Deutschland Holocaust-Überlebende besorgt über Situation der Juden

Der Überfall auf einen Rabbiner und Pöbeleien gegen jüdische Schülerinnen in Berlin haben auch bei Holocaust-Überlebenden Ängste ausgelöst.

 

Warschau/Berlin - "Die Überlebenden bringen Deutschland viel Vertrauen entgegen, aber an diesem Punkt wächst die Angst und die Bitternis", sagte Christoph Heubner, Exekutivpräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Auschwitz-Überlebende hatten das Komitee 1952 gegründet, um für die Interessen der Holocaust-Überlebenden einzutreten, aber auch der jüngeren Generation über ihre Erlebnisse zu berichten.

"Die Holocaust-Überlebenden empfinden Deutschland höchst sensibel", sagte Heubner. "Wie man mit der Geschichte umgeht, was in der Gegenwart passiert, wird genau verzeichnet. Und wenn in der Öffentlichkeit diskutiert wird, ob man sich noch als Jude sichtbar machen soll, dann ist das bitter."

Um Antisemitismus, Rechtsextremismus und Intoleranz geht es auch an diesem Donnerstag und am Freitag bei der Generalversammlung des Komitees in Oswiecim - jener polnischen Stadt, in der die Nationalsozialisten das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau errichteten. "Es ist sicher eines der letzten Male, dass eine größere Zahl von Überlebenden kommt", sagte Heubner über die teilweise hochbetagten Mitglieder aus elf Ländern. "Aber viele sagten, es ist für sie wichtig, noch einmal nach Auschwitz zu kommen, damit sich der Kreis schließt."

Es seien nicht nur die jüngsten Vorfälle in Deutschland, die bei den Auschwitz-Überlebenden Sorge auslösen, betonte Heubner. Auf der Generalversammlung solle es etwa auch um die Entwicklung in Ungarn gehen, den latenten und den offenen Antisemitismus. "Da wartet man auch auf Signale aus Europa", sagte Heubner.

Besorgniserregend sei auch, wenn Überlebende, die vor Schulklassen über ihr Schicksal berichten, in Frankreich offen angefeindet würden. Dies sei wiederholt in Schulen mit hohem muslimischen Schüleranteil geschehen. "Da muss man eine Stigmatisierung muslimischer Schüler vermeiden, aber die Situation trotzdem ganz klar benennen." Ein Ende der Schülerkontakte bedeuteten solche Vorfälle jedoch nicht: "Für die Überlebenden ist die Begegnung mit jungen Menschen ganz wichtig - und die Erziehung zu Toleranz."

In Berlin war vergangene Woche der Rabbiner Daniel Alter krankenhausreif geschlagen worden. Nach Angaben der Polizei handelte es sich bei den Angreifern, die flüchten konnten, mutmaßlich um Jugendliche mit arabischem Hintergrund. Zuletzt wurde in der Hauptstadt eine Gruppe von 13 Schülerinnen einer jüdisch-orthodoxen Schule von vier Mädchen angepöbelt.

 

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