Die EAV auf dem Tollwood Eberhartingers große Revue zum Schluss!

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Klaus Eberhartinger beerdigt die Erste Allgemeine Verunsicherung. Foto: Jens Niering

Die EAV spielt auf ihrer Abschiedstournee auf dem Tollwood mit ihrem Best-Of aus Klamauk, Geist und Kabarett

 

Geh, mach ka Theater, I bin’s, der Gevatter“, sagt Thomas Spitzer mit tiefer Stimme. Aber Theater machen der EAV-Gründer und seine Erste Allgemeine Verunsicherung dann doch in der Musikarena – zum vorvorletzten Mal. Die österreichische Kultcombo ist mit ihrem letzten Album „Alles ist erlaubt“ auf Abschiedstournee und spielt gleich drei Konzerte auf dem Tollwood. Im September ist nach 40 Jahren endgültig Schluss mit lustig.

Aus Spaß wird Ernst: gegen den Nazi Bazi! 

Davor darf’s für zweieinhalb Stunden noch einmal spaßig werden, und die EAV liefert, was ihre Fans sehen wollen. Freilich muss zu Konzertbeginn Sänger Klaus Eberhartinger zu „Vorbei“ beerdigt werden. Um anschließend als Bankräuber „Mit einem Wort, die Lage ist fatal. Da hilft nur eins: Ein Banküberfall!“ aufzuerstehen.
Die EAV – Fans wissen das natürlich – ist mehr als dieser knallbunte Austroquatsch, die EAV hat Haltung, einer ziemlich deutlichen Haltung sogar. Die zeigt sich im Gustostückerl „Die Toleranz“, in dem der Herr Franz und der Herr Fliesenleger einen Schinkenhäger trinken und gnädig den Mohren tolerieren, aber nicht akzeptieren. Sie zeigt sich, wenn Eberhartinger vom Bacillus Nationalis spricht, der Europa erfasst hat – kurz: Nazi Bazi.

Natürlich bleibt es nicht aus, dass die Neandertaler mit Keule über die Bühne ulken, kommt die „Fata Morgana“ als Zugabe und ist Eberhartinger als Donald Trump eine platte und beknackte Figur. Als treu ergebener Fan hat man so eine Ahnung, dass Gitarrist, Komponist und Texter Thomas Spitzer all diese albernen Gassenhauer hasst, weil er’s so oft beklagt hat, dass sie als Faschingscombo gesehen werden. Anmerken lässt es sich Spitzer aber nicht.

Nicht jugendfreies Verführungslied

Ich bin so jung, dass ich die EAV nur mit Klaus Eberhartinger kenne, der die Band als singender Nasenbär in die Charts brachte. Die Zeiten als ein vom Feuilleton gefeiertes Rockkabarett habe ich nicht erlebt. Das „Liebe, Tod und Teufel“-Album, auf dem der Tod am Stubenhocker steppt, ist drei Jahre älter als ich.

Ich habe den Obdachlosenkönig gesucht

Der Burli mit seinem Schwammerl am Kopf und seinen zwölf Zechn auf die Fiaß hat mich schon als kleiner Scheißer zum überzeugten Atomkraftgegner gemacht. Während Radiosender das Lied boykottiert haben, lief es bei uns daheim rauf und runter. Nur die unzensierte, schweinische Version von „Küss die Hand, schöne Frau“ durfte ich als Kind nicht hören. Dass ich es doch tat, merkten meine Eltern an Sprüchen wie „Ist Dir nicht heiß, Zuckermaus? Zieh’ doch den Pullover aus!“ Dass ich als Teenie viel Zeit mit Obdachlosen im Park verbrachte und mir ihre Lebensgeschichten angehört habe, ist dem Sandlerkönig Eberhard geschuldet, den ich immer hoffte in einem Obdachlosen zu finden.

Als am Montagabend die ersten Takte vom „Sandlerkönig“ erklingen, ahne ich, dass für viele Fans die EAV mehr als Quatschblödsinn ist, sondern eine ganz große Liebesgeschichte. Und diese Liebesgeschichte endet auf der Bühne mit Gesang, Wehmut und Theater.    

 

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