Die Dackel-Debatte Nach Rauswurf aus dem Dom: Das sagen die AZ-Leser

Eberhard Gruber und seine Hündin Sissi wurden aus der Christmette in der Frauenkirche geworfen. Foto: Bernd Wackerbauer

Am Dienstag berichtete die Abendzeitung über Eberhard Gruber, der bei der Christmette die Frauenkirche verlassen musste, weil er seine Hündin Sissi dabei hatte. Hier schreiben AZ-Leser ihre Meinung zu dem Vorgang.

 

München -  Eberhard Gruber war am Heiligen Abend auf dem Heimweg von der Weihnachtsfeier seiner Chorgruppe. Spontan entschloss er sich, die Christmette im Dom zu besuchen. Dass er seine Hündin "Sissi" dabei hatte, störte den Ordner. Schließlich wurde Gruber von zwei Polizisten abgeführt.

Die Abendzeitung hat die Leser nach ihrer Meinung zu dem Fall befragt. Das Echo war enorm, die Meinungen sind geteilt. Hier eine Auswahl der Zuschriften.

 

Unverschämtheit

Es ist ja wirklich unglaublich. Da weigert sich jemand, das Hausrecht der Kirche zu beachten, und man widmet dem Ganzen einen Artikel über fast eine ganze Seite. Dann ist plötzlich der der Böse, der sein Hausrecht durchsetzen will.

Wenn ich in meinem Haus sage „Hier bitte nicht rauchen“, erwarte ich, dass das von jedem Besucher akzeptiert wird und dass ich nicht begründen muss, warum. Wenn ich in meinem Haus keine Hunde oder Tiere jeder Art will, dann erwarte ich vom Besucher ebenfalls Akzeptanz. Und das Ganze noch mit irgendwelchen Bibelsprüchen zu begründen, um ja nicht zugeben zu müssen, dass man das Hausrecht nicht beachtet und Unrecht hat, ist der Gipfel der Unverschämtheit.

Warum verlässt der Hundebesitzer nicht einfach die Kirche, wenn er dazu aufgefordert wird? Das Ganze wäre dann erledigt gewesen. Dass es Leute gibt, für die ihr Haustier das Wichtigste im Leben ist, ist natürlich traurig. Es gibt einem aber nicht das Recht, das Tier überall mitzunehmen. Ich will auch nicht, dass Hunde im Schwimmbad neben mir planschen, und in der Sauna bin ich auch lieber ohne Tiere. Ob jetzt Ochs, Esel, Pferd oder Hund, spielt da keine Rolle.
Anton Neumeier

Übertrieben

Ich selbst bin katholisch und „fleißiger“ Kirchgänger. Mit den vielen Hunden im Umlauf hab ich’s generell nicht besonders. Dennoch hätte ich zu der Begebenheit sicher geschmunzelt und das Tierchen beim Herrchen einfach übersehen. Polizeiaufgebot? Übertrieben! Allerdings gehören die Regeln beachtet. Der Hundebesitzer hätte mit einer Reaktion rechnen müssen und die Kirche nach Aufforderung des Ordnungshüters verlassen sollen und nicht beleidigt tun.
Siino Eleonora

 

Unchristlich

Der Rausschmiss von Herrchen mit Dackel in der Kirche war in der Tat eine sehr unchristliche Handlung. Der Ordner der Kirche sollte Nachhilfeunterricht in Sache Nächstenliebe nehmen. Ich finde es schade, dass man Hunde nicht mit in die Kirche nehmen darf. Wenn ein Hund brav an der Leine geht und ruhig ist, warum sollte es verboten sein? Ich habe selber zwei Dackel, die ich mit ins Büro nehmen darf, beide sind ruhig, bellen nicht, schlafen unterm Schreibtisch und stören niemanden.
Isabel von Maubeuge

 

Nichts verloren

Selbst wenn Herr Gruber nichts von dem Hundeverbot in der Kirche wusste, so muss ihm doch spätestens nach der ersten Aufforderung des Ordners bewusst gewesen sein, dass sein Hund in der Kirche nicht erwünscht ist und er besser die Kirche verlassen sollte. Der „Polizei-Einsatz“ zeigt aber, dass er sich standhaft dagegen weigerte.

