Die "optische" Mutter des Pumuckl Die vielen Facetten der Barbara von Johnson

"Lebensfreude ist die Triebfeder meines Schaffens", erklärt die Künstlerin ihre Motivation. Foto: Barbara von Johnson / AZ

Mit 21 Jahren entsprang Barbara von Johnsons Feder ein frecher Kobold mit feuerroten Haaren. Doch darauf reduziert werden will sie nicht, schließlich hat die Künstlerin in Ihrem Leben so viel mehr gemacht. Die AZ traf die "optische Mutter des Pumuckl" zum Interview.

 

Jeder kennt Barbara von Johnson als "optische" Mutter von Ellis Kauts Pumuckl. Darüber hinaus wirkt sie seit Jahrzehnten als Künstlerin mit vielen weiteren Facetten.

AZ: Was ist Ihr Jungbrunnen?
BARBARA VON JOHNSON: In beiden Bereichen, sowohl mit Pumuckl als auch in meiner freien Kunst, begegne ich immer wieder interessanten Situationen und Menschen, das bereitet mir große Freude. Überhaupt empfinde ich, trotz einer überstandenen Krebserkrankung und einiger anderer Tiefschläge, eine enorme Lebensfreude. Es ist die Freude am Schaffen, das Staunen und die Dankbarkeit für alles, was mir das Schicksal vor die Füße kullert, und letztendlich mein Humor, der mich jung hält. Darum ist mein Hauptvermächtnis an Jung und Alt: Mach’, was dir Freude bereitet, sei’ kreativ, lass’ dich beeindrucken von all dem Hin und Her und Drunter und Drüber und bleib’ gleichzeitig deiner innersten Wahrheit treu, mittendrin im Wirbelsturm.

Ihre Lebensfreude ist die Triebfeder Ihres Schaffens?
Ja! Und so ein inneres Muss! Ich liebe es, Herausforderungen kreativ zu bewältigen. In Zeiten, in denen ich eigentlich seelisch und körperlich völlig erschöpft bin, werde ich künstlerisch besonders schöpferisch. Meine besten Werke verdanke ich meinen dramatischsten Lebenssituationen. Zum Beispiel war ich "dauermelancholisch", als ich mit 17 Jahren bei Oskar Kokoschka zum Malen ging, mit 21 den Wettbewerb zur Gestaltung des Pumuckl gewann und mit 24 nach Südafrika auswanderte. Völlig verrückt, aus einem geborgenen Dreimäderlhaus heraus bis zu den Antipoden zu ziehen. Ich habe dann in Johannesburg in einem Grafikstudio gearbeitet, großartige und gefährliche Situationen erlebt, mich in einen Flying Doctor verliebt und alle Höhen und Tiefen zeichnerisch festgehalten.

Weshalb sind Sie dann wieder nach Europa zurückgekehrt?
Nach zwei Jahren hatte ich als Naturkind keine Lust, wie andere deutsche Frauen in Südafrika perfekt geschminkt herumzulaufen und nicht Fahrrad fahren zu dürfen, weil sich das nicht schicken würde, wie man mir sagte. Zuhause erwarteten mich dann wieder meine Familie und Freunde, unser Hexenhäuschen im Wald und der von-Johnson-Keller in Schwabing, in dem mehrere Jahre legendäre Faschingsfeste gefeiert wurden, mit Gästen wie dem Sänger Peter Kraus, Wimmelbild-Erfinder Ali Mitgutsch und dem Schauspieler Helmut Fischer. Ich selbst liebte es, verrückt zu tanzen, zu flirten und mich zu verkleiden. Begeistert hockte ich nächtelang im Keller bei Bachmusik und malte skurrile Dekorationen.

Neben der Gestaltung von vielen frechen Einladungen und Wandbemalungen im eigenen Partykeller gestaltete ich Faschings-Dekorationen für das Haus der Kunst und verdiente mein Geld mit Illustrationen von Pumuckl-Büchern und Plattenhüllen, sowie für Kinder- und Schulbücher bei Verlagen wie Ravensburger, Herold, Thienemann, Oldenbourg und Sauerländer. Dann zog es mich auf die Sommerakademie Salzburg zur Bühnenbildklasse von Schneider-Siemssen, wo Herbert von Karajan meinen Bühnenbild-Entwürfen Anerkennung zollte. Ich erkannte, was mir mein Leben lang am meisten Freude machte: "Unsichtbares sichtbar zu machen" – und so wendete ich mich allen Gebieten der Kunst mit Eifer zu. Als Wichtigstes schien es mir erst einmal, die Kunst zu lieben zu erlernen, was für mich die größte Herausforderung darstellte.

