt weiter: „Ich bin ein Killer. Ich töte dich!“

Denis A. will ihn nach seiner Einlassung vor Gericht mit beiden Händen von sich weggeschoben haben. Das soll Gero H. noch mehr in Rage gebracht haben. Laut Anklage soll er bei den Faustschlägen einen Gegenstand in der Hand gehabt haben. Als Denis A. am Boden liegt habe er noch ein paar Mal zugetreten.

Bei der Prügelei zieht sich Denis A. eine Orbitalbodenfraktur unter dem linken Auge zu. Das Opfer sagt: „Ich war fast blind, musste operiert werden. Ich spüre es heute noch.“ Zeugen bestätigen die Anklage. Sven C. (45) sitzt im einem Lokal und hört Schreie: „Ich bin raus. Da standen Leute. Sie sagten, der Angeklagte hat geschlagen. Das Opfer saß am Boden, hielt sich die Hand vors Gesicht.“ Die Tochter des Angeklagten habe einen verwirrten Eindruck gemacht. Der Zeuge weiter: „Der Angeklagte tigerte am Gehweg rum, sagte: ,Ich habe ihn gewarnt, dass was passiert.“

Plötzlich taucht der Stiefsohn (18) des Angeklagten auf. Sven C. weiter: „Zu dem Jungen hat der Angeklagte gesagt, er sei angegriffen worden. Das war so wie damals am Hauptbahnhof.“ Bei der Prügelei ist Gero H. wegen Notwehr damals freigesprochen worden. Gegen den Stiefsohn läuft in dem neuen Fall ein Verfahren wegen Falschaussage. Er habe behauptet, das Opfer habe den Angeklagten am Hals gepackt. Gero H. drohen jetzt bis zu vier Jahre Haft.

 

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