Die Gruppe Femen Busen als Botschaft?

Mit dieser Aktion bei Putin und Merkel haben sich die Femen-Aktivistinnen auch in Deutschland einem breitem Publikum bekanntgemacht. Foto: dpa

Mit ihrer Protestform haben die Frauen von Femen sich ziemlich bekannt gemacht - das Echo ist geteilt

 

BERLIN Spätestens mit ihrer Aktion gegen Angela Merkel und Wladimir Putin auf der Hannover-Messe sind die Aktivistinnen von Femen auch in Deutschland einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Aber wer sind diese Frauen, die ihre Demonstrationsform – halbnackt herumschreien – als Marke etabliert haben? Und: Was wollen sie eigentlich?

Gegründet wurde die Gruppe in der Ukraine von Alexandra „Inna“ Schewtschenko. Die 24-Jährige lebt mittlerweile in Berlin und Paris. Femen begann mit Aktionen zur Fußball-EM, hat den Radius nach Westeuropa und Nordafrika ausgeweitet.

Ihre „Sextremismus“-Aktionen sind immer gleich: Frauen mit nackten, bemalten Oberkörpern rennen brüllend auf Prominente zu oder vor wichtigen Gebäuden herum. In der Regel werden sie nach Sekunden überwältigt. „Das ist unser Test, ob Demokratie herrscht: Wenn wir verhaftet werden, stimmt was nicht“, sagt Schewtschenko. Deshalb üben sie in Seminaren, wie man besonders laut schreit und wie man seine Nervosität wegen der blanken Brüste überspielt.

"Nacktheit ist nicht Befreiung"

Und was will die Gruppe? Sie kämpft gegen Prostitution und Patriarchat, für Feminismus und Frauenbefreiung. Nackter Busen soll einmal nicht als lockendes Objekt zu sehen sein, sondern wütend und aggressiv. Natürlich geht es ihnen um den Aufmerksamkeits-Effekt. „In den Medien arbeiten vor allem Männer, die wählen die Bilder von uns aus“, sagt Schewtschenko. „Und junge Frauen wollen heute keine langen Texte mehr lesen.“ Die Hälfte aller User würden sich die Fotos wegen der nackten Brüste anschauen, die anderen wegen der politischen Inhalte, glaubt sie. Altgediente Feministinnen, die die Gruppe ohnehin skeptisch sehen („Mehr Brust als Botschaft“), halten die Schätzung für unrealistisch.

Sensibilität für Befindlichkeiten ist ihnen egal. In Deutschland sind sie mit dem Vergleich angeeckt, die Prostitution hierzulande sei genauso schlimm wie der Holocaust. In arabischen Ländern haben sich Gegenbewegungen wie „Frauen gegen Femen“ und „Muslima Pride“ gegründet. „Nacktheit ist nicht Befreiung“, protestieren die muslimischen Frauenrechtlerinnen: Ziel sei, die männliche Dominanz zu beenden, nicht, seinen Busen herumzuzeigen. Schewtschenko sagt dazu, Sklaven wüssten nie, dass sie Sklaven seien. "Muslima Pride" konterte darauf, man habe die Besserwisserei von weißen Kolonialisten satt.

 

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