Hundebesitzer sollten sich im Klaren sein, dass es nun mal Orte gibt, an denen ihre Lieblinge nichts verloren haben (wie zum Beispiel in Oktoberfest-Zelten oder eben in Kirchen). Ich möchte beileibe eine weit verbreitete Meinung nicht verallgemeinern, aber an den allerorts sichtbaren Hundehäufchen kann man erkennen, dass es noch viele Hundehalter gibt, die sich über bestehende Vorschriften (nämlich die Hinterlassenschaften umgehend zu entfernen) hinwegsetzen!
Klaus Herbolzheimer

 

Herzen öffnen

Waren es nicht gerade die Tiere (Ochs und Esel), die Jesus und Maria Unterschlupf in ihrem Stall gewährten, nachdem alle Menschen ihnen ein Nachtlager verwehrten? In unserer Kirche kommt manchmal ein wunderschöner Dorfkater hereinspaziert, sieht sich kurz um und geht dann wieder. Wir empfinden diese Besuche als Bereicherung.

Wir müssen uns ganz prinzipiell mit unserer Toleranz auseinandersetzen, wenn Dinge geschehen, die außerhalb des üblichen Schemas liegen. Wir befinden uns mitten in einer weltweiten Völkerwanderung, die mannigfache gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen muss. Öffnen wir unsere Herzen für Mensch und Tier – und das nicht nur an Weihnachten!
Gabriele Gneißl

 

Nicht wundern

Da darf die Kirche sich nicht wundern, wenn immer mehr austreten. Irgendwann steht Herr Marx alleine im Dom. Dann stört ihn nichts mehr.
Uschi Reinhardt

 

Als nächstes Katzen?

Tiere haben in der Kirche nichts verloren. Schön und gut, der Hund war brav bei seinem Herrchen gelegen, aber was passiert, wenn auch andere ihren Hund mitbringen? Oft genug erlebt man es ja auf der Straße, wie Hunde sich anbellen. Machen wir doch weiter: Der Nächste bringt seine Katze mit. Ein toller Spaß in der Kirche. Oder die Meerschweinchen der Kinder, der Schäfer kommt mit seiner Herde ... Sorry, ich habe selber Haustiere, aber sowas muss nicht sein.
Richard Höreth

 

Unverständlich

Meine Tochter im E-Rolli und kleinem Terrier auf dem Schoß wurde schon so unfreundlich von den Aufsehern auch tagsüber ohne Gottesdienst aus dem Dom gewiesen („Sofort raus“), dass sie geweint hat und seit Jahren aus Angst vor den Aufsehern den Dom nicht mehr besuchen will. Unverständliche Vorschriften, da ein Hund am Schoß keinen der Dombesucher außerhalb eines Gottesdienstes im hinteren Teil des Doms stört.
Vera und Micki Grundler

 

Verstand verloren?

Vielen Dank für Ihren objektiven Bericht über diesen Vorfall. Man muss sich schon fragen: Haben die Menschen, die Hunde haben, den gesunden Menschenverstand verloren? Ein Haus oder eine Kirche, bei welchen eindeutig kundgetan wird, dass der Zutritt mit Hunden verboten ist, dann doch zu besuchen, ist eine absolute Unverschämtheit und an Dreistigkeit nicht zu überbieten.

Reicht es nicht, dass man an der Isar und im Englischen Garten trotz Schildern „Hunde an die Leine“ auf freilaufende Hunde trifft, die Enten jagen, auf Menschen zulaufen und dann vom Besitzer nur ein „Der tut doch nichts“ gerufen bekommt, obwohl der so gut erzogene Hund schon einen angesabbert hat, dass einem das Grausen kommt. Nein, man muss auch noch Gläubige in einer Kirche belästigen und dann davon ausgehen, dass man Verständnis haben sollte, weil doch Weihnachtsfrieden ist. Bleiben Sie mit Ihren Zamperln draußen, dann haben wir bestimmt unseren Weihnachtsfrieden!
Fritz Waldherr

 

Theater

Es bestehen gewisse Ähnlichkeiten zwischen Hund und Kirche und Hund und Hotel. Hund in der Kirche: kreischt nicht rum wie Kleinkinder, krabbelt nicht rum und stört Besucher und Pfarrer und wird auch nicht vom Herrchen während der Mette herumgetragen. Hund im Hotel: wischt sich nicht die Schuhe an den Vorhängen ab, säuft sich nicht zu und reihert ins Zimmer und hört nicht zu laut Fernsehen bzw. Radio. Natürlich sollte es sich nicht einbürgern, dass Hunde mit in den Gottesdienst gebracht werden, aber man kann an Weihnachten ja auch mal Fünfe gerade sein lassen. Es ist doch schließlich das Fest der Liebe. So ein Theater wegen nichts.
Anneliese Niekamp

 

Gleiches Recht

Sonderrechte für Herrn Gruber und seinen Dackel? Nein, nein! Gleiches Recht für alle, bitteschön. Soll doch jeder künftig seinen Vierbeiner, ob auf dem Arm oder angeleint, zu Gottesdiensten mitbringen. Wenn dann der Hund ein Bedürfnis verspürt, weswegen er sich draußen einen Baum oder Sonstiges sucht, warum nicht? Und sollte er ein bisschen bellen wollen (könnte ja vorkommen), Gesang und Orgel wird er schon nicht übertönen.
Rudolf Huggenberger

 

Tiergottesdienste

Nun ja, dass die katholische Kirche äußerst harsch reagieren, wenn nicht sogar überreagieren kann, ist ja hinreichend bekannt. Allerdings mute ich meiner Dackeldame größere Veranstaltungen mit großen Menschenansammlungen eher nicht zu, wie zum Beispiel Volksfeste oder eben Gottesdienste.

Grundsätzlich sind Tiere jeder Art in Kirchen und sogar auf Friedhöfen verboten. Die Idee von Tiergottesdiensten finde ich daher gut. Ich würde es auch begrüßen, wenn man kurz mit einem Hund in eine Kirche gehen dürfte, um eine Kerze anzuzünden. Leider muss ich sehr oft darauf verzichten, denn den Hund draußen festbinden und alleine lassen, mag ich auch nicht.
Barbara Schäfer

 

Denkt an Olympia

Sicher denken viele Leser, dass der Hund schließlich auch ein Geschöpf Gottes ist, und zumindest, solange er sich anständig benimmt, dürfte doch wirklich nichts gegen seinen Besuch im Hause Gottes sprechen. Allerdings fällt mir als Besitzer eines Norwich Terriers auf, dass in München immer öfter dieser hinreißende Genosse nicht mit ins Restaurant darf. Denkt man noch daran, dass wir in München 1972 die Olympischen Spiele hatten, und das Maskottchen war ein Dackel! Da muss doch nicht die Polizei kommen und den Weihnachtsfrieden stören. Der Besitzer tut mir richtig leid, alle meine guten Wünsche für ihn und ein neues Jahr ohne solche Erlebnisse.
Ulla Feldmeier

 

Nicht nachvollziehbar

Wer sich einen Hund als Lebensmittelpunkt ausgesucht hat (wogegen nichts zu sagen ist), erwartet natürlich, sich überall damit ohne Einschränkung zu bewegen. Darum ist auch der vermutliche Widerstand des Herrn Gruber zu erklären. In unserer Kultur bestehen nun mal auch verständliche Anordnungen und Gesetze, an die sich jeder halten sollte und muss. Wenn Hunde in der Kirche erlaubt wären, würden auch andere, nicht ruhige Gefährten, jede Messe stören und eventuell jeden Gesang mit Jaulen unterstützen. Ein Hundeohr hat halt andere musikalische Empfindungen. Die Aufregung des Herrn Gruber kann ich deshalb nicht nachvollziehen. Er sollte sich vielmehr überlegen, wo er ohne Probleme mit seinem durchaus niedlichen Hündchen sein Leben genießen kann. Bei einer Messe sicherlich nicht!
Thilo

 

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