Diamantring aus dem See Zurück am Finger

Stolz zeigt Aylin Yapar ihren Ring. Sie dachte, der wertvolle Schmuck sei für immer weg. Jetzt strahlt sie. Foto: privat

Beim Tauchen im Starnberger See hat ein Bub (8) einen wertvollen Verlobungsring gefunden. Mit Hilfe der AZ (und auch eines Zufalls) kommt das Schmuckstück wieder zu seiner Besitzerin

Starnberg/Ramersdorf - Sie spürt das kalte Wasser, die kitzelnden kleinen Wellen, den weichen Kies unter ihren Füßen und dann: ihren Finger. Dort löst er sich, rutscht herunter und gleitet ins Trübe davon. „Ich wollte ihn auffangen“, sagt Aylin Yapar, „immer wieder habe ich ins Wasser gegriffen, aber da waren so viele Leute, alles war aufgewirbelt, man hat nichts gesehen.“

Er war weg: der Ring, den ihr Ersin geschenkt hatte, ihr Verlobter. Ein Ring aus Gold mit Diamanten besetzt, ein wertvolles Schmuckstück und eine Liebeserklärung. Jetzt hatte sie ihn verloren, einfach so, beim Schwimmen im Starnberger See.

Das war vor wenigen Wochen. Wenn die 23-jährige Aylin Yapar heute daran denkt, erschrickt sie noch immer. Doch dann kann sie auf ihren Finger schauen. Dort sitzt er nun wieder, der Ring. Sie hat ihn wieder: dank eines eifrigen Kindes, einer engagierten Mutter und der Hilfe der AZ. Aylin Yapar ist überglücklich. Denn der Ring schien für immer weg zu sein.

Als der Ring im See versinkt, ruft sie nach ihrem Verlobten Ersin (41), beide suchen – vergeblich. Tags darauf fahren die beiden nochmal an den See, zum Strandbad Possenhofen, wo Aylin den Ring verloren hat. Sie fragen am Kiosk, bitten Hobbytaucher, nach dem Ring zu suchen. Aber er bleibt verschwunden. „Den müssen wir dem See schenken“, sagt Ersin traurig. Aylin weint.

Einige Tage später schnorchelt der achtjährige Konstantin Woisch am Possenhofener Strand. Er taucht nach Schätzen und bringt sie seiner Mutter ans Ufer: Eine rostige Gabel, einen Pfennig, Seepflanzen – und einen Diamantring. Konstantins Mutter ist sprachlos. „Ich hab’ gleich gesehen, dass das ein Hochzeitsring mit echten Diamanten sein muss“, sagt Andrea Woisch.

Im Ring ist ein Datum eingraviert, das noch nicht mal ein Jahr zurückliegt, außerdem der Name „Ersin“. Sie will ihn zurückgeben. Doch weder am nahen Kiosk noch im Fundbüro hat sich jemand gemeldet, auch in den umliegenden Standesämtern findet Andrea Woisch nichts heraus. Ein Aufruf im Radio bleibt ohne Erfolg. Dann meldet sie sich bei der AZ. Der letzte Versuch, sagt sie. „Ich hätte nicht gewusst, was ich noch machen soll.“

Der Artikel erscheint an einem Samstag, an dem Ersin bei einem Freund am Zeitungskiosk aushilft. Er blättert die Zeitungen durch. Den Ring übersieht er. „Am Nachmittag waren dann Kinder von Freunden bei uns zu Besuch in Ramersdorf“, erzählt Aylin Yapar. „Die wollten unbedingt ein Eis.“ Auf dem Weg zum Kiosk kommt sie an einem Zeitungskasten vorbei. Erst auf den zweiten Blick merkt sie: „Das ist doch mein Ring!“ Sie läuft nach Hause, meldet sich bei Andrea Woisch und nennt ihr das Datum, das im Ring eingraviert ist. „An diesem Tag haben wir uns kennengelernt“, sagt sie. „Deshalb war die Suche bei den Standesämtern auch erfolglos.“

Die 23-Jährige kann ihr Glück nicht fassen. „Ich habe mich unendlich gefreut!“ Aylin Yapar und ihr Verlobter Ersin Demirbag besuchen die Familie Woisch in Starnberg. Endlich kann sich Aylin den Ring wieder an den Finger stecken. „Ich habe ihn mir den ganzen Abend lang immer wieder angeschaut“, erzählt sie. „Jetzt werde ich noch besser darauf aufpassen.“

Auch Andrea Woisch ist froh: „Ich hatte die Hoffnung fast schon aufgegeben – jetzt freue ich mich sehr für die beiden.“ Auch der eifrige Taucher Konstantin darf sich freuen: Als Finderlohn bekommt er Figuren für ein Konsolenspiel geschenkt. „Und sobald ich darf, will ich richtig tauchen“, sagt er. Wer weiß, was er dann noch alles findet.

Aylin Yapar und Ersin Demirbag wollen nun bald heiraten. Die 23-jährige Zahnarzthelferin erwartet ein Kind, im November ist das Familienglück perfekt. „Der Diamantring wird dann auch mein Hochzeitsring“, sagt Aylin. „Ich stecke ihn dann an die andere Hand.“ Sie habe gar keinen anderen Ring gewollt, sagt sie. Jetzt liebt sie das Schmuckstück noch mehr.

 

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