Die Zukunft des TSV 1860 Ab jetzt gilt bei den Löwen: Einstellen!

Mit der Beurlaubung von Friedhelm Funkel sind die Löwen ihrem Ruf als Rauswurf-Klub wieder mal gerecht geworden. Dabei wollen sie doch Kontinuität. Jetzt müssen die Schaltstellen besser besetzt werden.

 

München - Schnell wollte Gerhard Mayrhofer handeln, sollten sich Probleme auftun. In Friedhelm Funkels Fall heißt das: Fünf Tage nach der Ankündigung, nach Saisonende getrennte Wege zu gehen, ist er schon nur noch Geschichte an der Grünwalder Straße. Um 9.57 Uhr trat der nach dem schlimmen 0:3 gegen den KSC geschasste Trainer aus der Geschäftsstelle, schüttelte am Gitter vor dem Traininingsgelände ein paar Hände, ging zum Parkplatz, stieg ins Auto und brauste ohne weiteren Kommentar davon.

Er hinterlässt einen Klub ohne Sportchef und Cheftrainer und eine verunsicherte Mannschaft. Er verlässt einen Verein, der mehr denn je auf der Suche nach einem Sportchef, Cheftrainer und einer Identität ist, die sich nicht nur über Scherbenhaufen aufkehren und Entlassungen definiert. Denn es ist ja so: Nach Kontinuität sehnen sich bei 1860 alle, auch und allen voran: Mayrhofer. Und doch stehen auf seiner Entlassungsliste seit seiner Wahl am 14. Juli 2013 eben schon: Robert Schäfer, Alexander Schmidt, Florian Hinterberger, Friedhelm Funkel. Sie alle sind weg und sie müssen, wenn auch Hinterberger und Funkel nur bis Saisonende, weiterbezahlt werden.

Doch das ist alles ist nicht mehr Funkels Problem.

Vor seinem Abgang besprach der Trainer am Montag sich ein letztes Mal mit Geschäftsführer Markus Rejek. „Wir haben die Situation sachlich besprochen. Wir hatten unterschiedliche Auffassungen, aber wir sind im Guten auseinander gegangen, haben uns ehrlich alles Gute für die Zukunft gewünscht“, beschrieb Rejek der AZ das Treffen. Anschließend verabschiedete sich der Ex noch von den Mitarbeitern der Geschäftsstelle. Auf dem Flur lief er noch Mayrhofer über dem Weg und schüttelte auch ihm die Hand, ehe er 15 Minuten lang mit der Mannschaft sprach. „Er hat gesagt, dass er sehr viel Spaß mit uns hatte, dass er uns viel Glück wünscht und dass er sich weiterhin jedes Spiel von uns anschauen wird“, erzählte Kapitän Guillermo Vallori.

Wie es jetzt weitergehen könnte bei den Löwen, worauf es jetzt ankommt:

Die Mannschaft: Auch Rejek und Mayrhofer sprachen am Montag zu den Spielern. Denen geben die beiden letzten verbliebenen Verantwortlichen die Hauptschuld an der missratenen Spielzeit, die im Sommer als Jagdsaison proklamiert worden war und zwei Trainern den Job gekostet hat. „Wir haben Verständnis dafür, dass die Mannschaft sich im Umbruch befindet. In so einer Phase müssen wir auch mit Niederlagen umgehen. Aber die Art und Weise, wie die Mannschaft sich am Sonntag präsentiert hat, hat uns zum Handeln gezwungen“, sagte Rejek. Das heißt wohl auch, dass die Blutauffrischung im Sommer radikal ausfallen soll.

Die Spieler bedauerten Funkels Abgang. Yuya Osako etwa, auch schon seit vier Spielen ohne Torerfolg, sagte: „Dass der Trainer jetzt nicht mehr da ist, finde ich traurig. Das ist für alle Betroffenen keine gute Situation.“ Am Sonntag hatte Osako nach dem Spiel sein Trikot weggeworfen. „Das war ein Teufelskreis. Ich war frustriert, weil ich mal wieder nicht so am Spiel teilhaben konnte.“ Wie lange er, einer der wenigen mit uneingeschränkter Bundesliga-Tauglichkeit, noch beim Löwen ist? „Das entscheide ich nach der Saison."

Trainer: Bis Saisonende übernimmt Markus von Ahlen, Funkels bisheriger Assistent. Der steht nun aber auch fünf Spiele unter Beobachtung. „Was danach ist, werden wir sehen und gemeinsam mit dem neuen Geschäftsführer Sport entscheiden. Natürlich kann auch Markus von Ahlen eine Option für die Zukunft sein“, sagte Rejek. Rein vom Job-Profil her - die Löwen suchen einen jüngeren sogenannten Konzept-Trainer, würde der 43-Jährige passen. Wahrscheinlicher aber ist, dass ein Neuer geholt wird. Einer wie die zu habenden Holger Stanislawski oder Michael Wiesinger - oder der vielleicht bald zu habende Hannover-Coach Tayfun Korkut.

Der Sportchef: Für Rejek die wichtigste Personalie. Mittlerweile sollen sich Präsidium, Investor, Rejek und Verwaltungsrat auf einen Kandidaten geeinigt haben, Anfang nächster Woche soll der Neue vorgestellt werden. Dann hätten auch die Spieler wieder einen Ansprechpartner. „Es gibt keinen Grund für uns, nervös zu werden. Wir sind auf einem guten Weg“, sagte der Geschäftsführer. „Die mangelnde Kontinuität war in den letzten Jahren ein zentrales Problem“, sagte Rejek, der seit Februar auch schon Sportchef und Trainer verschlissen hat. Erkannt hatten die Problematik freilich auch schon seine Vorgänger. Doch Rejek scheint zu wissen, dass 1860 jetzt wirklich nur noch einen Schuss gut haben könnte: „Wir nehmen uns Zeit für die Suche nach dem neuen Sport-Geschäftsführer. Wir wollen nichts aus einem Bauchgefühl heraus entscheiden. Es geht darum, für uns den richtigen Mann für die kommenden Jahre zu finden.“

 

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