Die Teilzeit-Falle Neue DIW-Studie: Frauen sind beim Lohn oft stark benachteiligt

Besonders Mütter arbeiten gern Teilzeit - damit mehr Zeit für die Familie bleibt. In München sind 70 Prozent solcher Stellen mit Frauen besetzt. Foto: imago

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung liefert neue Erkenntnisse, wie stark vor allem Frauen beim Gehalt benachteiligt sind. Zahlen gibt es auch für München.

 

München - Immer mehr Frauen in Deutschland können zwar von ihrem eigenen Einkommen leben. Trotzdem müssen sie in vielen Branchen nach wie vor mit niedrigeren Gehältern rechnen - im bundesweiten Schnitt um 21 Prozent. Was die Ursachen dafür sind, klärt eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die anlässlich des heutigen Internationalen Frauentags veröffentlicht worden ist.

Immerhin: Rund 72 Prozent aller 25- bis 54-Jährigen bestritten nach den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen des Statistikamtes im Jahr 2017 ihren Lebensunterhalt selbst. Zum Vergleich: Zehn Jahre zuvor lag der Anteil bei nur rund 65 Prozent.

Besonders groß ist der Unterschied in der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen: 2017 konnten immerhin schon rund 57 Prozent in dieser Altersgruppe vom eigenen Einkommen leben. Zehn Jahre zuvor lag die Zahl bei nur 36 Prozent.

Typische Frauenberufe in der Arzthilfe und der Altenpflege

Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen, der sogenannte Gender Pay Gap (GPG), variiert dabei stark je nach Branche. Vor allem dort, wo ungefähr gleich viele Männer und Frauen arbeiten (sogenannte Mischberufe) und zudem großer Wert auf längere Arbeitszeiten gelegt wird, sind die Unterschiede besonders groß, so das Ergebnis der DIW-Forscherin Aline Zucco.

Typische Beispiele dafür seien Berufe wie Unternehmensberatung oder Controlling. Dort bekämen diejenigen, die in Vollzeit arbeiten und auch bereit sind, viele Überstunden zu machen, nicht nur monatlich, sondern auch auf die Stunde gerechnet mehr Lohn als beispielsweise Teilzeitbeschäftigte. "Die Lohnlücke ist in den Berufen besonders hoch, wo lange Arbeitszeiten einen hohen Stellenwert haben", so Zucco.

Teilzeitarbeit trifft vor allem Frauen

Da aber Teilzeitarbeit in Deutschland ein größtenteils weibliches Phänomen ist (48 Prozent der abhängig beschäftigten Frauen und elf Prozent der Männer arbeiten Teilzeit), ist gerade hier der Gender Pay Gap überdurchschnittlich groß: In den klassischen Mischberufen wie der Unternehmensorganisation oder dem Rechnungswesen, Controlling und der Revision liegt der Gender Pay Gap bei rund 35 Prozent. Für Christin Stampehl von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten eine "Diskriminierung per Lohnzettel": "Es kann nicht sein, dass Frauen bei der Bezahlung systematisch den Kürzeren ziehen", so Stampehl. Denn es seien immer noch vor allem Frauen, die sich nach einem Arbeitstag um Familie und Haushalt kümmern - und daher oft gezwungen seien, weniger zu arbeiten. In München beispielsweise seien aktuell 70 Prozent der Teilzeitstellen von Frauen besetzt. "Gerade im Gastgewerbe und im Bäckerhandwerk ist es gang und gäbe, dass Frauen nur eine halbe Stelle haben – oder noch weniger", sagt die Gewerkschafterin.

In typischen Frauenberufen wie in der Arzthilfe oder der Altenpflege ist der Gehaltsunterschied zwar ebenfalls vorhanden, hier verdienen Männer zehn beziehungsweise drei Prozent mehr. Die Anzahl der gearbeiteten Stunden tangiert hier aber, im Gegensatz zu den Mischberufen, den Stundenlohn nicht.

Der Grund: In Gesundheitsberufen beispielsweise, wo Schichtarbeit und die Dokumentation von Arbeitsschritten (Patientenakten) die Norm sind, sind die Beschäftigten leicht austauschbar – und verursachen so durch kürzere Arbeitszeiten keine höheren Kosten für Arbeitgeber.

Technische Berufe vor allem von Männern besetzt

In den klassischen Männerberufen hingegen, wie der Fahrzeug-, Luft-, Raumfahrt- und Schiffbautechnik - hier liegt der Frauenanteil bei nur drei Prozent - verhält es sich genau umgekehrt zu den Mischberufen: Hier verdienen Frauen im Schnitt sogar sieben Prozent mehr als ihre männlichen Kollegen.

Die großen Gender Pay Gaps treten laut Studie besonders im Verkauf von Bekleidung, Elektronik, Autos und Hartwaren (Mischberuf), Verkauf von Lebensmitteln (Frauenberuf) und bei der Metallbearbeitung (Männerberuf) auf. Hier liegen die Lohnlücken bei 27, 24 und 23 Prozent.

Die kleinsten Gehaltsunterschiede sind in Berufen zu finden, die vorwiegend in öffentlichen Unternehmen oder Einrichtungen ausgeübt werden - wie etwa bei der Polizei, bei Lehrern oder Erziehern. Dies liegt unter anderem an den Tarifverträgen im öffentlichen Dienst, die allen Beschäftigten - bei gleicher Qualifikation - den gleichen Lohn zusichern.

"Will man die Gender Pay Gaps reduzieren, sind eine Reihe von Maßnahmen denkbar", sagt DIW-Forscherin Zucco. Zum Beispiel die Förderung des sogenannten Top-Sharings, bei dem mehrere Führungskräfte sich eine Position teilen. "Vor allem aber muss man sich, als Chef und als Angestellte, von der Vorstellung befreien, dass nur jene, die viel und lange arbeiten, gute Arbeit leisten."

22 Prozent Gehaltsunterschied in München

Und so sieht die Lage in der bayerischen Landeshauptstadt aus: In München verdienen Frauen, die Vollzeit arbeiten, 22 Prozent weniger als Männer. So kommen Männer mit einer Vollzeitstelle auf ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von 4.662 Euro im Monat, Frauen hingegen nur auf 3.638 Euro. Das teilte am Donnerstag die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit, unter Berufung auf die Statistik der Arbeitsagentur.

In Bayern beträgt der Unterschied bei Vollzeit zwischen den Geschlechtern im Schnitt 17 Prozent (Männer: 3.556 Euro, Frauen: 2.968). Dies liege teils an niedrigeren Positionen, die Frauen oft hätten, insbesondere aber auch an der mangelnden Zahlungsbereitschaft der Unternehmen, so die NGG.

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