Die Landshuter Kabarettistin Sara Brandhuber im Porträt "Mir ist schon einmal die Schranke vom Parkhaus aufs Auto gefallen"

Spricht und singt gern bairisch: Sara Brandhuber. Foto: Tamara Skudies

Sara Brandhuber hat ein neues Programm gemacht - weil die Leute es wollten. Jetzt philosophiert sie weiter über das bayerische Leben

Landshut - "I war des fei ned!" steht auf den Aufklebern, die einem Sara Brandhuber in die Hand drückt. Genauso heißt auch ihr neues Programm - und zwar aus gutem Grund.

Ihr passiert gern mal was; und genau das alles hat sie in diversen Songs verwurstet. Die 30-jährige gebürtige Landshuterin tritt nächstes Jahr im Salzstadel auf. Und warum? Weil sie ein paar Kabarett- und Dialektpreise gewonnen hat; und sich deswegen fast verpflichtet fühlt, weiterzumachen.

"Irgendwann hatte ich auf Facebook eine Nachricht, in der mir jemand vom Heimatministerium einen Dialektpreis verleihen wollte. Ich dachte, da will mich jemand verarschen", erzählt Sara Brandhuber.

Drei Tage später rief derjenige aber an - Brandhuber bekam den Preis wirklich, "auch wenn ich bis heute nicht weiß, woher der meine Telefonnummer hatte".

Markus Söder hielt die Laudatio auf sie - und das weckte den Ehrgeiz in ihr. Sie machte weiter, mit ihren Liedern, die manchmal - aus Ehrfurcht vor dem großen Meister - an Fredl Fesl erinnern.

Brandhuber hat früher immer seine Lieder mitgesungen - und macht neben Fesl-ähnlichen Liedern auch Hip Hop. "Also vielleicht weinen da die echten Hip Hopper, aber ich will mich breit aufstellen musikalisch."

Im Jodeldiplom-Kurs waren alle nur in den Lehrer verliebt

Genau deshalb gibt es bei Brandhuber auf der Homepage wohl auch das Jodeldiplom: Jeder, der will, kann sich dort - Hollareidulie! - die Bescheinigung ausdrucken. Vielleicht ein schönes Geschenk für Weihnachten, denn: "Ich war mal auf einem Jodeldiplom-Kurs und habe da nichts gelernt. Meine Mitstreiterinnen waren nur alle in den Jodellehrer verliebt und da dachte ich mir: Wenn hier so einfach das Jodeldiplom vergeben wird, dann mach ich das jetzt auch!"
Gesagt, getan. Sie jodelt herrlich verkehrt , ihr kleiner Sohn, 2017 im Frühjahr geboren und mittlerweile stolzer Besitzer einer Ukulele, ist bei den Konzerten mittlerweile dabei; schließlich erfuhr sie zwei Wochen vor seiner Geburt vom Dialektpreis des Heimatministeriums.

Die Auftritte mit Kind backstage klappen überraschend gut, sagt Brandhuber. Genauso überraschend gut wie ihr Crowdfunding-Projekt, bei dem sie so viele Leute unterstützt haben, dass sie es kaum glauben konnte. 2 614 Euro hat sie damit eingenommen - und damit ein neues Album abgeliefert. Genau die, die das Album gekauft haben, können jetzt hören, in welche Fettnäpfchen sich Brandhuber gern stürzt. Und zwar seit Kindesbeinen an. Ihr Hauptproblem sind mittlerweile Parkschranken und deren Ticketautomaten, an die sie nie richtig hinkommt.

Die Steigerung hat sie aber auch parat: "Mir ist schon mal beim Rausfahren aus einem Landshuter Parkhaus die Parkschranke aufs Dach gefallen. Und dann hatte ich eine Delle im Dach."

Als die Provinz-Disco zumacht, fließen die Tränen

Mit all diesen Fettnäpfchen ist Brandhuber übrigens in einem kleinen Weiler in der Nähe von Münchsdorf aufgewachsen, quasi in der "tiefsten Provinz". Dort, wo man höchstens zu Fuß noch nach Gundihausen gehen konnte, um das Nachtleben zu genießen.

Als die Disco dort abgerissen wurde, war das auch für Brandhuber schlimm. Weil ein Stück Heimat, ein Stück heile Welt, gestorben ist; und weil viele Erinnerungen dran hingen. "Ich kenne mindestens drei Leute, die da geweint haben", erinnert sie sich.

Sie kämpft dafür, dass es mehr Auftritte für junge Kabarettisten gibt, denn: Es gibt wieder mehr junge Leute, die junges bairisches Kabarett interessiert. Und wo wir gerade beim Thema sind: Kann man das Bairische eigentlich bewahren? "Puh", meint Brandhuber. Ihr Sohn spricht zwar bairisch, aber sie plädiert dafür, ihr Kind quasi "zweisprachig", auch mit Hochdeutsch, aufwachsen zu lassen. Weil es ihr Sohn dann später eventuell im Beruf auch leichter hat. "Aber beides sollte man eben können", sagt sie. Und verspricht, in ihrem Programm durchgehend auf Bairisch zu singen. "Weil ich tu' mich schwer im Hochdeutschen. Das geb ich ganz offen zu."

Sara Brandhuber spielt im Salzstadel am 23. Februar. Einlass ist um 19 Uhr, Beginn um 20 Uhr. Karten gibt es beim Leserservice der Landshuter Zeitung in der Ländgasse 116.

 

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