Deutschland im Achtelfinale Handball-WM: Fängt Lichtlein uns das nächste Wintermärchen?

Inoffizieller "Man of the Match": Der deutsche Torhüter Carsten Lichtlein (34). Foto: dpa

Am Ende stürzte sich das gesamte Team auf Routinier Carsten Lichtlein. Mit 34 Jahren ist der Torhüter der älteste Spieler in der deutschen Mannschaft und beflügelte mit seiner Erfahrung und zahlreichen Paraden sein Team gegen Panamerika-Meister Argentinien 28:23 (13:14). Jetzt ist das große Ziel der Gruppensieg in Gruppe D.

 

Doha - Die Deutschen jubeln nach dem Sieg über Argentinien, denn jetzt ist ihnen das Achtelfinale nicht mehr zu nehmen. Jetzt lautet das große Ziel, die Gruppe als Erster zu beenden, denn dann geht es gegen vermeintlich schwächere Gegner und die richtig harten Brocken würden erst im Halbfinale auf Sigurdssons Team warten.

Die deutsche Nationalmannschaft tat sich gegen flinke Argentinier zunächst sehr schwer, lag nach 17 Minuten 7:8 hinten und ging sogar mit einem Rückstand (13:14) in die Halbzeitpause. Schon in der ersten Halbzeit verhinderte Torhüter Lichtlein durch starke Paraden einen höheren Rückstand und nach der Pause ging ein Ruck durchs Team, vor allem wegen dem 2,02-Meter-Hünen im Tor, der im gesamten Spiel eine Fangquote von 39 Prozent und zwei gehaltenen Siebenmetern verbuchen konnte. Überragend im Handball!

In der zweiten Halbzeit gelang Deutschland dann der lang ersehnte Ausgleich zum 19:19 (42.) und gingen wenig später in Führung, die sie bis zum Schlusspfiff nicht mehr abgeben sollten. Trotz weiterer bissiger Versuche der Südamerikaner, behielt die deutsche Mannschaft die Nerven und nötige Ruhe und weitete die Führung am Ende auf einen 5-Tore-Abstand aus.

Der offizielle "Mann des Spiels" war Rechtsaußen Patrick Groetzki, der vor allem in der zweiten Halbzeit aufdrehte und mit sieben Toren maßgeblichen Anteil am Sieg der Deutschen hatte. Unser inoffizieller "Man of the Match" ist und bleibt aber Teufelskerl Lichtlein, der mit 34 Jahren der älteste Spieler im, noch jungen, deutschen Kader ist.

Der Torhüter, der beim WM-Triumph 2007 schon dabei war, dachte eigentlich schon an einen Rücktritt, entschied sich nach der überraschenden WM-Teilnahme durch eine Wildcard, dann aber doch noch um. Zum Glück für das deutsche Team kann man sagen. Der großgewachsene Lichtlein, der für den Vfl Gummersbach spielt, bildet das perfekte Torwart-Gespann mit Exzentriker Silvio Heinevetter, der vor allem für seine unorthodoxen Paraden bekannt ist.

Lichtlein hingegen gilt als Ruhepol im Team, der mit reichlich nationaler und internationaler Erfahrung (191 Länderspiele) glänzen kann. So sagt der Team-Manager Oliver Roggisch, der sich zu seiner aktiven Zeit ein Zimmer mit Lichtlein geteilt hat beispielsweise im Tagesspiegel über ihn: "Carsten ist eher ein Torhüter klassischer Prägung: groß gewachsen, enorme Spannweite. Einer, der vor dem Torwurf lange stehen bleibt und abwartet.“

Bei großen internationalen Turnieren war Lichtlein nicht als erster Torhüter gesetzt, bei der WM 2007 im eigenen Land war er sogar nur der dritte Tormann und somit bei den Spielen des eigenen Teams auf der Tribüne. "Aber das macht mir gar nichts, weil ich meine Rolle gut einschätzen kann“, sagt er. „Ich weiß, dass ich manchmal komplett kalt von der Bank komme und von 0 auf 100 funktionieren muss.“ Laut Roggisch ist Lichtleins große Stärke die enorme Verbundenheit mit dem Team, in dessen Dienst er sich zu jeder Zeit stellt. „Man kann sich einfach auf ihn verlassen, sowohl auf dem Platz als auch daneben.“

Mittlerweile gehört Lichtlein zum fest gesetzten und gleichberechtigten Torwart-Gespann mit Silvio Heinevetter. Trainer Sigurdsson lässt sich die Torwart-Frage bis kurz vor Anpfiff offen, beide Torhüter müssen sich also schnell auf die neue Situation einstellen können. Ein schwieriges Unterfangen auf einer solch wichtigen Position, wie der des Torhüters, möge man meinen, jedoch nicht für Carsten Lichtlein: „Ich bereite mich immer so vor, als würde ich anfangen und gehe entsprechend fokussiert in die Kabine“, sagt der Keeper, „dann lasse ich mich überraschen, ob ich wirklich spiele.“

Schwächen während dem Spiel zeigen sich kaum, vor allem nicht nach der Leistung im Argentinien-Spiel, jedoch sagt Roggisch mit einem Lächeln über seinen ehemaligen Kollegen: "Er ist ein gnadenloser Frühaufsteher, immer der Erste beim Frühstück. Das hat mich manchmal verrückt gemacht."

Als Erster der Gruppe D würde Deutschland gegen den Vierten aus Staffel C antreten. Mögliche Gegner wären hier: Island, Tschechien oder Ägypten, die allesamt keine leichten Aufgaben darstellen.

Am Samstag geht es gegen den Handball-Exoten Saudi-Arabien (17 Uhr, live auf Sky), gegen die schon ein Punkt zum Gruppensieg reicht. Der Sieg dürfte reine Formsache sein, jedoch darf der Gegner nicht unterschätzt werden. So sagt Groetzki beispielsweise: "Man kann zwar zugeben, dass wir da den deutlich schwächsten Gegner der Gruppe haben. Aber wir gehen da trotzdem mit viel Respekt ran, das sind wir auch allen anderen Mannschaften in der Gruppe schuldig. Und uns natürlich auch, weil wir den Gruppensieg holen wollen".

 

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