"Die Leute sehen sie – und drehen wieder um" Geschäftsleute klagen über Baustelle am Thomas-Wimmer-Ring

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Überblick über die Baustelle am Thomas-Wimmer-Ring. Foto: Petra Schramek

Baugerüste, Dreck, Lärm vor dem Laden: Was erleben die Geschäftsinhaber am Thomas-Wimmer-Ring?

 

München - Seit zwei Jahren ist am Thomas-Wimmer-Ring Baustelle. Die Ladenbesitzer auf der gegenüberliegenden Straßenseite stört das wenig. Jene auf der Altstadt-Seite der Straße hingegen klagen.

"Was mich sehr geärgert hat, war, dass die Passage hier so zugemüllt war", sagt Walter Schmidt. Der Kunsthändler zückt sein Handy und zeigt Fotos, die er im vergangenen Jahr vor seiner Türe geschossen hat: Es liegen Pappkartons auf dem Boden, Pommesschachteln und Sardinendosen im Eck. Über den Stangen des Baugerüsts hängen Schlafsäcke von Obdachlosen.

"Neu seit letzter Woche: unsägliche Schmierereien", sagt der 67-Jährige und zeigt Bilder von Graffiti an Wänden und Folien. "Und dann gibt es die Wildpinkler, die sich hier unbeobachtet fühlen." Glücklicherweise hat der Kunstverkäufer wenig Laufkundschaft. "Angenehm ist es nicht", resümiert er, "aber wenigstens hab ich es finanziell nicht zu spüren bekommen."

Beschwerden von Anwohnern wegen Lärm gebe es nicht

Anders ist das bei Fan Yu. Der 56-Jährige betreibt nahe dem Isartor drei Geschäfte mit Schmuck, Haushaltswaren und Kosmetik "made in Germany". Vor allem asiatische Touristen, deren Reisebusse am Thomas-Wimmer-Ring hielten, kauften bei ihm ein. Jetzt kommen sie nicht mehr in die Straße. "Seit der Baustelle ist unser Umsatz um fast 50 Prozent zurückgegangen", sagt Yu. Ob und wo die Busse jemals wieder halten werden, sei ungewiss.

Thomas Kindling leitet ein Reisebüro direkt gegenüber des Baustellengerüsts. "Das Tageslicht ist weg", sagt er, "die Leute sehen: Da ist Baustelle – und drehen wieder um." Ihn persönlich treffe das wenig, weil er wenig Laufkundschaft habe. Doch Kindling nennt fünf Geschäfte, die in der Nachbarschaft schließen mussten. "Ich bin mir sicher, dass das wegen der Baustelle war", sagt der 55-Jährige.

Projektmanager Bernhard Deurer vom Investor Wöhr + Baurer sagt, wegen der Baustelle habe es bisher keine einzige Klage gegeben. "Es ist auch nicht so, dass Anwohner sich täglich beschweren würden." Wöchentlich findet am Infopoint der Baustelle eine Bürgersprechstunde statt.

Um Beschwerden zu vermeiden, hat Wöhr + Bauer für eine halbe Million Euro auf der Westseite der Baustelle eine Lärmschutzwand aufgebaut. Sie ist um die vier Meter hoch und versperrt den Blick auf die Geschäfte. Trotzdem kommt sie gut an: Die Lärmbelastung ist gering. Darin sind sich alle einig.

 

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