Die sechste Staffel "Game of Thrones" AZ-Kritik zu Folge 5: Steht eine Armee vor der Höhlentür

Brienne of Tarth (r.) findet Wildling Tormund (l.) merkwürdig. Foto: HBO

Die White Walker melden sich zurück. Ein Mädchen muss sich wieder beweisen. Und wir nehmen Abschied. Die Nachtkritik zur fünften Folge der neuen, sechsten Staffel.

 

Vorsicht, Spoiler: Dieser Text enthält kaum bis gar nicht verschleierte Hinweise auf den Inhalt der aktuellen Folge von "Game of Thrones". Wenn Sie "Das Tor" noch nicht gesehen haben und nichts verraten bekommen möchten, sollten Sie den Artikel später lesen.

Die sechste GoT-Staffel wird parallel zur US-Ausstrahlung immer in der Nacht auf Montag in Deutschland auf Sky On Demand, Sky Go und Sky Online veröffentlicht. Wahlweise stehen das englische Original und die deutsche Synchronisation zur Verfügung. Im Fernsehen laufen die Folge der neuen Staffel immer montags um 21 Uhr auf Sky Atlantic.


Was ist passiert?

Ohne einen großen Knall schickt „Game of Thrones“ seine Zuschauer in dieser Staffel bei keiner einzigen Folge ins Bett – diesmal ist es eine Offenbarung, wie viel Einfluss Bran Stark (Isaac Hempstead Wright) auf das Weltgeschehen hat, seit er von der Dreiäugigen Krähe (Max von Sydow) zwischen den Wurzeln eines Wehrholzbaums darin trainiert wurde, in der Vergangenheit herumzureisen.

Dabei sah er unter anderem schon seinen Vater Ned als jungen Burschen, wie er versuchte, seine Schwester zu retten – und als er nach ihm rief, blieb der auch kurz stehen und drehte sich um. Zufall? Vielleicht, aber jetzt gibt es Gewissheit: Nachdem Bran in einem Zeitwandertraum vom Anführer der White Walker, dem Nachtkönig, nicht nur direkt angesehen sondern auch berührt wurde, ist die Toten-Armee unterwegs zu ihm.

Leider schauen er und die Krähe sich gerade in einer vergangenen Zeit um, als die Armee vor der Höhlentür steht: Sie besuchen wieder den jungen Ned Stark auf Burg Winterfell, wo sich auch der kleine und damals noch halbwegs eloquente Stalljunge Hodor (noch auf den Namen Wilys hörend) herumtreibt. Während sie so flanieren, bricht in der Höhle unter dem Baum die Hölle los: Die White Walker und ihre Zombies metzeln sich durch die Gänge, Brans Begleiter Hodor und die junge Meera versuchen, mit dem bewusstlosen Bran zu entkommen. Sie ruft ihn zu Hilfe, er soll zurückkommen und Besitz ergreifen von Hodor, wie er es schon einmal getan hat, um sie zu verteidigen.

Er hört sie in seinem Traum und schafft es, Hodor zu kontrollieren, der sie freikämpft und zu einer Tür ins Freie führt. „Hold the door“, ruft Meera ihm zu, während sie Bran durch den Schneesturm davonschleppt – „Halte die Tür!“ Der grauhaarige Hodor hält die Tür zu, auch wenn die Toten an ihm reißen und kratzen und es klar ist, dass sie nicht mehr lange halten wird. Der junge Wilys derweil bekommt eine Art epileptischen Anfall. „Hold the door“, schreit und murmelt er immer wieder, bis aus Meeras Worten nur noch eins wird: Hodor.

Währenddessen wird Arya (Maisie Williams) – zum zigsten Mal – darauf getestet, ob sie nun wirklich ihre Vergangenheit ablegen und dem Haus von Schwarz und Weiß dienen kann. Diesmal soll sie eine Schauspielerin aus einem Ensemble umbringen, das gerade ein Stück zeugt über: den Niedergang der Familie Stark. Sie macht – zum zigsten Mal – den Fehler, Fragen zu stellen. Der Ausgang ist noch offen, aber solange sie ihr Schwert Needle, das ihr Bruder Jon Snow (Kit Harington) ihr geschenkt hat, noch versteckt im Hafen von Braavos liegt statt auf dem Meeresgrund, macht sich da wohl niemand Illusionen.

Ihrer Schwester Sansa (Sophie Turnier) schauen wir derweil beim Erwachsenwerden zu: Petyr Baelish (Aidan Gillen) steht in einer schäbigen Hütte – geheimer Treffpunkt – vor ihr und entschuldigt sich. Er hätte nicht gewusst, was für ein Mensch Ramsay Bolton ist, als er ihre Hochzeit mit ihm anbahnte.

„Wenn du es nicht wusstest, bist du ein Idiot“, sagt sie kalt, „und wenn du es wusstest, bist du mein Feind.“ Eine Einsicht, mit der man im „Game of Thrones“-Universum grundsätzlich nicht schlecht bedient ist.

Wer ist in dieser Folge gestorben?

Auch wenn man es nicht gesehen hat: Hodor, davon ist auszugehen. Und wer da nicht weinte, dem ist emotional nicht mehr zu helfen.

Wem hätten wir eher den Tod gewünscht?

Euron Greyjoy (Pilou Asbæk), der auftaucht, als Yara und Theon Greyjoy die Ironborn gerade fast überzeugt haben, dass Yara sie als erste Frau anführen soll. Ihr Onkel Euron ist dann aber doch eindrücklicher (vor allem mit seiner Ansage, Daenerys Targaryen heiraten zu wollen) und die Geschwister müssen fliehen vor dem Mann, der ihren Vater umgebracht hat. Euron wird gekrönt – und das läuft genauso liebevoll ab, wie alles auf den Iron Islands: Er wird so lange unter Wasser gedrückt, bis der Zeremonienmeister mit seinem Sprüchlein fertig ist. Und er sich nicht mehr bewegt. Was für eine Pointe wäre das gewesen, hätte das Ritual ihn umgebracht! Aber nein: Am Ende spuckt er doch Wasser. Schaut sich um, sucht Neffe und Nichte. Und sagt: „Bringen wir sie um.“

Unterm Strich: Mehr Haut oder mehr Blut?

Ein paar mitteldezente Brüste auf der Theaterbühne in Braavos, blutige Katzer, als Hodor die Untoten zurückhält – „Die Tür“ bleibt dezent.

Die Poesie der Folge?

Die Weiterführung einer Geschichte, die nach den Gesetzen einer 90-minütigen romantischen Komödie mit Katherine Heigl in der Hauptrolle mit der großen Liebe enden müsste: Wildling Tormund war in der vergangenen Woche schon über die Maßen beeindruckt, als die eher grobschlächtige Brienne of Tarth in voller Rüstung in Castle Black einritt, jetzt erklärt Brienne Sansa auch noch, wie merkwürdig sie den bärtigen Typen findet. Und ein bisschen mehr bizarre Liebe können die geschundenen Herzen der Serienfans nun wirklich vertragen!

Der beste Spruch?

Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) hat nach ihrer kleinen Zündelei in der vergangenen Woche nun wieder Klamotten an und die Armee der Dothraki hinter sich – aber muss sich jetzt erstmal um Jorah Mormont (Iain Glen) kümmern. Den hatte sie ja eigentlich schon zweimal verbannt, aber der arme, geschundene, verliebte Mann kommt immer wieder, um ihr zu dienen. Und zeigt ihr diesmal seinen von Greyscale befallenen Arm. Heilung? Weiß er nicht. Zeit, bis er sterben muss? Auch unbekannt.

Also auf Dany-Art: „Ich befehle dir, ein Heilmittel zu finden. Wo immer auf dieser Welt es ist. Ich befehle dir, dich zu heilen und dann zu mir zurückzukehren. Wenn ich die Sieben Königreiche einnehme, brauche ich dich an meiner Seite.“

Wer ist dem Iron Throne aktuell am nächsten?

Neuigkeiten aus King’s Landing gibt es nicht, die Lage ist also unverändert – aber es braut sich was zusammen im Norden, wo Jon Snow und Sansa die Wildlinge und die Häuser zusammenrufen wollen, die noch loyal zur Familie Stark stehen.

Hier geht’s zur Kritik der ersten Folge

Hier geht’s zur Kritik der zweiten Folge

 

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