Die AZ-Konzertkritik Eric Burdon im Gasteig

Eric Burdon bei seinem Konzert in der Philharmonie. Foto: Jens Niering

Der britische Rockmusiker Eric Burdon mit seinen Animals in der Philharmonie

 

Sollte diese Konzertreise tatsächlich die „Abschiedstour“ sein und bleiben, als die sie annonciert wurde, sollte dieser Auftritt in der Philharmonie somit wirklich sein letzter Auftritt in München sein: Dann macht Eric Burdon darum erstaunlich wenig Brimborium. Ja, er geht in keiner einzigen Silbe darauf ein. Keine Abschiedsworte, kein Rückblick, kein Resumee, bis hin zum Abgang, bei dem er schlicht „München!“ ruft, sich verbeugt und mit seinen sechs „Animals“ winkend die Bühne verlässt.

Diese Musiker waren freilich allesamt noch nicht geboren, als die Animals berühmt wurden. 1964 war das, als Eric Burdon, Organist Alan Price und drei weitere Musiker aus Newcastle den Folksong „House Of The Rising Sun“ zur fiebrigen Rocknummer machten, in England berühmt wurden und wenig später in Amerika: als Truppenteil der „British Invasion“, der von den Beatles angeführten Eroberung des Mutterlandes des Rock. Später übersiedelte Burdon ganz dorthin, wie er knapp erzählen wird, und feierte Erfolge mit der Band War. Assoziiert wird er aber für immer mit den Animals, und da er im Besitz der Namensrechte ist, heißt seine Begleitband nun eben so.

Die groovt sich erst mal entspannt ein mit Joe Zawinuls eingängigem Jazzstandard „Mercy, Mercy, Mercy“, bevor der 78-jährige Burdon die Bühne betritt. Seine Schritte sind sehr, sehr langsam, aber schon beim ersten Stück „Soul Of A Man“ ist klar: Seine Stimme hat nichts von ihrem Volumen verloren.

Er singt weniger nuanciert als früher, manchmal auch weitgehend im Sprechgesang wie bei Randy Newmans Lied „Mama Told Me Not To Come“, das Burdon 1966 auf seinem Solodebüt als erster aufnahm und das später zigfach gecovert und zum Hit wurde. Burdons Stärke aber ist das energische Blues-Shouting, bei dem es nicht um Sauberkeit, sondern um Intensität geht: Und in den hohen Lagen hat seine Stimme von ihrer rohen Kraft und ihrem Wiedererkennungswert nichts verloren.

So shoutet er sich durch viele seiner bekannten Songs wie „Spill The Wine“ oder „It’s My Life“. Mit Abstand am besten aber klingt „In The Pines“, ein Appalachen-Folksong aus dem 19. Jahrhundert, den Lead Belly in den Vierzigern aufgenommen hat – heute kennen ihn die meisten unter dem Titel „Where Did You Sleep Last Night“ von Nirvanas Unplugged-Album.

Burdon und seine Musiker schaffen die passend gespenstische, unheilvolle Atmosphäre für diesen Song, bei dem die Sonne nie aufgeht und der Wind ewig eisig bläst. Das begeisterte Publikum applaudiert bei keinem Song mehr, noch nicht mal bei „Don’t Let Me Be Misunderstood“ und „House Of The Rising Sun“, mit denen das reguläre Programm nach einer Stunde endet. Die beiden Klassiker geraten aber auch weniger kraftvoll.

Den Höhepunkt hat sich Burdon für den zweiten Teil der vierzigminütigen Zugaben aufgehoben: „We’ve Gotta Get Out Of This Place“. Da dreht die Band richtig auf, vor allem bei einem tollen Solo von Pianist Davey Allen.

Dann erweist Gitarrist Johnzo West Jimi Hendrix die Ehre, baut sein Solo um das Thema von „Third Stone From The Sun“. Und Eric Burdon singt die Melodie unisono mit – eine Verbeugung vor seinem engen Freund aus den Sechzigern. Ist dieser Songtitel „We’ve Gotta Get Out Of This Place“ nun der ironische Abschiedsgruß zum Ende von Eric Burdons Live-Karriere?

Auf keinen Fall. Denn als schon alle Zuschauer in der zu rund drei Vierteln gefüllten Philharmonie auf den Beinen sind, schickt er noch einen Party-Soul-Song von Sam & Dave hinterher, und der weist genau in die gegenteilige Richtung: „Hold On, I’m Coming“.

 

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