Die Bibel als Magazin Länger als eine Woche aktuell

Kernsprüche aus dem Neuen Testament haben Wurm und Volleritsch in effektvollen Großbuchstaben über die ganze Seite gelegt. Vom Papstbesuch in Berlin erhoffen sich die Macher noch einmal einen kräftigen Verkaufsschub. Foto: Bibelwerk

Es bleibt das meistverkaufte Buch der Welt. Die Zeitschriften-Macher Oliver Wurm und Andreas Volleritsch bringen ihr Bibel-Magazin, das 2010 zum Kirchentag erschienen ist, nun am Kiosk unter die Leute – in einer Auflage von 40000 Stück.

 


AZ: Herr Wurm, wo hatten Sie die göttliche Eingebung?

OLIVER WURM: In München! Ich hatte mit meinem österreichischen Kollegen Andreas Volleritsch ein neues Sportmagazin entwerfen sollen. Mir schwirrten ununterbrochen Schrifttypen und Grafikideen durch den Kopf und so konnte ich abends im Hotel nicht einschlafen. Es gab nichts zu lesen außer der Bibel im Nachttisch.

Ein Schlüsselerlebnis?

Nicht wirklich. Denn ich war zwar fasziniert von den Texten, aber es war eine Dünndruck-Ausgabe mit furchtbar kleinen Buchstaben, so dass ich ermüdet einschlief. Am Morgen stand für mich aber fest: Nach dem Sportmagazin nehme ich mich der Bibel an.

Ein Großprojekt, das Sie auf 244 Seiten gebannt haben.

Wir haben im Netz den Text gefunden und runtergeladen. 600 Stunden hat dann die Arbeit gedauert, das typografisch in Form zu bringen.

Sie haben dennoch fast auf Bilder verzichtet, was einem Magazin widerspricht.

Ja, weil die Bebilderung oft Gefahr läuft, kitschig oder naiv zu sein. Wir haben beschlossen, alles mit Typografie und Layout zu meistern. Wenn man auf die Seite mit der Bergpredigt schaut, ergibt sich aus Buchstaben ein Kreuz auf einem Hügel. Wichtige Textstellen haben wir über die ganze Doppelseite laufen lasssen. Und als alles fertig war, habe ich in der Zeitung den Vorbericht zu den Passionsspielen in Oberammergau gesehen. Und wir haben dann einige Bilder der Aufführung zur Bebilderung der Kapitel-Anfänge genommen.

Was macht Ihre Ausgabe so lesefreundlich?

Zum Beispiel, dass Kernstellen stark hervorgehoben sind, so dass man sich orientieren kann und merkt, wieviel Bekanntes die Bibel enthält, das man wieder vergessen hatte.

Sie haben die sogenannte Einheitsübersetzung benutzt.

Das war Zufall, weil es diesen Text im Internet gab. Aber letztlich ist das ja eine Art ökumenischer Text und das macht das Projekt unabhängig von der Konfession.

Fühlen Sie sich als Missionar?

Nein. Ich hatte nur die Idee: Wenn jemand die Bibel lesen will, sollte es auch eine Form davon geben, die das möglich macht. Mein Vater ist Rentner. Wir haben miteinander telefoniert. Und er sagt mir: „Du, ich bin fertig”. Ich dachte er redet vom Heckenschneiden, aber er hatte in drei Wochen unser Neues Testament als Magazin gelesen. Und Rückmeldungen zeigen: Vom Promi wie Roger Willemsen, der Hamburgischen Landespastorin bis zum alten Abt, der mit seinen schlechten Augen den großen Druck schätzte: Alle waren begeistert.

Das Neue Testament als Magazin kostet 9,20 Euro. Der Gideonbund verschenkt Bibeln.

Aber es ging ja um die neue Form und wir wollten es unter 10 Euro halten. Und vergleichen Sie das mal mit anderen Hochglanzmagazinen! Die Bibel ist halt nicht nur eine Woche oder Monat aktuell.

„Das Neue Testament als Magazin”, 9.20 Euro; Bahnhofsbuchhandlung oder Internetbestellung: wwwbibelalsmagazin.de

 

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