Deutsches Theater So ist "Der Watzmann ruft" - die AZ-Kritik

, aktualisiert am 22.04.2018 - 11:07 Uhr
Das Alpen-Rock-Musical "Der Watzmann ruft" im Deutschen Theater. Foto: dpa

Besser mit Bier: Das Alpenmusical „Der Watzmann ruft“ mit Klaus Eberhartinger und Joesi Prokopetz im Deutschen Theater

 

Erst schlurft ein ziemlich müder Krieger zum Keyboard. Ein anderer Mann mit Hirschgeweih begibt sich ans Schlagzeug. Dann erscheint ein Riesen-Eichhörnchen auf Bergeshöhen und lässt mit seinem Bass das Zwerchfell erzittern. Zuletzt schreitet würdevoll ein riesiger Fliegenpilz einher, der auf einer Elektrogitarre spielt.

Das sind herrlich schräge fünf Minuten am Beginn von „Der Watzmann ruft“ im Deutschen Theater. Aber bald werden die Kostüme abgelegt, und das vormalige „Rustical“ wird in der Neuinszenierung von Brigitte Guggenbichler zu einem ziemlich normalen „Alpen-Rock-Musical“.

Wolfgang Ambros lässt sich als Erzähler und Hauptsänger nunmehr vom niederbayerischen Jungstar Matthias Kellner vertreten. Der ist zwar ein skurriler Typ und Virtuose auf der Akustik-Gitarre, aber die alten Lieder passen nicht ganz zu seiner Stimme. Erst bei der Zugabe, seinem eigenen „Der seidene Faden“ wirkt er wirklich frei.

Beratungsresistente Altstars

Die Austro-Legenden Klaus Eberhartinger und Joesi Prokopetz sind bei diesem auf Anno 1972 zurückgehenden Schmäh noch immer dabei. Sie ziehen ihre Show ab und wirken etwas beratungsresistent, was die bewährten Witze angeht. Ob sie sich von der Regisseurin wirklich was sagen lassen?

Spaß macht es noch immer, und der Besuch ist für viele Anwesende auch ein Ritual. Aber man kommt um die Einsicht nicht herum, dass die Vergrößerung des seinerzeit auf eine Kassette passenden Konzeptalbums zum Zweieinhalbstünder die Anarchie zur Gaudi vergröbert hat.

Dass ein Mann die geile Gailtalerin spielt, war damals womöglich eine Riesengaudi. Aber heute? Wenn auf der Bühne Handys mit Tönen von vor 15 Jahren klingeln, ist schwer zu entscheiden, ob das nun witzig sein soll oder die Aktualisierung nicht nachgekommen ist. Der Abstand zu Ganghofer ist auch kaum kleiner geworden, und was vormals subversiv war, hat nun die Schwelle zur Heimatkunst überschritten.

Die Musik bleibt unverwüstlich

Die Weiberleut’ bedecken in der Stube ihre Häupter verdächtig orientalisch. Aber den Witz zum österreichischen Kopftuchverbot muss man sich dazu selber denken. Der Knecht will nicht in die Türkei auswandern, weil es ihm daheim schon nicht gefällt. Es gibt einen Running Gag zu Facebook und je einen wohlfeilen Scherz zu Söder und zum Heimatministerium. Die Echo-Szene schreit nach einer aktuellen Anspielung. Aber sie bleibt aus. Bei einer Pressekonferenz hieß es, Ecco Meinecke solle für eine tagesfrische Aufmöbelung sorgen. Er steht zwar im Programmheft, aber viel kann er nicht gemacht haben.

Am besten ist es, man hält sich an die unverwüstliche Musik. Die Band aus Alt-Profis spielt die Musik rockiger als früher. Anna Katharina Kränzlein (vormals Schandmaul) geigt als Einlage eine Art ungarischen Tanz, aber sie passt nicht wirklich zu den Österreichern und lässt sich auch im zweiten Teil nicht mehr sehen.

Ohne die Pointe

Der Abend endet abrupt ohne den alten Epilog mit Umwandlung des Bauernhofs in ein Skizentrum. Dabei ist die Kritik an der Kommerzialisierung der Alpen nun wirklich frischer geblieben als die erotischen Altherrenwitze.

Eine Größe des hiesigen Musiklebens wurde am Premierenabend von Ordnungskräften gehindert, das Bühnengeschehen mit einem Bier zu begleiten. Alkoholgestützt wäre man möglicherweise nachsichtiger und erinnerungsseliger. Ohne Getränke bleibt „Der Watzmann ruft“ leider eine Anekdote, die schon zu oft erzählt wurde und dringend frischen Schwung bräuchte.     

Deutsches Theater, Schwanthaler Straße 13, bis 29. April, Dienstag bis Freitag, 19.30 Uhr, am Samstag auch 15 Uhr, sonntags auch 14.30 Uhr, Karten von 32 bis 69 Euro, Telefon 54 81 81 81

 

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