Die Mama sagt Servus! So emotional verabschiedete sich Luise Kinseher nach dem Nockherberg

Die Kabarettistin Luise Kinseher als Mama Bavaria auf dem Nockherberg. Foto: dpa

Nach ihrem überraschenden Servus auf dem diesjährigen Nockherberg gibt sich Luise Kinseher gelöst – und plant ihre Bühnen-Zukunft. Das Kostüm der Mama Bavaria hat noch lange nicht ausgedient...

 

Es ist schon kurz vor Mitternacht im Festsaal auf dem Nockherberg, das große Licht ist bereits angeknipst, die allerletzte Runde ausgeschenkt, nur noch an ganz wenigen Tischen sitzen ein paar Gäste, da brandet noch einmal Applaus auf. Luise Kinseher, die vor zwei Stunden vorne auf der Bühne ihren Abschied erklärt hat, dreht eine letzte Runde durch die Reihen. Hebt den Krug zum Gruß – und lässt sich beklatschen.

Kinseher, im schwarzen Kleid, scheint es zu genießen. Sie lacht viel, zeigt ein breites Grinsen, wirkt sehr gelöst, als wäre eine Last von ihr abgefallen. Die Frau ist offenbar mit sich im Reinen – und sagt das auch so.

"Wenn man eine Entscheidung getroffen hat, die man sich gut überlegt hat, dann passt das auch so", sagt sie der AZ. Ob sie gerührt sei von all den netten Reaktionen hier im Saal, dem Applaus noch Stunden nach ihrem Auftritt? "Nicht alle Reaktionen sind so gemeint, wie sie klingen", sagt sie. Und grinst ihr breites Kinseher-Grinsen.

"Wenn Seehofer abtritt, ist auch für mich Schluss"

Die Frau hat all die Kritik der letzten Jahre nicht vergessen. Zwei Stunden vor der letzten Runde durch den Saal läuft noch das Singspiel. Im Backstage-Bereich schaut Kinseher es auf einem Fernseher. Sie lehnt an einem Gitter und sagt, die Kritik ihr gegenüber sei immer unerbittlich gewesen: "Aber die meisten Politiker können ja nicht so einfach gehen wie ich."

Doch Kinseher tut es wirklich. Sie hört auf – und wirkt an diesem Abend stolz auf das, was sie auf dem Nockherberg geleistet hat: "Mama Bavaria ist feingestrickt und hat keine Haudrauf-Art, die sich viele vielleicht wünschen." Der Nockherberg habe eben seine eigenen Gesetze. "Dort müssen im Vergleich zum Kabarett die Fakten genau stimmen und Emotionen schärfer transportiert werden." 2018 hielten viele für ihre beste Rede. Kinseher verweist darauf, dass die Politiker mehr Stoff geboten hätten als in der Vergangenheit.

Einer der ganz wenigen, die von ihrem Beschluss gewusst haben, ist ihr Co-Autor Thomas Lienenlüke. Kurz nach ihrer Abschiedsankündigung sagt er im Saal zur AZ: "Luise hat schon vor Jahren gesagt: Wenn Seehofer abtritt, ist für mich auch Schluss." Es habe sich schon während der Arbeit an der Rede abgezeichnet, dass es jetzt so weit sei: "Wir sind in einer Zeit des Wandels, des Umbruchs und der politischen Orientierungslosigkeit, von daher war dieser Schritt jetzt passend."

Der Nockherberg war ein Quotenschlager

Die Frage sei gewesen, wie man den Abschied verkündet – in einer Pressekonferenz oder direkt auf der Bühne, "was natürlich viel mehr Pathos entwickelt". Kinseher habe das "großartig gemacht". Lienenlüke sagt noch, er werde sich später mit Kinseher in den Armen liegen "und heulen". Er selbst – einst auch an Marcus H. Rosenmüllers Singspielen beteiligt – kann sich vorstellen, Nockherberg-Autor zu bleiben: "Ich arbeite aber nur mit Kollegen, die ich mag." So wie Luise Kinseher, die an diesem Abend plötzlich alle ganz arg lieb haben.

Im Fernsehen übrigens verfolgen das fast drei Millionen Menschen, davon alleine 1,89 Millionen Bayern. Im Freistaat erreicht das Bayerische Fernsehen damit einen Anteil von 40 Prozent, bundesweit 10 Prozent.

Solch großen Zuspruch wird Kinseher erstmal nicht mehr bekommen. So ganz verabschiedet sie sich von der Mama-Rolle aber nicht. Im Herbst will sie mit ihrem Programm "Mamma Mia Bavaria" auf Tour gehen.

Sie haben den Nockherberg verpasst? Hier können Sie unseren Liveblog nachlesen!

 

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