Deutschland Ganz schön knackig

Jork - Die Zeit, in der man „in den sauren Apfel beißen“ musste, sind vorbei. Trotz Frühjahrsfrösten und Regen im Mai biegen sich die Zweige, dicht behangen mit prallen Früchten. Von Treckern gezogene, vollgepackte Anhänger schaffen die Äpfel zu den Obsthöfen, die sich entlang des Obstmarschenweges durch das Alte Land aneinanderreihen. „Wir pflücken jeden Apfel per Hand, schließlich soll er lange gut schmecken und nicht faulen“, sind sich die Obstbauern einig. An dieser Sorgfalt hat sich seit dem 13. Jahrhundert wenig geändert, als der erste Obsthof im Alten Land seine Früchte zum Verkauf anbot. Vorher hatte der zuständige Erzbischof aus Bremen Deichbauexperten aus Holland angeheuert, um die ständige Überflutung des Landes zu verhindern. Sie errichteten entlang der Elbe Dämme und zogen dahinter Entwässerungsgräben.

 

Jeder Deutsche isst 20 Kilo pro Jahr

Auch wenn manche Sturmflut im Laufe der Jahrhunderte diese Dämme überspülte, war doch so erst die Voraussetzung geschaffen worden, den tief gelegenen Boden für die Landwirtschaft zu nutzen. Die Obstbauern des Alten Landes beliefern heute die Großmärkte Norddeutschlands, und über die Handelsketten findet sich Altländer Obst in den Ladenregalen überall in Deutschland, sogar in Skandinavien und Russland. Der Apfel ist unangefochten die beliebteste Obstsorte der Deutschen. Im Durchschnitt verzehrt jeder Einwohner der Republik mehr als 20 Kilogramm der Frucht pro Jahr. Sie schmeckt einfach gut und dank der mehr als 20 in Deutschland angebauten Apfelsorten auch ganz unterschiedlich. Gesund ist der Apfel zudem: Die Vitamine C und B6 sowie die Mineralstoffe Kalium und Eisen sind reichlich enthalten. Ballaststoffe, besonders Pektin, machen den Apfel nicht nur knackig, sondern wirken positiv auf Blutzucker- und Cholesterinspiegel, schützen den Darm vor Erkrankungen und sorgen für eine langanhaltende Sättigung trotz nur knapp 60 Kalorien pro 100 Gramm Frucht.

Die meisten Vitamine und Mineralstoffe sitzen direkt unter der Haut. Deshalb gilt es, die gut gewaschenen Äpfel, eine echte „Miniapotheke der Natur“, mit Schale zu essen.. Der rotbäckige Elstar, der sonniggelbe Jonagold oder der säuerliche Boskop - vor allem reife Äpfel werden jetzt gepflückt. Wegen der Fröste im Frühjahr und bedingt durch den feuchten Mai wird die deutsche Apfelernte um rund fünf Prozent niedriger als im Vorjahr ausfallen. Einige Bauern bieten Körbe an, die man gegen eine Pauschale mit selbst gepflückten Äpfeln füllen kann. Frische Luft und frühherbstliche Sonnenstrahlen gibt es gratis dazu. Sortenreine Apfelsäfte schmecken nirgendwo besser, dazu gibt es Cidre oder Apfelbrände oder selbst gekochte Marmeladen. Das Alte Land wird in dieser Zeit zur Schlemmermeile: An den zahlreichen Straßenständen kann man Obst, Marmelade und Likör probieren und kaufen.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading