Die Samstags-Ziellinie FC Bayern: Wie wichtig der BVB-Kracher für Hansi Flick ist

Interimstrainer des FC Bayern: Hansi Flick Foto: Matthias Balk/dpa

Das Spiel des FC Bayern gegen Borussia Dortmund ist auch das Duell von Hansi Flick gegen Lucien Favre. Doch wie geht es für den Münchner Bis-Auf-Weiteres-Coach weiter? Kahn fordert einen "Trainer, der eine Ära prägen kann".

 

München - Einen Hund? Wie einst Jupp Heynckes? Hansi Flick lacht. "Ja, wir haben einen Labrador", antwortet er, "ist schon der zweite in der Familie." Uli Hoeneß hat auch einen Labrador. Ben, einen Mischling. Und da ist Lola, ein Ratonero-Mischling, den Karl-Heinz Rummenigges Ehefrau Martina und Tochter Charlotte auf Mallorca retteten und mit nach Grünwald nahmen.

Es gibt schlechtere Voraussetzungen für einen Trainer des FC Bayern, seinen Job womöglich doch länger als für zwei Spiele behalten zu können. Olympiakos Piräus ist abgehakt, wurde in der Champions League unspektakulär, aber zielorientiert mit zwei zu Null (!) besiegt. Auftrag eins erfüllt: Sicherheit und Stabilität gewinnen, die Defensive stärken. Nun kommt der deutsche Clásico, das immer emotionsgeladene Duell mit Borussia Dortmund.

Flick: "Die Zukunft beginnt nach Samstag"

Bis-auf-weiteres-Trainer Flick soll mit einem Erfolg für Ruhe im Verein sorgen – und könnte sich in eine spannende Ausgangssituation bringen. Nach den Absagen von Ralf Rangnick (an Bayern) und Arsène Wenger (von Bayern) könnte Flick plötzlich ein längerfristiges Engagement bevorstehen. "Die Zukunft beginnt nach dem Samstag", sagte Flick am Freitag: "Das Spiel gegen Dortmund ist die Ziellinie. Da wollen wir mit einem Sieg durchgehen."

Möchte er dann wie seit Juli unter dem am Sonntag geschassten Niko Kovac zurück ins zweite Glied? Er legt sich nicht fest, wäre ja auch unklug. Aus Vereinskreisen hört man, dass ein Erfolg gegen den BVB keine Garantie auf ein "Weiter so, Hansi!" sei, aber durchaus aus der kurzfristigen eine mittelfristige Lösung werden könnte. Erstmal bis zur Winterpause, womöglich bis Saisonende – je nach Verfügbarkeit von Thomas Tuchel (bei Paris St.Germain unter Vertrag) oder Eric ten Hag (bei Ajax Amsterdam in Lohn und Brot). Ex-Bayern-Kapitän Mark van Bommel (42), aktuell Coach bei PSV Eindhoven, könnte – gemeinsam mit Flick – auch eine Variante für die Rückrunde sein.

Bei der Trainersuche müsse man "wegkommen von großen Namen", empfahl der designierte Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn in der "Kahnalyse" von "Samsung". Schließlich sei die entscheidende Frage: "Was ist der Fußball, für den Bayern stehen möchte? Und was ist ein Trainer, der dazu optimal passt?"

Der 50-Jährige, ab 1. Januar zunächst Vorstandsmitglied bei Bayern, dachte öffentlich laut darüber nach, "einen Trainer zu bekommen, der möglicherweise wieder eine Ära prägen kann. Und ich glaube, das ist etwas, was man jetzt nicht so einfach aus der Hüfte schießen kann. Das ist etwas, was man sich jetzt gut überlegen muss."

Die Situation um Favre wurde zuletzt ruhiger

Also koan Schnellschuss. Hier Flick (54), der das Gassigehen als Chef "hier und jetzt genießt", dort Lucien Favre, der Taktiker, der Zauderer. 62 Jahre, gebürtiger Schweizer, seit Juli 2018 beim BVB, kein Hund, da "keine Zeit und zu viel unterwegs".

Dafür hat er wieder mehr Spielglück und Rückhalt im Verein sowie bei den Fans nach dem 3:2 unter der Woche in der Königsklasse gegen Inter Mailand. An Favre, dem (zu) ruhigen Fachmann scheiden sich am Emotionsstandort Klopp’scher Prägung die Geister. Er ist kein Vulkan, kein Rhetoriker, überzeugt seine Spieler mit Knowhow und Analyse. Ein Typ Ottmar Hitzfeld.

Während Kovac die Herbst-Krise nicht überstand, kam Favre trotz mehrerer verschenkter Führungen und zu vielen Unentschieden durch. Das Spiel bei Bayern ist immer eine Weggabelung, ein 0:5 wie im April sollte der BVB nicht wieder schlucken müssen.

"Die Jungs in München raufen sich zusammen, da ist es egal, wer Trainer ist", meinte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc. Ebenso egal wie die Frage, ob der Flick nun der Hans mit oder ohne "i" sei. "Aus Hansi kann auch Hans werden", sagte sein ehemaliger Mitspieler Lothar Matthäus und zielte auf energischere Töne des gebürtigen Heidelbergers ab. "Blödsinn", wehrte Flick ab, "Hansi ist voll okay, bin da vollkommen entspannt. Meine beiden Großväter heißen Hans, mein Vater auch und dann hatte er die Super-Idee, mich Hans-Dieter mit Bindestrich zu nennen."

So a Hund!

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