Die AZ-Kritik Das Album "Peace, Love & Harmony" von High South

Das amerikanische Trio High South. Foto: Universal

Das Album "Peace, Love & Harmony" von High South entführt in die heile Welt des Country-Rock.

 

Wenn die Welt aus den Fugen gerät, sehnt man sich nach dem Vertrauten, nach dem Bewährten, nach Kontinuität. Das Album "Peace, Love & Harmony" des US-Trios High South könnte also zu keinem passenderen Zeitpunkt erscheinen als in diesem März. Denn es bietet gute Musik, die man bestens kennt: 15 Lieder, die neu sind und doch heimelig-vertraut klingen.

Ja, es lässt sich sogar punktgenau zuordnen, an wen die Songs dieses Gesangstrios aus Nashville erinnern. "Make It Better" klingt bis ins Detail wie Crosby, Stills & Nash: Der Sound des Harmoniegesangs ist extrem ähnlich, die Instrumentierung praktisch identisch. Und die Komposition wirkt wie ein Amalgam aus einigen der bekanntesten Songs der Vorbilder, ist aber doch eigenständig genug, dass man im Copyright-Prozess eine reelle Chance hätte.

Mit "Where We Are" gibt es noch einen zweiten Crosby, Stills & Nash-Klon, aber andere Himmelsstimmen werden bei diesem Raubzug noch stärker geplündert: die Eagles. Man hört sie beim Titelsong, bei "All We Need" und bei "Ghost Town" – doch da überspannt High South den Bogen: Die Strophe ist mit dem Eagles-Hit "Lyin’ Eyes" praktisch identisch.

Man glaubt, die Eagles zu hören

High South decken gleich auch noch die Solokarrieren der Ober-Eagles ab: "Love Ain’t Gonna Let You Down" klingt voll und ganz nach Glenn Frey, der Shuffle-Rock "Let’s Get High" hätte sich auf dessen Solo-Alben auch gut gemacht. "Bad Girl" und "Moonlight On Sunset" wieder klingen nach den Solo-Aufnahmen von dessen Ex-Partner Don Henley. Zumindest bis zum mehrstimmigen Refrain: Dann glaubt man wieder, die Eagles zu hören.

Das alles ist natürlich frecher Diebstahl – zugleich aber absolut perfekt gemacht. Und alles erschließt sich erst richtig, wenn man das Kleingedruckte liest, sprich die Namen der Produzenten: Stan Lynch, der ehemalige Schlagzeuger von Tom Pettys Heartbreakers, produzierte mehrere Platten für Don Henley. Und sein Kompagnon Josh Leo, der auch an allen Songs mitschrieb, verdiente seine Sporen bei Eagles-Kompagnon J. D. Souther und bei Glenn Frey persönlich. Das erklärt doch einiges.

Die Produzenten heuerten zudem Musiker an, die den originalen Sound der Westcoast-Siebziger prägten, die hier wiederaufleben sollen, darunter Linda Ronstadts Pedal Steel-Gitarristen Dan Dugmore. Doch auch die drei von High South, die den Harmoniegesang so punktgenau hinbekommen, sind allesamt alte Musikbiz-Profis.

Die Augen schließen

Und sie können noch mehr als die der beiden erfolgreichsten Westcoast-Acts zu kopieren: Songs wie "Roll That Stone Away" oder "Get On Up" sind entspannter Südstaaten-Funk-Rock. Auch das hat man schon zigfach gehört, etwa bei Bruce Hornsby, doch die musikalische Perfektion ist beeindruckend. Fast alle Songs des Albums sprühen voll eingängiger Motive, fast alles hakt sich sofort im Ohr fest. Nur die Hippie-Texte sind etwas flach – mit dem Albumtitel "Peace, Love & Harmony" ist die Messe weitgehend gelesen. Musikalisch aber macht das Album bei aller Dreistigkeit viel Spaß: Man könnte "High South" als Meisterdiebe bezeichnen.

Und die werden umso faszinierender, wenn man ihre bizarre Vorgeschichte kennt: Mit einer früheren High-South-Besetzung versuchten zwei der drei – Kevin Campos und Jamey Garner – ihre Fähigkeiten auf anderem Wege zu monetarisieren. Da spielten sie Country-Schlager grausamster Art, der mit mindestens einem Auge auf den Markt der deutschsprachigen Länder schielte: Im Internet kann man sehen, wie sie bei der "Nacht am Wörtersee" frühere Schreckenslieder spielen, als Tiefpunkt dann noch "Country Roads". Man kann kaum glauben, dass es sich um dieselbe Band handelt. Ihr Management residiert übrigens nach wie vor in Österreich.

Authentizität oder Originalität sollte man bei diesen Profis also nicht erwarten. Aber wenn man bei ihrem neuen Album "Peace, Love & Harmony" die Augen schließt und den dreistimmigen Gesang hört, ist man sogleich in einer vertrauten, schönen, perfekten Musik-Welt. Und das ist doch schon mal etwas in diesen Tagen.

High South: "Peace, Love & Harmony" (erschienen bei High South Records / Cargo)


 
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