Alles andere gelang mir eher spielerisch: Malerei, Materialbilder, Radierungen, Aktzeichnen, Bühnenbild, Schweißen, Papierschöpfen, Aquarelle, viele skurrile Bilderbücher mit unterschiedlichsten Darstellungen und Zeichnungen aus meinem verrückten Leben und nicht zuletzt: eine Sammlung von etwa 10 Metern Fotoalben von meinem Lebensanfang 1942 bis heute. Ab meinem 30 Lebensjahr fühlte ich mich dann reif für das wunderbarste Kunstwerk meiner Schaffensfreude: die Geburt meiner drei Söhne. Als mir klar wurde, wie mich das künstlerische Schaffen heilte, glücklich und frei machte, beschloss ich - im gereiften Alter - ein vierjähriges Kunsttherapie-Studium zu absolvieren, um dankbar meine Erfahrungen weiterzugeben.

Menschen treiben Sie ebenfalls an?
Alle Begegnungen, seien es Menschen, Situationen, ja, sogar Schmerzzustände, sind irgendwie Lebensabschnittsbegleiter und ein "Geschenk", das man nur auspacken muss, um zu erkennen, dass man letztendlich daran wachsen kann. Im Alter nun, ist es für mich die reinste Freude, die erfrischende Beziehung zu meiner inneren Muse zu pflegen, zum Numinosen, zum Unfassbaren. Und wieder ist es mein kreatives Schaffen in Form von Dichten, Zeichnen und Malunterricht zu geben, was mich trotz der unvermeidlichen Probleme des Älterwerdens mit Freude und Enthusiasmus erfüllt.

Was empfanden Sie als größtes Wagnis – und was als größte Herausforderung?
Mein größtes Wagnis war es wohl, harmoniesüchtig wie ich bin, mich auf den Planeten der Gegensätze zu begeben, auf dem es heißt: "entweder – oder" anstatt "und". Glücklicherweise bin ich bereit und auch fähig, Licht und Schatten gleichzeitig als Ganzes zu erkennen, was mich sehr für meine bildlichen und dichterischen Werke inspiriert. Mit Sonne im Fisch und Aszendent Jungfrau liebe ich es, mich zwischen Chaos und Ordnung hin und her zu bewegen, erkennend, dass alles Eins ist, dass es die Mitte ist, die zählt. Meine größte Herausforderung war es, mich selbst lieben zu lernen, obwohl meine Mutter enttäuscht meinte, als ich auf die Welt kam: "Oh! Es ist ja nur ein Mädchen..."

Sie waren mit 17 Jahren bei Oskar Kokoschkas "Schule des Sehens". Was haben Sie dort gelernt, was Sie bis heute begleitet?
Das Sehen, das bewusste Hinschauen habe ich gelernt – und ich habe gelernt anzunehmen, was mir die Situation im Hier und Jetzt anbietet. Alles kann zum Abenteuer werden. Bis dahin fühlte ich mich sicherer mit der grafischen Linie, die den Raum trennt. Beim Aquarell-Malen bei Oskar Kokoschka durfte ich erfahren, wie wohltuend es ist, Farben ineinanderfließen zulassen, sich dem Zufall hinzugeben, ohne einen intellektuellen Anspruch zu erheben. Ich habe in dieser Zeit gelernt, mit einem Kunstwerk solange zu ringen, bis die innere flüchtige Vision durch Ausdauer und Fleiß Wirklichkeit wird – kurz: Der träumerische Teenager wurde ein bisschen erwachsen. Bis heute begleitet mich die Freude, immer wieder Neues zu entdecken und mit meiner Muse Hand in Hand das Leben zu feiern.


Barbara von Johnson stellt der AZ zehn ausgewählte Exponate zur Verfügung:

  • 5 Arbeiten aus dem Bereich freier Kunst sowie
  • 5 Zeichnungen mit Pumuckl-Motiv

Motive, Preise und weitere Infos sehen Sie unter shop.az-muenchen.de
 

 

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