Dialekt macht schlau Schulprojekt "MundART WERTvoll" kämpft für Beibehaltung der Mundart

In Dirndl und Lederhosen zeigten diese Zweit- und Drittklässler, dass der bayerische Dialekt auch Spaß machen kann. Foto: sx

Der Dialekt weicht immer mehr dem Hochdeutschen, dabei soll Dialekt sprechen sogar schlau machen. Das die heimische Mundart nicht verloren geht, dafür will das Schulprojekt "MundART WERTvoll" sorgen.

 

München - Klettert Maik an Zenzis Fenster, schallt dieselbe: 'Huch, Gespenster!’"

"Trutschn, fade! Dass das woaßt, dass bei uns des Fensterln hoaßt!" Dieser und weitere freche Sprüche von Grundschülern aus Grabenstätt (Landkreis Traunstein) sorgten am Dienstag für einige Erheiterung in den Räumen des Münchner Presseclubs am Marienplatz.

Die Kinder sind Teil des Projekts "MundART WERTvoll" unter dem Dach der Stiftung Wertebündnis Bayern, das unter anderem vom Kultusministerium und dem Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung unterstützt wird.

Am Dienstag stellte Projektleiterin Ingrid Ritt vom Wertebündnis eine Handreichung dazu vor: eine Broschüre, in der zehn Schulen ihre Projekte zum Thema Mundart genau beschreiben.

Thematisierung des Dialekts ist im bayerischen Lehrplan verpflichtend

Andere Schulen können dies als Anregung nutzen – oder einfach nachmachen. "Die Thematisierung des Dialekts ist im bayerischen Lehrplan ja verpflichtend", sagt Ritt. Unsere Mundart-Projekte gehen aber noch darüber hinaus.

Wie in Grabenstätt bei Josephine Brunnhuber: Die Leiterin der örtlichen Grundschule wollte 2015 ein Musical mit den Schülern aufführen – und hat es kurzerhand auf Bairisch übersetzt.

"Das haben wir zusammen mit den Kindern gemacht – und das war für die auch gar nicht so leicht." Zumal die Hälfte der Kinder an ihrer Schule eigentlich gar nicht Bairisch kann, so die 47-Jährige.

"Fotznspangler" als Lieblingswort

Am Dienstag war davon nichts zu merken. In Dirndl und Lederhosen sahen die acht Zweit- und Drittklässler nicht nur aus wie urbayerische Originale, sie klangen auch so. "Dabei reden nur fünf von ihnen daheim Dialekt", sagt Brunnhuber. Eine von ihnen ist Leni. "Mich hat das richtig fasziniert, dass die, die sonst nur Hochdeutsch können, das so schnell gelernt haben", sagt die Neunjährige.

Ihr Lieblingswort sei übrigens Fotznspangler, das kennt sie von ihrem Vater. Ihren Kieferorthopäden würde sie allerdings nicht so anreden, sagt sie.

Auch weitere Schulen waren am Dienstag vertreten, wie das Staatliche Berufliche Schulzentrum Kelheim, das während des Höhepunkts der Flüchtlingskrise ein Wörterbuch "Bairisch-Hochdeutsch-Arabisch" geschaffen hat – und dafür mit einem Preis ausgezeichnet wurde.

Oder das Neue Gymnasium Nürnberg, dessen achte Jahrgangsstufe ihrem Dialekt einen Projekttag gewidmet hat.

Dialekt sprechen hilft auch in vielen anderen Bereichen

Doch wozu das Ganze – wo doch immer weniger Menschen in Bayern Mundart sprechen? Es gehe dabei nicht nur um die Erhaltung der kulturellen Wurzeln – da sind sich alle einig. Denn Kinder, die Dialekt und Schriftdeutsch gleichermaßen beherrschten, lernten früh, zwischen verschiedenen Sprachebenen zu unterscheiden, sagen die Experten. Es trainiere die Auffassungsgabe und auch das abstrakte Denken.

Grundschullehrerin Brunnhuber kann dies nur bestätigen: "Seit 20 Jahren schon beobachte ich meine Schüler. Die wirklich guten, also die, die in Deutsch eine Eins haben, sind überwiegend die Kinder, die Dialekt reden." Die haben oft das bessere Sprachgefühl, einen variableren Wortschatz, ein besseres Wortgedächtnis und eine größere Sprachkompetenz.

Allerdings: Selbst diese Kinder – deren Muttersprache Bairisch ist – sprechen zunehmend Schriftdeutsch.

Geht der Dialekt im Kindergarten schon verloren?

Das beginne oft im Kindergarten, sagt Brunnhuber. "Die Kinder werden von einer Hochdeutsch sprechenden Erzieherin betreut – und reden daheim dann auch plötzlich so.

Und die Eltern passen sich dann teilweise daran an und reden auf einmal auch nur noch Hochdeutsch mit dem Kind." Das passiere meist unabsichtlich. "Sie merken das oft gar nicht. Erst, wenn sie dann darauf hingewiesen werden, fällt es ihnen auf", so Brunnhuber.

Ein weiteres Problem sieht sie in den eigenen Erfahrungen der Eltern. Als die jung waren, war es noch unerwünscht, im Unterricht Bairisch zu reden. "Und es ist leider immer noch in den Köpfen der Eltern verankert: ,Wenn man Dialekt spricht, dann ist man nicht so gscheit’."

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