Feuerwehren trainieren bei München Üben für den Ernstfall: So hart ist die Vorbereitung für einen Waldbrand

Dichter Rauch steigt vor dem Wald auf. Foto: Bernd Wackerbauer

Im Kreis Rosenheim proben Einsatzkräfte den Kampf gegen Waldbrände. Die Hitze ist dabei nicht die einzige Herausforderung.

 

Feldkirchen-Westerham - Dichte Rauchschwaden steigen vor dem Wald auf und bilden eine gespenstisch-weiße Wand. Vereinzelt blitzen Blaulichter durch den Qualm. Der beißende Geruch von Rauch erfüllt die Luft. Am Himmel kreisen Helikopter, von einem stürzt Wasser auf den brennenden Wald.

Was aussieht, wie ein echter Katastrophenfall, ist eine Übung. Einsatzkräfte haben am Samstag in Feldkirchen-Westerham nahe München einen Waldbrand simuliert.

Feuerwehren üben für Waldbrand

"Extreme Situationen wie Waldbrände gibt es wegen des Klimawandels immer häufiger", erklärt Übungsleiter Florian Brummer vom Medizinischen Katastrophen Hilfswerk (MHW). "Auch in Deutschland müssen wir uns darauf vorbereiten."

Für die Übung wird auf einer Wiese vor dem Wald ein echtes Feuer entfacht. Waldbrand-Experten achten darauf, dass die Flammen nicht wirklich den Wald in Brand setzen.

Das Szenario: Drei Freunde genießen das sonnige Wetter und grillen am Waldrand. Doch plötzlich breitet sich das Feuer auf dem gesamten Grillplatz aus. Zwei Personen werden verletzt, eine flieht in den Wald. Dann greifen die Flammen auf den Wald über. Feuerwehr und Rettungsdienst werden alarmiert. Die Feuerwehrleute beginnen mit den Löscharbeiten und bergen die beiden "Verletzten". Sie werden von einem ADAC-Rettungshelikopter abtransportiert.

Waldbrand-Übung: Retter mit Großaufgebot

Die Feuerwehr bekämpft das Feuer weiter am Boden, während ein Polizeihubschrauber nach der vermissten Person im Wald sucht. Hier wird mit Nebelmaschinen ein Waldbrand simuliert, Löschhubschrauber werden alarmiert. Mit einem Löscheimer schütten sie Wasser auf die Bäume.

An der Übung am Samstag nehmen über 80 Rettungskräfte, Waldbrandexperten und vier Hubschrauber teil. Neben Feuerwehr, ADAC, HTM und Heli Travel Austria sind auch ein Polizeihubschrauber, Rettungsdienste und Experten für Waldbrandbekämpfung dabei.

Doch es ist nicht nur die Größe, die die Simulation zu etwas Besonderem macht. Es ist die erste Übung in Deutschland, bei der staatliche Stellen mit privaten Unternehmen zusammenarbeiten, um einen Waldbrand zu bekämpfen. Hubschrauber des Münchner Unternehmens HTM und der österreichischen Heli Travel Austria unterstützen die staatlichen Retter.

Im Ernstfall zählt die Zusammenarbeit

"Die Zusammenarbeit von staatlichen Stellen und privaten Firmen ist immer noch selten", sagt Werner Greipl, der Pilot des HTM-Löschhubschraubers. Er selbst hatte letztes Jahr in Schweden bei der Waldbrandbekämpfung Unterstützung geleistet. Wie wichtig gute Zusammenarbeit bei solchen Einsätzen ist, erklärt Brummer: "Das Schwierigste ist die Absprache zwischen den Löschhubschraubern und den Einsatzkräften am Boden. Im Wald sind zeitweise Bodentruppen unterwegs und gleichzeitig die Hubschrauber im Einsatz." Eine Situation, die schnell gefährlich werden kann, wenn nicht alle gut kooperieren.

"Vieles läuft schon sehr gut", lobt Brummer die Einsatzkräfte nach der Übung. An mancher Stelle merken Beobachter allerdings, dass es noch Verbesserungsbedarf gibt. So tragen die Experten zur Waldbrandbekämpfung beispielsweise besonders leichte Uniformen, derweil leiden die lokalen Feuerwehrleute in ihrer schweren Ausrüstung unter der enormen Hitze.

