Diagnose Coronavirus So lebt eine Münchner Familie in Quarantäne

Betroffene erzählen vom Leben als Infizierte. (Symbolbild) Foto: Robert Michael/dpa

Bei Michael T. (45) ist Corona diagnostiziert worden. Er, seine Frau und die Kinder dürfen nicht mehr vor die Tür. Wie sie damit umgehen.

 

München - Seit Mittwoch, 14.51 Uhr, haben sie Gewissheit. Da kam der Anruf aus dem Gesundheitsamt. Michael T. (45), Freiberufler und Familienvater, hat sich – wahrscheinlich in Südtirol – mit dem Coronavirus infiziert. Seitdem gilt: Er, seine Frau Sabine (39) und die Kinder Lukas (15) und Tim (10, alle Namen geändert) dürfen ihre 3,5-Zimmer-Wohnung in der Innenstadt nicht mehr verlassen. So lange, bis niemand mehr ansteckend ist. Wann das sein wird, kann derzeit niemand sagen. "Du hängst in der Luft", sagt Michael T.

"Ich dachte, das ist eine Grippe, wie man sie öfter mal hat"

Vor zweieinhalb Wochen war für die Familie noch alles in Ordnung, und Corona weit weg. Michael, Sabine, Lukas und Tim fuhren in den Faschingsferien Ski. Alle waren fit, genossen die gemeinsame Zeit. Zurück in München gingen die Kinder wieder zur Schule, die Eltern arbeiteten. Doch dann wurde Michael T. krank. Er bekam Schüttelfrost und Gliederschmerzen. Das war am 4. März. "Ich dachte, das ist eine Grippe, wie man sie öfter mal hat." Am nächsten Tag erklärte das Robert-Koch-Institut Südtirol zum Risikogebiet. "Da habe ich die vermeintliche Grippe in einem anderen Licht gesehen", berichtet T.

Die Eltern informierten die Schule, die Kinder blieben vorsorglich zuhause, obwohl sie keine Symptome hatten. Auch seine Frau sagte alle beruflichen Termine ab. "Wir wollten alles richtig machen." Der Vater rief seinen Hausarzt an, der schaltete das Gesundheitsamt ein. T. erfuhr, dass er auf eine Liste gesetzt und bald getestet werde. Doch das dauerte. "Samstag kam keiner, Sonntag keiner, Montag keiner." Erst am Montagabend klingelte ein Arzt vom Gesundheitsamt.

Der zog sich vor der Wohnungstür Schutzkleidung an und machte bei dem 45-Jährigen einen Abstrich in der Mundhöhle. Das Ergebnis könne bis zu sieben Tage dauern. Er solle zuhause bleiben, sagte der Arzt. Von den Kindern sagte er nichts. Sie gingen weiter raus zum Spielen. "Das war unter Umständen nicht der richtige Rat. Die Kinder durften keine Party machen, aber wir haben sie nicht eingesperrt."

Am Mittwoch kam das Testergebnis, am nächsten Tag klingelte erneut eine Ärztin des Gesundheitsamtes bei der Familie. Sie nahm auch von Sabine, Tim und Lukas einen Abstrich. 20 Leute hätte sie geschafft an diesem Tag, die Hälfte sei trotz Ankündigung nicht zuhause gewesen, berichtete sie der Familie. "So ein Verhalten kann ich nicht verstehen", sagt Michael T., der sich mittlerweile wieder fit fühlt. Er befürchtet: "Die Dunkelziffer muss exorbitant sein."

Die Mutter gibt ihren Buben im Wohnzimmer Fitness-Unterricht

Gut versorgt ist die Familie erst mal: Sabine T. hatte nach den Ferien erstmal einen Großeinkauf gemacht. Der Kühlschrank ist voll, Gemüse, Obst und Milch reichen eine Woche. "Viele Nachbarn haben angeboten, für uns einzukaufen", berichtet T. dankbar. Doch es gibt auch eine andere Seite: Manche Bekannte machen ihnen Vorwürfe – sie hätten die Kinder nicht raus lassen dürfen. "Das tut weh", sagt der Vater. "Du glaubst, alles richtig gemacht zu haben, und dann werden die Leute rundum panisch, das belastet sehr. Ich möchte an alle appellieren: Bitte bleibt solidarisch!"

Nun heißt es, diese Ausnahmesituation gut zu überstehen. Dazu gehört für die Familie: Dem Tag eine Struktur geben, oft gemeinsam spielen und lesen. Außerdem bringen die Eltern ihren Söhnen das Kochen bei – "lauter Dinge, wofür du sonst keine Zeit hast". Und: Sabine, die Personal Trainerin ist, macht mit ihren drei Männern täglich Work-out im Wohnzimmer. Irgendwo muss die überschüssige Energie ja hin.

 

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