Die beste Nacht seit Jahren Night Of The Proms in der Olympiahalle

Macht „O sole mio“ zur italienischen Speisekarte, überzeugt lustig und klassisch und kann einfach alles: Natalie Choquette. Foto: Jens Niering

„Night Of The Proms“ in der Olympiahalle: Natalie Choquette ist der Star, John Miles hat einen Lauf

 

Was für eine musikalische Kalorienbombe in der Vorweihnachtszeit! Noch nie war die „Night Of The Proms“ so wertvoll wie heute. Ein schnelles und abwechslungsreiches Programm, Highlight auf Highlight, mit Spaß und voller Niveau. Drei Shows in der Olympiahalle, alle drei ausverkauft.

Gleich zu Beginn die Sopranistin Natalie Choquette aus Kanada, 20 Jahre nach ihrem ersten Auftritt endlich wieder bei den Proms. Diesmal mit Handicap – einem frisch operierten und einbandagierten gebrochenen Bein, aber dennoch voll dabei. Und das gleich in mehreren Rollen: Erst als Humoristin in Sachen Oper, die den „Figaro“ besingt und dann aus „O sole mio“ eine italienische Speisekarte macht, schließlich die Russin mimt und mit „Kalinka“ die ganze Halle zum Lachen und Beben bringt. Später dann ganz ernst „ein Gebet für unsere Mutter Erde“, das „Ave Maria“ von Schubert. Und dann genau so ernst und hinreißend im Duett mit John Miles „Don’t Give Up“.

John Miles hat an diesem Abend sowieso einen aufsehenerregenden Lauf. Nicht nur, dass er seine Hymne „Music“ dieses Mal besonders gefühlvoll hinbekommt, er wagt das eigentlich Unmögliche, intoniert „Bohemian Rhapsody“ von Queen. Und da er weiß, dass er nicht so ein großer Sänger ist wie Freddy Mercury, hilft bei gewissen Passagen der fantastische Chor Fine Fleur.

Die Dirigentin im Dirndl

Eric Bazilian und Rob Hyman von The Hooters gehen auf Nummer sicher, präsentieren ihre Hits „All You Zombies“, „Johnny B“ und „500 Miles“, ebenso „Time After Time“, weltweit zum Hit geworden in der Fassung von Cyndi Lauper, geschrieben von Hyman. Gute Laune, tolle Stimmung.

Ebenso bei Alan Parsons mit „Eye In The Sky“, „Don’t Answer Me“ und auch seiner neuen Nummer „One Note Symphony“, die nächste Woche als Single veröffentlicht wird. Der Sound von Parsons eignet sich natürlich bestens für die Bearbeitung mit großem Orchester; und Dirigentin Alexandra Arrieche aus Brasilien – auch heuer wieder im Dirndl – und ihr Antwerp Philharmonic Orchestra hängen sich voll rein. Auch bei reinen Klassik-Interpretationen wie Ravels „Bolero“. Als Bonus zu den bekannten Klängen gibt’s eine atemberaubende Dance-Show von der Truppe Let’s Go Urban.

Etwas untergegangen: Al McKay’s Earth Wind & Fire Experience. Ihr Auftritt war einfach zu kurz, und auch Leslie Clio: Ihre Musik kommt aus der großen Medienwelt („Schlag den Raab“, „Inas Nacht“) und ist nicht unbedingt tauglich für die Proms.

„Und das wichtigste Wort in der Vorweihnachtszeit“, sagt Moderator Marcus Fahn, „Ist nicht etwa Glühwein, sondern Liebe!“ Daher zum Abschluss ein großes Finale aller Künstler mit einem Evergreen der Beatles: „All You Need Is Love“. Schöner geht’s nicht.

 

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