Nach drei Stunden ist die Simulation vorbei, die Verletzten sind in Sicherheit, der Vermisste ist gefunden und das Feuer gelöscht. "Ich denke, solche Übungen sind enorm wichtig", sagt Brummer. "In Zukunft müssen wir auf solche extremen Situationen vorbereitet sein.

Diese Männer sind im Ernstfall zur Stelle

Florian Brummer - Übungsleiter:

Eine Übung mit so vielen verschiedenen Organisationen zu koordinieren ist nicht einfach. Für Florian Brummer vom Medizinischen Katastrophen Hilfswerk ist das die größte Herausforderung bei der Simulation. "Wir müssen verhindern, dass sich Einsatzkräfte verletzen, und dazu müssen wir uns gut absprechen."

Er selbst läuft während der Übung zwischen den Feuerwehrleuten am Waldrand und dem etwas weiter entfernten Flugplatz hin und her. Auch die Hitze ist für Brummer ein besonderes Problem: "Das ist eine unheimliche Belastung", sagt er. "Die Hitze heute macht mir selbst auch sehr zu schaffen. Man muss wirklich darauf achten, genug zu trinken." Die gemeinnützige Organisation MHW, für die Brummer arbeitet, hat bereits Erfahrung in der Waldbrandbekämpfung.

Über das Netzwerk des Vereins können bis zu 15 Löschhubschrauber von privaten Anbietern zur Verfügung gestellt werden. Im vergangenen Jahr unterstützte das MHW so mit fünf Löschhubschraubern die Waldbrandbekämpfung in Schweden.

"Auch in Deutschland müssen wir uns mit einer erhöhten Waldbrandgefahr auseinandersetzen", warnt Brummer.

Werner Greipl - Helikopterpilot:

Für Werner Greipl von HTM ist ein Einsatz wie am Samstag Routine: "So ein Lastentransport ist ja unser täglich Brot. Fliegerisch ist das keine besondere Herausforderung." Für den Piloten steht die gute Koordination und Kommunikation des Einsatzes im Vordergrund.

Auch er war in Schweden bei der Waldbrandbekämpfung persönlich mit dabei. Seit 1998 fliegt Greipl gewerblich Helikopter. "Normalerweise würde ich bei einem Waldbrand das Wasser direkt aus einem nahen Fluss oder See holen – in unserem Fall aus der Mangfall", erklärt Greipl.

"Da aber nur eine Übung stattfindet, fliege ich mit dem Helikopter zum Landeplatz, wo die Feuerwehr den Löscheimer mit dem Schlauch wieder auffüllt."

Greipl hat schon viele Erfahrungen als Pilot gesammelt, für HTM fliegt er nicht nur zum Löschen von Waldbränden, sondern hat auch schon Personen mit dem Helikopter befördert, Offshore Windparks beliefert und hunderte Transportflüge absolviert.

Thomas Link - Waldbrandexperte:

Thomas Link fällt sofort auf. In seiner leuchtend gelben Uniform hebt er sich stark von seinen schwarz-gekleideten Feuerwehr-Kollegen ab. Link arbeitet für @fire, einen gemeinnützigen Verein, der Hilfe bei Naturkatastrophen bietet. Er selbst ist Fachberater für das Thema Waldbrand. Seine Uniform ist extra für die Waldbrandbekämpfung angefertigt.

"Die Kommunikation muss einfach gut laufen, das ist das Wichtigste", betont er. Doch Link sieht auch andere Herausforderungen: "Wir versuchen, Ressourcen zu schonen. Damit meine ich nicht nur unsere Energie und die Werkzeuge, sondern auch das Löschwasser. Gerade bei großen Waldbränden ist das sehr wichtig."

Der Verein @fire engagiert sich nicht nur bei der Waldbrandbekämpfung, sondern auch bei Renaturierung durch kontrolliertes Abbrennen. Am Übungstag achtet Link auch darauf, dass das Übungsfeuer nicht auf den Wald übergreift. "Der Wald liegt in einem Feuchtgebiet, das heißt, ein Waldbrand ist dort sehr unwahrscheinlich", erklärt Link. Dennoch, für den Fall, dass etwas passiert, sind Feuerwehrleute rund um den Brand stationiert. Sie nehmen nicht an der Übung teil, sondern sichern nur das Feuer.

Lesen Sie auch: Rauch über der Frauenkirche - Feuerwehr probt den Ernstfall

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading